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Regenerationsquelle: "Dem Schlafzimmer gebührt größere Aufmerksamkeit“

Katharina Vogl, 08.11.2017 07:31

ROITEN. Er begleitet uns vom ersten bis zum letzten Tag unseres Lebens - der Schlaf. Experten unterscheiden heute mehr als 80 verschiedene Schlafstörungen, jedes Jahr wird viel Geld für medizinische Hilfsmittelchen in diesem Bereich ausgegeben. Nachhaltiger und langfristig besser wäre es dagegen, auf eine richtige Schlafhygiene und auf eine persönliche Abstimmung von Bett und Matratzensystem zu achten, sind Claudia und Hermann Neulinger von der gleichnamigen Tischlerei überzeugt. Unter anderem könne Holz, richtig eingesetzt, einen wichtigen Beitrag leisten.

  1 / 6   Tischlermeister Hermann Neulinger ist überzeugt von der erholsamen Wirkung der „Fehra“ und holt sich diese ins Schlafzimmer

Die leuchtenden Zeiger des Weckers täuschen nicht, es ist 2.15 Uhr morgens und Hermine ist hellwach. An ein Einschlafen ist wie schon die vielen Nächte zuvor nicht zu denken. Hermine ist kein Einzelfall, tausende Menschen leiden unter Schlafstörungen. Die Ursachen dafür sind vielfältig, dennoch kann jeder Einzelne viel zu seinem erholsamen Schlaf beitragen, betonen Hermann und Claudia Neulinger. Denn davon hängt die eigene Gesundheit, Vitalität und das Wohlbefinden maßgeblich ab. Die beiden beschäftigen sich berufsbedingt, im Rahmen ihrer Tischlerei, schon seit geraumer Zeit mit dem Thema des gesunden Schlafes.

Im Schlaf passiert“s

Auch wenn es nach außen hin so wirkt, Schlaf bedeutet keineswegs Stillstand. Nacht für Nacht passieren wahrlich viel: Körperzellen erneuern sich, Muskeln wachsen, Eiweiße und neues Blut entstehen, das Immunsystem wird gestärkt und Antikörper generiert. Und nachts spülen wir Müll aus dem Gehirn, wertvolle Erinnerungen hingegen werden vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis geschoben.

„Manche Organe haben in den Nachtstunden ihre Höchstleistungszeiten, außerdem bewegen wir uns nachts, so tut sich der Organismus leichter. Dieser nächtliche Ruhezustand verläuft wellenförmig in verschiedenen Phasen - vom Leicht- bis zum Tiefschlaf - ab, die wir mehrmals durchlaufen“, erklärt Hermann Neulinger. Eine Richtschnur, wie viel Schlaf der Mensch braucht, gäbe es in der Schlafforschung jedoch nicht. Das ist individuell verschieden, ein durchschnittlicher Erwachsener sollte sich eigentlich nach sechs bis acht Stunden ausgeruht und fit fühlen, wichtig für den Rhythmus sind regelmäßige Zubettgehzeiten, weiß Claudia Neulinger.

Schlechte Nachrichten, Katastrophenmeldungen im Fernsehen oder viel Aufregung vor dem Schlafengehen sind jedoch kontraproduktiv. Dem sollte man nach Möglichkeit eine entspannende Dusche, diverse Entspannungstechniken oder beruhigenden Kräutertee mit Honig vorziehen. „Das stimmt uns auf einen geruhsamen Schlaf ein“, gibt Claudia, selbst Expertin für Impuls-Strömen, Tipps.

Das ideale Schlafzimmer

„Ein Drittel der Lebenszeit verbringt man mit Schlafen, das ist uns zum Regenerieren gegeben“, so Hermann Neulinger. Umso wichtiger ist ein guter, störzonenfreier und ruhiger Platz für das Schlafzimmer. „Sakrale Bauten sind uns hier die besten Vorbilder“, meint der Tischlermeister. Frischluftzufuhr ist gerade im Schlafzimmer sehr wichtig, eine Raumtemperatur unter 20 Grad wäre optimal. Ein gesundes Wohnraumklima ist gleichbedeutend mit einer hohen Luftfeuchtigkeit von 50 bis 65 Prozent. Dieser Idealwert wird allerdings nur sehr selten erreicht, weiß Hermann. „Unlackierte Massivholzmöbel und Holzfußböden mit offenporigen Oberflächen schaffen hier einen guten Ausgleich, denn naturbelassenes Holz wirkt feuchtigkeitsregulierend und sorgt so für ein gesundes Raumklima.“

Wichtig wäre im Schlafzimmer auf jegliche Störfelder elektromagnetischer Natur, wie WLAN oder Funk, zu verzichten. Auch wenn es für viele bereits Gewohnheit ist: „Fernseher, Stereoanlage, Handy, haben eigentlich in diesem Raum nichts verloren, sind sich die Neulingers einig. Dazu zählen auch Steckdosen neben dem Bett. Zumindest im Umkreis vom Bett raten die beiden dazu, einen Netzfreischalter einbauen.

Richtig betten

Bereits Paracelsus (1493 - 1541) wusste: „Ein krankes Bett ist das sicherste Mittel, sich die Gesundheit zu ruinieren“. Unbehandeltes Holz kann einen wichtigen Beitrag zum gesunden Schlaf beitragen, sind die Neulingers überzeugt. Damit holt man sich nicht nur den Wald selbst, sondern auch seine entspannende Wirkung ins Schlafzimmer. Heute weiß man: Einige Hölzer scheinen sich besonders positiv auf die Schlafqualität auszuwirken. Das ist zum einen die bekannte Zirbe, eine Holzart, die nachgewiesenermaßen die Herzfrequenz pro Tag um 3500 Schläge reduziert, das entspricht in etwa einer Stunde Herzarbeit. Zudem wirkt Zirbe antibakteriell und schädlingshemmend (“mottensicher“). Das führte vor einiger Zeit zu einem regelrechten Zirben-Boom, was den Preis in schwindelerregende Höhen trieb.

Allerdings ist die Zirbe eine Kiefernart und diese Gattung ist auch im Waldviertel vertreten. „Wir haben hier eine der besten Kiefern, sie wächst langsam auf kargem Boden, ist feinjährig und hat dadurch sehr viel Harz und ätherische Öle“, so Hermann Neulinger. Die im Auftrag der Neulingers durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchungen zeigten, dass die Waldviertler Kiefer ähnlich signifikant gesundheitsförderliche Wirkungen aufweist, wie das allseits begehrte Zirbenholz. „Wir führten Blindtests durch, mittels einer Elektroakkupunkturmessung und der Auswertung der Gehirnströme stellte man fest, dass sich die Probanden in einem Bett aus Waldviertler „Fehra“ schneller und besser erholen als in herkömmlichen Betten“, fasst Neulinger die Ergebnisse zusammen.

Altes Handwerkswissen

Dann und wann wird heute altes Wissen wieder aus den Schubladen geholt. Zum Beispiel ein Bett ohne Metallteile. Bereits Hermanns Vater, ebenfalls Tischler, setzte auf metallfreie Eckverbindungen. „Damals wurde er noch als Spinner bezeichnet, aber es ist bekannt, dass Metall das natürliche Erdmagnetfeld beeinflusst, ein Störfeld, das wiederum vor allem bei feinfühligen Menschen einen körperlichen Stress verursacht“, so der Tischlermeister.Ein weiteres altes Handwerksprinzip, jenes der natürlichen Ordnung, kommt in seiner Manufaktur zum Einsatz. Alle einzelnen Holzteile, jedes Lamellenelement, wird entsprechend dem natürlichen Saft- und Energiefluss von der Wurzel zur Baumkrone angeordnet. So finden sich alle Stammenden auf der einen und alle Wipfelenden auf der anderen Seite. Das schaffe einen harmonischen, nicht unterbrochenen Energiefluss. „Auch wenn das für viele esoterisch klingen mag, das beruht auf uraltem Handwerkswissen. Leider ist dieses aufgrund von industriellen Rationalisierungen heute vielfach verloren gegangen“, betont Hermann Neulinger.

Bis zu zwei Liter Schweiß

Bis zu zwei Liter Schweiß werden von einem Schläfer in nur einer Nacht abgesondert. In einer Matratze kann es, bedingt durch die Feuchtigkeitshaushalt, mitunter also ziemlich lebendig werden. Familie Neulinger rät auch hier wiederum zu Naturmaterialien, denn diese „sind dem Menschen am nächsten, sind atmungsaktiver und man schwitzt weniger als in dicht gewebtem Kunststoff.“

Entscheidend ist hier eine gute Luftzirkulation. Den Platz unter dem Bett als Stauraum zu verwenden ist zwar verlockend, aber keineswegs förderlich für die notwendige Zirkulation. Dazu zählt auch regelmäßiges Lüften der Bettdecken. „Aufschlagen, oder überhaupt am Vormittag über das Haupt hängen wäre ideal“, meint Claudia. Macht man das Bett gleich nach dem Aufstehen und kommt gar noch eine Tagesdecke darüber, dann schafft man gute Bedingungen für Hausstaubmilben und Bakterien.

Experten empfehlen zudem: Die Liegefläche eines Bettes sollte mindestens 45 Zentimeter über dem Boden sein, in Bodennähe hat man die dichteste Staubbelastung, je höher situiert, desto besser für die Atemwege und für die Belüftung von unten. Verbaute Betten, wie das bekannte Boxspringbett, bezeichnet Hermann demnach als „Katastrophe“.

Falsches Liegen

Viele Schlafprobleme werden unterstützt durch das jahrzehntelange falsche Liegen. Es ist eine Wissenschaft für sich, hat doch jeder andere Erfordernisse, die sich aus Gewicht, Größe, Körperform und dem bevorzugten Liegeverhalten zusammensetzen. Ein wichtiger Grundsatz: Die Wirbelsäule sollte je nach Liegeposition seitlich und am Rücken gerade gelagert werden und nicht durchhängen oder der Kopf durch ein zu aufgebauschtes oder flaches Kissen nicht nach vorne oder hinten sinken.

Am Ende gilt, sich selbst zu beobachten: „Fühlt man sich am Morgen vital und munter, ausgeruht und fit für Kommendes, so hat man eine gesunde Portion Schlaf getankt“, meinen die Neulingers abschließend. Ist dies nicht der Fall, so mag der ein oder andere, eben beschriebene, Tipp ganz hilfreich sein.


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