Reichraminger Original: Mit Herz und Hirn fürs alte Handwerk
REICHRAMING. Mit seinem Heimatort fest verwachsen ist der nimmermüde Kunsthandwerker Manfred Furtner. Der 62-Jährige pflegt seine Wurzeln im Ennstal, wo für ihn schon als Kind „das Paradies“ war. Zugleich erklomm er beachtliche Gipfel in der Welt. Tips erzählte er davon.

Manfred Furtner kam 1956 als Nachzügler unter vier Geschwistern im Ortsteil Schallau zur Welt. Die Hebamme aus Losenstein hatte an jenem März-Tag in Reichraming gehörig zu tun: Drei neue Erdenbürger waren zeitgleich und entlang nur weniger hundert Meter unterwegs – lauter Buben.
Die Schallau fungierte damals als Drehscheibe der Bundesforste im Hintergebirge, mit zahlreichen Werkstätten und dem Zentrum der Waldbahn. Das Umfeld, in dem Manfred Furtner emporspross, war unverfälscht: Die Bundesforste stellten ihren Bediensteten neben Wohnraum auch Stall und Wiese zur Verfügung, jeder hatte einen Garten und ein paar Tiere. „Das sicherte den Familien neben dem kargen Lohn das Überleben“, erzählt Furtner, Sohn eines gelernten Fleischhauers. „Es herrschte damals längst kein Überfluss, aber durch den Beruf meines Vaters litten wir nie Hunger.“
Lernen von Könnern
Abgesehen davon, dass er nicht gern die Schulbank drückte, sei die Kindheit für ihn wie im Paradies gewesen, erzählt Furtner: „Wo wir wohnten, waren sämtliche Handwerksberufe jener Zeit zu finden – vom Maurer über den Wagner und Schuster bis zum Schmied. Und ich durfte einem jeden über die Schulter schauen.“ Der junge Furtner strotzte vor Neugier für alles, was er sah. Später half er in den Ferien in einer Großraminger Schmiede mit. „So kam ich zu dem Beruf, den ich 47 Jahre lang bei einem Betrieb in Aschach ausüben würde: Werkzeugschmied.“
Freude an Holz und Eisen
Am Arbeitsplatz mit der Herstellung von Tischlerwerkzeug befasst, begann Furtner bald, das Gestalten mit Holz für sich zu entdecken. Der Reichraminger zimmerte in der Freizeit für sein Eigenheim vom Dachstuhl über die Türen bis zu sämtlichen Möbeln. Vor etwa 25 Jahren kam das Schnitzen hinzu. Furtner schuf z. B. ein Kästchen mit 13 Reliefs zur Geschichte der Bauernkriege im Ennstal. 1995 gründete er mit dem späteren Bürgermeister Reinhold Haslinger den Kulturverein Bachaufwärts. Sein Können initiierte zudem die Reichraminger Hintergebirgsteufeln – in Kursen zeigte Furtner den Jungen, wie man Masken schnitzt. Selber gestaltete er Werkstücke wie das Gipfelkreuz auf der Hohen Dirn oder das Wilderer-Marterl in Anzenbach. Inzwischen kombiniert der 62-Jährige künstlerisch am liebsten Holz, Farbe und Eisen und verpackt darin philosophische Botschaften.
Höhere Ziele
Immer ein bisschen auf der Suche nach Lebenswahrheit, scheut der Reichraminger außerdem nicht den Marsch zu Orten, wo die Stille am vollkommensten ist: In Argentinien erklomm er mit dem Aconcagua schon den höchsten Gipfel Amerikas. Das letzte Stück auf den Mount McKinley in Alaska blieb ihm wegen Schlechtwetter verwehrt. Noch mit 59 Jahren meisterte der Reichraminger Sechstausender im südamerikanischen Bolivien. Ansonsten kennt er zwischen dem Hintergebirge und den Westalpen zahlreiche Gipfelkreuze aus nächster Nähe.
Die Freiheit in Händen
Als roter Faden durch sein Leben zieht sich der Bezug zum Ursprünglichen und zur Natur. „Wohlfühle ich mich besonders im Wald, über den ich mir einiges Wissen angeeignet habe.“ Im Reichraminger Forstmuseum, wo er derzeit bei der Errichtung eines Imkerpfades hilft, macht der 62-Jährige Führungen. Bald möchte er ein Buch mit illustrierten Geschichten über die Handwerker seiner Kindheit veröffentlichen, das Werk ist so gut wie fertig. Weil sie sich einst Zeit für ihn nahmen, beherrsche er heute vom Besenbinden bis zum Schindelmachen. Im Wald könne der vierfache Vater und siebenfache Opa mit etwas Werkzeug auch spontan eine Hütte nach Art der Holzknechte bauen. Dass junge Generationen derlei Fertigkeiten kaum noch erlernen, bedauert er: „Jede Zeit hat ihre positiven Seiten. Ich meine aber: Je mehr der Mensch mit eigenen Händen schaffen kann, desto freier lebt er. Gestalterisches Geschick entwickeln zu können, sollte immer Teil der Gesellschaft bleiben.“


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