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REICHRAMING. Eine langjährige Forschungsstation im Hintergebirge nimmt Entwicklungen der Natur unter die Lupe. Jüngstes Ergebnis: Baumflechten sind in den letzten 25 Jahren deutlich weniger geworden – einige aufgrund von Veränderungen der Luftgüte verschwunden.

Flechtenforscher Roman Türk Foto: ÖBf/W. Simlinger
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Ob Rentierflechte, Landkartenflechte, Elchgeweihflechte oder Lungenflechte: Flechten reagieren äußerst sensibel auf Umwelteinflüsse und eignen sich daher besonders gut als Bioindikatoren. Wissenschaftler rund um Flechtenforscher Roman Türk haben nun das Vorkommen am Zöbelboden untersucht. Der Forschungsstandort im Karst des Reichraminger Hintergebirges wird vom Umweltbundesamt, den Bundesforsten und dem Nationalpark Kalkalpen betrieben.

Seltene Arten verschwunden

Laut der jüngsten Bestandsaufnahme ist der Bewuchs von Flechten auf Baumstämmen seit Mitte der neunziger Jahre stark zurückgegangen. Die Vielfalt der Flechten hat um rund 20 Prozent abgenommen und auch die Zusammensetzung hat sich zugunsten stickstoffliebender Arten verändert. Rund 100 Bäume wurden untersucht, Arten gezählt, vermessen und Schadbilder aufgenommen. Verglichen mit Daten von 1993 sind einige Flechtengesellschaften heute nicht mehr oder nur mehr bruchstückhaft vorhanden. Seltene Arten waren fast keine mehr anzutreffen. „Von den ursprünglich 88 Flechtenarten waren 16 nicht mehr festzustellen“, sagt Umweltbundesamt-Geschäftsführerin Monika Mörth.

Frühwarnsystem

Flechten sind eine Symbiose aus Algen, Pilzen und Bakterien und stellen hohe Lebensraumansprüche. Haben sie einmal ihre ökologische Nische gefunden, sind sie jedoch äußerst widerstandsfähig und können etwa Temperaturen von bis zu minus 40 Grad trotzen. Seit den achtziger Jahren, als Flechtenvorkommen durch den sauren Regen stark beschädigt wurden, gelten Flechten als natürliches „Frühwarnsystem“. „Sie sind häufig stille Vorboten größerer Veränderungen in Ökosystemen“, so Rudolf Freidhager von den Bundesforsten. „Ihr Vorkommen hängt vor allem von der Luftqualität ab. Sie zeigen an, wenn Stoffe im Übermaß vorhanden sind oder wichtige Nährstoffe fehlen.“ Bartflechten wie die Echte Lungenflechte kommen nur in sehr sauberer Luft vor. Wo hingegen die Gewöhnliche Gelbflechte und die Helm-Schwielenflechte wachsen, ist die Luft bereits mäßig belastet.

Artenvielfalt fördern

Im Regelfall sind Flechten schlecht schützbar, da der gesamte Lebensraum betroffen ist. Einfache Maßnahmen können jedoch helfen. Auf Obstbäumen, Holzzäunen oder Stadeln sollte man Flechten immer wachsen lassen – sie sind für die Bäume vollkommen unschädlich. Ritzen alter Baumrinden stellen einen wichtigen Lebensraum dar. „Wir bewirtschaften die Wälder naturnah und fördern Artenvielfalt im Wald, indem wir etwa alte Bäume, die auch von Flechten gerne besiedelt werden, gezielt stehen lassen und kleine Naturwaldinseln in den Wäldern einrichten“, sagt Freidhager und ergänzt: „Artenreiche Wälder und Ökosysteme haben sich – in Zeiten des Klimawandels – als widerstandsfähiger erwiesen als Monokulturen und halten Umwelteinflüssen, Naturgefahren, Schädlingen oder Krankheiten besser stand.“


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