Immer weniger Almbauern im Bezirk: Almen als Oasen im Waldmeer erhalten
ROSENAU. Mit der Sense ging es für acht freiwillige Helfer auf die Weingartenalm im Nationalpark Kalkalpen. Doch sie lernten nicht nur, wie man mit dieser richtig umgeht, sondern auch viel Wissenswertes über die Almen und deren Bewirtschafter.

Acht freiwillige Helfer aus ganz Österreich engagierten sich eine Woche lang im Rahmen der Umweltbaustelle „Bergmahd, Wald & Wildnis“ des Österreichischen Alpenvereins. Unter der Leitung von Siegfried Ellmauer wurde die Fläche der Weingartenalm, ein Zentrum der Arten- und Lebensraumvielfalt, ehrenamtlich gemäht, entsteint und gemulcht. Die Alm befindet sich auf ca. 1.150 Metern Seehöhe am Südhang des Größtenberges und liegt ungefähr 10 Kilometer vom Ortszentrum Windischgarsten entfernt inmitten einer weitläufigen Waldwildnis. Andreas Hatzenbichler stand den Teilnehmern als Betreuer seitens des Nationalparks Kalkalpen zur Verfügung.
Vorteile beim Sensenmähen
Erstmalig wurde im Rahmen einer Umweltbaustelle die Sense eingesetzt, was nicht ungefährlich ist, verrät Projektleiter Siegfried Ellmauer: „Erwin Zachl vom Oö. Sensenverein hat die Jugendlichen die richtige Technik beim Mähen gelehrt und die Firma Schröckenfux aus Roßleithen hat kostenlos Qualitätssensen samt Zubehör zur Verfügung gestellt.“ Betriebsleiter Klaus Perthmayr: „Die Firma unterstützte das Bergmahd-Projekt gerne. In Roßleithen werden seit 475 Jahren Sensen produziert. Seit einigen Jahren zeichnet sich wieder ein Trend zum Handmähen mit der Sense ab.“ Auch Alpenverein und Nationalpark Kalkalpen wollen die Sense als Arbeitsgerät wieder ins Bewusstsein der Menschen rufen. „Für Steilflächen muss man nicht unbedingt den Motormäher nehmen“, so Ellmauer: „Mit dem Motormäher nimmt man in der Umgebung nichts mehr wahr, wohingegen man beim Sensenmähen die Vögel noch zwitschern hört. Außerdem lassen sich in der Gruppe Gespräche führen.“ Weiters wird auch ein guter Beitrag zum Klimaschutz, weil das Sensenmähen CO2 neutral ist.
Weniger Almbauernfamilien
37 aufgelassene Almen befinden sich im Nationalpark Kalkalpen und nur mehr 21 Almen werden aktiv bewirtschaftet. Davon befindet sich keine über der Waldgrenze. Gründe dafür sind die entlegene Lage und Wasserarmut. Nieder-almen auf 800 bis 1200 Meter Seehöhe sind noch einige aktiv, weil eine Erschließung der Forst- und Almstraßen stattgefunden hat. „Der Kreis der aktiven Almbauernfamilien geht zurück. Das heißt immer weniger Almbauern haben immer mehr Arbeitsleistung zu tragen“, weiß Siegfried Ellmauer. „Es ist nicht selbstverständlich, dass es noch Almbauern gibt. Land OÖ, Alpenverein und Nationalpark unterstützen die Almbauern. Ohne diese wären einige Almen nicht mehr zu erhalten“, sagt Siegfried Ellmauer.
Erfolgreiche Zukunft für Alm
„Die Almwirtschaft muss einen angemessenen Ertrag für den Bauern bringen. Dazu müsste man weitere Standbeine finden wie Lebensmittelproduktion (Bergheu, Almbutter, Almtopfen, Weidespeck, Rindfleisch), Almausschank, Ertragsnaturschutz und die Entwicklung einer Genusslandmarke für die Region“, meint Siegfried Ellmauer. „Dazu bedarf es noch vieler Gespräche und eines Zusammenwachsens“, ist sich Franz Sieghartsleitner vom Nationalpark Kalkalpen sicher. Der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Naturliebhaber weiß die Bedeutung der Alm zu schätzen: „Die Rentabilität in der Landwirtschaft wird geringer, hoher Arbeitsaufwand führt dazu, dass Almen noch weniger rentabel werden. Das ist schade für die Tourismusregion und Biodiversität. Auf den Fettwiesen in Talnähe wachsen noch maximal 15 unterschieldiche Pflanzenarten im Nationalpark hingegen rund 60 verschiedene. Das führt zu Lebensarum für Tiere.“ Franz Sieghartsleitner weiter: „Ziel ist es, dass alle 21 Almen erhalten bleiben und bewirtschaftet werden, es sind unsere Oasen im Waldmeer.“ Auch er ist vom Projekt begeistert: „Die Leute lernen die Natur kennen, können ihr Wissen vertiefen und sind Botschafter, sie tragen ihre gewonnenen Eindrücke nach Hause.
Norbert Vögerl, Bürgermeister von Windischgarsten, selbst leidenschaftlicher Almbauer, bezeichnet die Almen „als Teil unserer Tradition und großes Kulturgut, das es wert ist, dass man es erhält. Almen wieder zurückzuholen ist eine schwierige Aufgabe, ich würde das aber mit allen mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten unterstützen.“


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