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BEZIRK SCHÄRDING. Die Nationalratswahl ist das bestimmende Thema der vergangenen Wochen. Tips hat bei einigen Politikern aus dem Bezirk Schärding nachgefragt, was sie sich von der Wahl erwarten beziehungsweise welche Koalitionen möglich sind.

Am Sonntag, 29. September findet die Nationalratswahl statt. (Foto: Wodicka)
Am Sonntag, 29. September findet die Nationalratswahl statt. (Foto: Wodicka)

Der SPÖ droht bei der Nationalratswahl – laut Umfragen und Meinungen von Experten – das schlechteste Wahlergebnis aller Zeiten. An dieses Szenario glaubt Riedaus Bürgermeister Franz Schabetsberger nicht. „Ich bin mir sicher, dass die SPÖ sehr gute Chancen auf ein tolles Wahlergebnis hat. Das habe ich in den vielen Gesprächen mit der Bevölkerung, die ich in den vergangenen Wochen geführt habe, herausgehört. Das Ibiza-Video, die Spendenskandale – das alles geht nicht spurlos an den Österreichern vorbei“, berichtet Franz Schabetsberger, der nichts gegen eine Rot-Blaue Koalition einzuwenden hätte – jedoch ohne Kickl. „Auf Landesebene gibt es genügend positive Beispiele, wo eine Rot-Blaue Zusammenarbeit sehr gut funktionert. Warum sollte dies nicht auch im Parlament möglich sein. Nur ohne Herbert Kickl, das hat unsere Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner immer gesagt“, so Riedaus Ortschef, der sich von der zukünftigen Regierung eine Stärkung des ländlichen Raumes wünscht. „Damit wird eine Landflucht, vor allem von jungen Menschen, verhindert“, sagt Schabetsberger.

Vieles möglich

Johannes Bogner, Geschäftsführer der SPÖ des Bezirks Schärding, glaubt ebenfalls an ein gutes Wahlergebnis und ist für verschiedenste Koalitionen offen. „Kurz hält sich die Freiheitlichen letztlich doch irgendwie warm. Mit allen anderen tut er sich jedenfalls schwerer. Es ist vieles möglich. Wenn wir noch ein paar Prozentpunkte gewinnen und Grüne und Neos auch, so ist Schwarz-Blau ohne Mehrheit“, meint Bogner.

Krankenkassenreform: eine Milliarde Mehrkosten

Positiv gestimmt ist auch Andorfs Bürgermeister Peter Pichler: „Ich bin in der letzten Zeit fleißig unterwegs gewesen, um für die SPÖ und unsere Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner noch Werbung zu machen. Und das waren in vielen Fällen sehr erfreuliche Gespräche“, berichtet Pichler, welcher der alten Türkis-Blauen Regierung kein positives Zeugnis ausstellt. „In vielen Fällen wurde versucht, den Einfluss der Arbeitnehmer, den sie sich hart erkämpft haben, zurückzudrängen. Bestes Beispiel dafür ist die hochgepriesene Krankenkassenreform – in den Krankenkassen haben jetzt die Unternehmer das Sagen und nicht mehr die Versicherten selbst. Und dazu gibt es Untersuchungen, die die in den nächsten Jahren angeblich eingesparte Milliarde nicht sehen, sondern von einer Milliarde Mehrkosten sprechen.“

Harant für Türkis-Blau

Rainbachs Bürgermeister Gerhard Harant wünscht sich eine Fortsetzung von Türkis-Blau. „Ich bin der Meinung, dass der eingeschlagene Weg unbedingt fortgesetzt werden muss. Die beiden Regierungsparteien haben sehr gute Arbeit geleistet“, meint Harant, der rund 20 Prozent für die Freiheitlichen erwartet, im Bezirk Schärding etwa 25 Prozent. „Türkis-Blau ist für mich die einzige Option, denn die anderen Parteien liegen weit auseinander und müssten für eine Regierungsbeteiligung sehr schlechte Kompromisse schließen“, informiert Harant. 

Gute Chancen für ÖVP

Eggerdings Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Hans Hingsamer sieht gute Chancen für seine Volkspartei. „Wir rechnen mit 34 Prozent für die ÖVP in Österreich. Im Bezirk Schärding peilen wir ein Ergebnis von 45 Prozent an“, berichtet Hingsamer, für den ein sehr gutes Ergebnis für die ÖVP die beste Grundlage für eine rasche Regierungsbildung ist. Eggerdings Bürgermeister wünscht sich von der zukünftigen Regierung eine Reihe an Maßnahmen, wie zum Beispiel die Absicherung der Pflege und den Ausbau der ärztlichen Versorgung am Land voranzutreiben. Damit dies auch passiert, hofft Hingsamer auf viele Wählerstimmen für die ÖVP. „Einzig die ÖVP garantiert die Unterstützung und Förderung des ländlichen Raumes. Gust Wöginger hat in den letzten beiden Jahren als Klubobmann sehr viel für die Menschen in Landgemeinden erreicht. Mit ihm ist der Bezirk Schärding bestens vertreten.“

Sollte es zu einer neuerlichen Türkis-Blauen Koalition kommen, dann nur ohne den ehemaligen Innenminister Herbert Kickl. „Herbert Kickl hat als Innenminister seine Macht missbraucht. Er ist für ein Ministeramt nicht tragbar“, so Hingsamer.

Brait hofft auf eine längere Zusammenarbeit

Bernhard Brait, Bürgermeister von St. Florian am Inn, hofft auf eine starke ÖVP und auf einen Koalitionspartner, mit dem die Volkspartei längere Zeit zusammenarbeiten könnte, um so für Stabilität zu sorgen. Ob dies mit der FPÖ möglich ist, da ist sich Brait nicht sicher. „Es ist wirklich viel vorgefallen. Sollte es zu einer neuerlichen Zusammenarbeit mit der FPÖ kommen, dann dürfen keine ,Einzelfälle“ mehr passieren. Das muss im Vorhinein alles genau geregelt werden“, meint Brait, der sich ebenfalls eine Stärkung des ländlichen Raumes wünscht. „Wir brauchen zum Beispiel schnell ein neues, besseres Regionalverkehrskonzept. Sonst geraten wir noch weiter ins Hintertreffen gegenüber dem Zentralraum.“ Und weiter: „Ich hoffe auf eine schnelle Regierungsbildung, denn wir haben seit der Abwahl von Kurz fünf Monate verloren.“


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