„Manchmal ist das Wochenende interessanter als Bruno Kreisky“
ST. FLORIAN, SCHÄRDING. Die 25-jährige Zita Furtner aus St. Florian am Inn unterrichtet Deutsch und Geschichte an der Handelsakademie Schärding. Mit Tips sprach die Innviertlerin über ihre Berufswahl und ihren ersten Schultag als Lehrerin.

Tips: Frau Furtner, warum haben Sie sich entschieden, Lehramt zu studieren?
Furtner: Eigentlich wollte ich Germanistik im wissenschaftlichen Bereich studieren. Ich wusste aber, dass bei uns in der Region die Jobaussichten, wenn man dieses Studium abschließt, nicht gerade rosig sind. Und wegziehen wollte ich nicht, da ich ein Landei bin. Daher habe ich micht entschlossen, Lehramt in Wien zu studieren.
Tips: Ein Landei in Wien? Wie war Ihre Zeit in der Hauptstadt?
Furtner: Bildungsmäßig gesehen war es die beste Zeit meines Lebens. Vor allem das kulturelle Angebot der Hauptstadt hat es mir sehr angetan. Zudem ist Wien eine Stadt, die Menschen weltoffener machen kann. Es ist ein gutes Beispiel, dass Menschen aus verschiedensten Kulturen oder Ländern gemeinsam leben können.
Tips: Für die Schüler ist der erste Schultag sehr aufregend. Wie war Ihr erster Schultag als Lehrerin?
Furtner: Das war vergangenes Jahr im Zuge meines Praktikums. Ich war natürlich nervös und etwas unsicher. Ich kam mir vor wie ein aufgescheuchtes Reh im Scheinwerferlicht des Schulalltags.
Tips: Wie schnell hat sich Ihre Nervosität gelegt beziehungsweise wie lange haben Sie für den Perspektivenwechsel vom Schüler zum Lehrer gebraucht?
Furtner: Etwa drei Monate. Hilfreich war sicher die Tatsache, dass ich sehr angenehme Klassen hatte, die mir die ersten Arbeitstage beziehungsweise Arbeitswochen erleichtert haben. Die Schüler haben von Anfang an gut mitgearbeitet, und ich musste daher nicht streng sein.
Tips: Sie sind nur unwesentlich älter als Ihre Schüler. Ein Vor- oder Nachteil?
Furtner: Für mich ein Vorteil. Ich habe das Gefühl, dass sich die Schüler mehr verstanden fühlen. Es ist mehr eine geführte Arbeitsgemeinschaft als eine absolute, beklemmende Hierarchie.
Tips: Wer sind die angenehmeren Schüler. Mädchen oder die Jungs?
Furtner: Das ist ganz unterschiedlich. In Geschichte muss ich bei den Mädchen vielleicht etwas fordernder sein. Sie arbeiten brav mit, aber man muss sie stets bei Laune halten, weil sonst das Wochenende interessanter ist als Bruno Kreisky (lacht). Die Jungs sind geschichtsinteressierter und verfügen über ein großes Geschichtswissen. Allgemein würde ich sagen, dass die Mädchen direkter und kritischer sind. Das kann man natürlich nicht verpauschalieren.
Tips: Wenn Sie Ihre Schulzeit mit der heutigen vergleichen. Was hat sich für Sie am meisten verändert?
Furtner: Auf alle Fälle die standardisierten Tests, sprich die Zentralmatura. Was ich eher als negativ empfinde, denn ich sehe diese als bildungsbürgerliche Waffe gegen die Unterpriviligierten. Die Kreativität spielt hierbei fast keine Rolle mehr. Manchmal habe ich das Gefühl, als hätte die Politik Angst vor Intellektualität.
Tips: Sie haben das Gymnasium in Schärding besucht. Ehemalige Lehrer sind nun Ihre Kollegen. Ein komisches Gefühl?
Furtner: Nein überhaupt nicht. Gabriele Angerer-Buchegger ist hauptverantwortlich dafür, dass ich solch ein Interesse an Germanistik habe. Sie ist für mich ein absolutes Vorbild als Deutschlehrerin. In Geschichte hatte ich mit Helga Probst ebenfalls eine sehr gute Lehrerin. Bei ihr ging es nicht nur um Kriegsschauplätze oder um Herrscher, sondern es wurden alltagsgeschichtliche Hintergründe miteinbezogen. Ich konnte von beiden sehr viel lernen.
Tips: Oft heißt es, Lehrer hätten viel Freizeit. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Vorurteil?
Furtner: Dieses Vorurteil ist leider sehr in den Köpfen der Menschen verankert. Wenn ich damit konfrontiert werde, dann nehme ich es mit Humor. Meistens antworte ich, dass ich an Wochenenden viel Zeit habe, um etwas zu unternehmen, da ich nur 70 Hefte kontrollieren muss (lacht).
Tips: Wie wird das Schulwesen Ihrer Meinung nach in zehn Jahren ausschauen?
Furtner: Das hängt natürlich immer von der aktuellen Regierung ab. Ich glaube beziehungsweise befürchte, dass es immer mehr in Richtung Standardisierung geht, was ich nicht gut finde. Schüler sind für mich dazu da, dass wir Lehrer ihnen helfen, sie unterstützen, fördern und nicht nur bewerten.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden