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BEZIRK SCHÄRDING. Mitte Mai dürfen Gastronomen ihre Betriebe wieder aufsperren. Die von der Bundesregierung vorgegebenen Maßnahmen stoßen bei Wirten aus dem Bezirk auf wenig Gegenliebe. Zudem fordern die Gastronomen finanzielle Unterstützung, um ihre Verdienstausfälle zu kompensieren.

Josef und Daniel Bauer, Inhaber des Gasthauses Wirt in Steinbrunn (Foto: privat)
  1 / 2   Josef und Daniel Bauer, Inhaber des Gasthauses Wirt in Steinbrunn (Foto: privat)

Mit 15. Mai öffnet die Gastronomie wieder ihre Pforten. „Doch auch hier gibt es strikte Maßnahmen, die einzuhalten sind“, berichtet August Wöginger, ÖVP-Klubobmann. Sperrstunde ist für alle um 23 Uhr. „Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz sowie die Einhaltung eines Sicherheitsabstandes von einem Meter sind verpflichtend. Maximal vier Erwachsene Menschen mit ihren Kindern dürfen gemeinsam an einem Tisch sitzen, auch ohne einen Meter Sicherheitsabstand. Zwischen den Gästen, die nicht an einem Tisch gemeinsam sitzen, muss ein Mindestabstand von einem Meter gewährleistet sein. Ein Schankbetrieb an der Theke ist nicht erlaubt. Das Servicepersonal muss im Indoor-Bereich Mund-Nasen-Schutz tragen, Gäste müssen am Tisch keinen Mund-Nasen-Schutz tragen. Und Tische sind in der Regel vorab zu reservieren, Gruppenreservierungen für mehrere Tische sind nicht erlaubt“, erklärt Wöginger.

Sperrstunde um 23 Uhr

„Natürlich ist es positiv, dass wir wieder aufsperren dürfen, aber ganz nachvollziehen kann ich die Maßnahmen der Bundesregierung nicht“, berichtet Stefan Schneebauer, Gastronom und Wirtesprecher des Bezirkes Schärding. Mit dem einzuhaltenden Mindestabstand von einem Meter hat Schneebauer keine Probleme, wohl jedoch mit der Sperrstunde um 23 Uhr.

Wirte warten auf finanzielle Unterstützung

„Diese Regelung verstehe ich nicht ganz. Man bekommt den Eindruck, dass das Virus bis 23 Uhr nicht übertragbar ist, und danach schon“, informiert Schneebauer, der sich von der Regierung – genauso wie andere Wirte aus dem Bezirk – im Stich gelassen fühlt. „Wir warten weiterhin auf die versprochenen Hilfsgelder. In meinem Fall wurde der erste Härtefonds ausbezahlt und das wars. Viele meiner Kollegen sind mit ihrem Latein am Ende und wissen nicht, wie es weitergehen soll“, meint Schneebauer.

Appell per Facebook

„Wir brauchen sofort Hilfe, nicht irgendwann, denn es ist nicht fünf vor zwölf, sondern viertel nach zwölf. Ich appelliere an den Präsidenten des Bundesrates Robert Seeber von seinem Vetorecht Gebrauch zu machen und die unverständliche, kurzfristige Abänderung des Epidemiegesetzes durch den österreichischen Nationalrat anzufechten“, meint Karin Bischof, Inhaberin des beliebten Cafés Cino in Andorf, die mit einem von ihr geposteten Video auf Facebook vielen Wirten aus dem Herzen gesprochen hat. „Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Video posten soll. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich es getan habe, denn der Zuspruch von Kollegen und Gästen ist enorm. Alle verstehen unsere schwierige Situation“, meint Bischof.

Existenzängste

Wie Schneebauer berichtet auch Bischof, dass die Soforthilfe schnell ausbezahlt wurde. „Seitdem ist aber bis zum heutigen Tag nichts mehr passiert. Das Ansuchen für das Überbrückungsgeld ging seitens der Bank sehr schnell. Aber jetzt liegt es knapp über vier Wochen bei der Österreichische Hotel- und Tourismusbank GmbH (ÖHT) und nichts ist passiert. So viel zu schneller und unbürokratischer Hilfe, die uns versprochen wurde.“ Und weiter: „Ich bin dankbar für die Möglichkeit, dass ich meine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken konnte. Viele wissen aber nicht, dass wir die Gehälter vorfinanzieren müssen. Ohne das versprochene Überbrückungsgeld ist das für mich – und viele andere Gastronomen – nicht leistbar. Ich fühle mich im Stich gelassen und die ganze Situation wirkt sich langsam auf die Psyche aus. Ich habe zum Teil schlaflose Nächte, da ich Angst um meine Existenz habe.“

Keine Hilfsgelder

Auf Hilfsgelder brauchen Josef und Daniel Bauer, Inhaber des Gasthauses Wirt in Steinbrunn in Schardenberg nicht warten. „Laut meinem aktuellen Stand, bekommen wir keine Unterstützung. Ich durfte lediglich das Kurzarbeitsmodell für meine Angestellten in Anspruch nehmen“, meint Daniel Bauer, der 15 von seinen insgesamt 17 Mitarbeitern in Kurzarbeit geschickt hat. Den versprochenen Fixkostenzuschuss kann Bauer erst dann beantragen, wenn er das Finanzjahr 2020 abgeschlossen hat. „Ich bekomme das Geld irgendwann im Laufe des kommenden Jahres ausbezahlt. Wie viel das sein wird, kann mir keiner sagen. Bis dahin werden wir die Kosten selber tragen müssen. Aber auch das werden wir überleben.“

Kein Anstrum

Dass ab 15. Mai die Gastrobetriebe gleich gestürmt werden, daran glaubt der Schardenberger nicht. „Das kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Wir hoffen natürlich, dass das Gegenteil eintrifft“, meint Bauer. Auch Stefan Schneebauer hat seine Zweifel. „Viele Menschen befinden sich in Kurzarbeit oder haben durch die Coronakrise ihren Arbeitsplatz verloren und müssen mit weniger Geld auskommen. Das werden auch wir spüren“, informiert der Wirtesprecher. Und weiter: „Es wäre – vor allem für die Wirtschaftstreibenden in Schärding, egal welcher Branche – von großer Bedeutung, dass die Grenzen für Touristen schnellstmöglich geöffnet werden, denn es ist ja kein Geheimnis, dass wir den Großteil unseres Umsatzes durch Besucher aus anderen Ländern erwirtschaften.“

Kritische Stimmen aus Deutschland

Auf Touristen aus Deutschland werden die Schärdinger aber wohl noch eine Weile verzichten müssen, denn von deutschen Regierungsvertretern gibt es kritische Stimmen bezüglich einer schnellen Öffnung der Grenzen für Touristen. 


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