"Mein Gefühl sagt mir, dass wir erst im April wieder öffnen dürfen"
BEZIRK. Seit November haben die Gaststätten des Bezirks Schärding ihre Pforten geschlossen. Eine zeitnahe Öffnung ist derzeit nicht in Sicht. Im Gespräch mit Tips spricht Schärdings Wirtesprecher Stefan Schneebauer über die aktuelle Lage der Schärdinger Gastronomen

Tips: Herr Schneebauer, wie ist die aktuelle Stimmung bei den Schärdinger Gastronomen?
Schneebauer: Sehr betrübt. Wir wollen aufsperren. Uns allen gehen die Gäste schon sehr ab.
Tips: Wann glauben Sie könnte es soweit sein, dass der Besuch der Gaststätten wieder erlaubt ist?
Schneebauer: Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. Mein Gefühl sagt mir, dass wir vor Anfang April sicher nicht öffnen dürfen.
Tips: Im November und Dezember gab es für Wirte eine hohe Entschädigung seitens der Regierung. Doch die Hilfsleistungen werden von Monat zu Monat weniger. Wird die Luft für viele Wirte langsam dünn?
Schneebauer: Für manche wird sie sehr dünn. Ich bin mir sicher, dass es nach der Coronazeit den ein oder anderen Wirt nicht mehr geben wird.
Tips: Kommen die Hilfszahlungen der Regierung pünktlich an?
Schneebauer: Der November wurde sehr schnell abgewickelt. Ich glaube, man wollte uns damit auch ruhigstellen. Was sehr gut geklappt hat. Ich muss aber eines loswerden: Wir wollen nicht von Ausgleichszahlungen leben, sondern unser Geld selbstständig verdienen. Doch das dürfen wir nicht. Ich verstehe es einfach nicht, warum wir daran gehindert werden, unserem Beruf nachzugehen. Die Gastronomen haben sich stets an alle Vorschriften gehalten. Die Ansteckungsgefahr beim Wirt ist sehr gering. Es gab keine Cluster. Von uns Wirten geht keine Gefahr aus.
Tips: Abholung und Lieferung der Speisen ist erlaubt. Wird dieses Service gut angenommen?
Schneebauer: Unterschiedlich. Bei manchen mehr, bei anderen weniger. Bei mir ist es so, dass das Take-Away-Geschäft unter der Woche nicht rentabel ist. Sonntags schaut die Situation etwas besser aus.
Tips: Die Arbeitslosigkeit im Bezirk Schärding steigt. Davon am meisten betroffen ist die Gastrobranche. Keine Überraschung, oder?
Schneebauer: Nein. Ich befürchte, dass es in den kommenden Monaten zu noch mehr Kündigungen kommen könnte, denn ich kann es mir nicht vorstellen, dass uns die Gäste die Tür einrennen werden, wenn wir wieder öffnen. So realistisch muss man sein. Durch die Coronakrise haben zudem viele ihren Job verloren und müssen mit weniger Geld haushalten. Keiner von uns will sein Personal kündigen, aber wir werden quasi dazu gezwungen. Die Situation für unsere Mitarbeiter ist sehr schwierig. Es ist kein Geheimnis, dass Kellner zum Teil auf das Trinkgeld angewiesen sind. Dieses geht ihnen jedoch seit Monaten ab. Vielleicht überlegt sich die Regierung etwas, um ihnen unter die Arme zu greifen.
Tips: Die Stadt Schärding lebt zum Großteil vom Tourismus. Die Gäste bleiben jedoch seit Monaten aus. Auch hier ist eine Besserung nicht in Sicht. Sind Schärdings Unternehmer von der Coronakrise mehr betroffen als andere?
Schneebauer: Definitiv. Die Touristen sind unser täglich Brot. Davon betroffen sind nicht nur wir Gastronomen, sondern auch der stationäre Handel unserer Stadt. Auch dieser hat mit immensen Umsatzeinbußen zu kämpfen. Deswegen hoffen wir alle auf eine baldige Besserung der Situation. Schärding braucht die Touristen, da brauchen wir uns nichts vorzumachen.
Tips: Wird sich die Wirtshauskultur verändern?
Schneebauer: Das kann mit Sicherheit passieren. Profitieren von der Krise könnten Fastfood-Restaurants, die schon immer auf Liefer- und Abholservice gesetzt haben. Natürlich hoffen wir alle, dass wieder Normalität einkehrt. Die Leute gehen zum Wirt, weil sie soziale Kontakte pflegen und mit anderen ins Gespräch kommen wollen. Das ist unsere große Hoffnung.


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