Zukunftsprozess Kirche: aus zwölf Pfarrgemeinden wird eine Pfarre
BEZIRK. Im September beginnt mit der Vorbereitungsphase für fünf Pionierpfarren die Umsetzung der Pfarrstrukturreform der Katholischen Kirche in Oberösterreich. Zu den „Pionierpfarren“ gehört auch das Dekanat Schärding.

Im Herbst 2017 startete die Diözese den Zukunftsprozess „Kirche weit denken“ mit dem Ziel, das kirchliche Leben unter die Lupe zu nehmen und fit für die heutige Gesellschaft zu machen. Im dabei erarbeiteten Grundlagentext, den Pastoralen Leitlinien, stellt sich die Diözese den Veränderungen in der Gesellschaft. Lebensweise, Einstellungen, berufliches und privates Leben, Freizeitgestaltung, Kommunikation, Wissensstand, Erwartungen an Religion, Selbstverständnis der Kirchenmitglieder usw. haben sich gegenüber früheren Jahrzehnten deutlich gewandelt. Diesem Wandel will die Kirche gerecht werden und sich unter den Leitbegriffen Spiritualität, Solidarität und Qualität neu aufstellen.
Volles Programm und neues Pfarrsystem
Bald wurde klar, dass die über Jahrhunderte gewachsene Pfarrstruktur unter den gegebenen Rahmenbedingungen in mehrfacher Hinsicht heute mehr hinderlich als förderlich ist: In vielen kleinen Pfarren wird es immer schwieriger, das „volle Programm“ aufrechtzuerhalten. Bischof Manfred Scheuer dazu: „Die Kirche soll nicht in ihren Strukturen verknöchern, sondern vielmehr Leben darin entfalten können.“ Deshalb stellt die Diözese Linz das Pfarrsystem neu auf. Das Dekanat Schärding beginnt mit vier weiteren „Pionierpfarren“ die Umsetzung in die neue Struktur. Mit September 2021 startet das Vorbereitungsjahr. Mit Herbst 2022 ist die Gründung der neuen Pfarre geplant.
Freude bei Dechant Eduard Bachleitner
Im Rahmen des Zukunftsprozesses in der Diözese Linz wurde eine Neu-Strukturierung der Pfarren beschlossen. Statt der bisher 486 Pfarren wird es in Zukunft nur 40 Pfarren auf Basis der bisherigen Dekanate geben. Nun wurde entschieden, welche Dekanate mit der Umsetzung beginnen werden. Darunter ist auch das Dekanat Schärding als eine der fünf „Pionierpfarren“. „Ich freue mich, dass das Dekanat Schärding eine Pionierpfarre der Diözese wird. Ich hoffe, dass uns die neue Pfarrstruktur unterstützt, die Botschaft Jesu näher zu den Menschen zu bringen. Die Struktur ist aber nur ein Skelett, das wir alle mit Leben erfüllen dürfen mit Bewährtem und Neuem“, so Dechant Eduard Bachleitner.
Pfarre und Pfarrvorstand
Die neue Struktur hat zum Ziel, auf dem Bewährten aufzubauen und weiterhin Seelsorge und kirchliches Leben zu ermöglichen. Die neue Pfarre setzt sich aus den zwölf Pfarrgemeinden des bisherigen Dekanates zusammen. Es sind dies St. Marienkirchen, Suben, St. Florian am Inn, Schärding, Brunnenthal, Wernstein, Schardenberg, Freinberg, Esternberg, Vichtenstein, St. Roman und Münzkirchen. Dazu kommen noch weitere kirchliche Einrichtungen wie zum Beispiel die Krankenhaus- und Altenheimseelsorge. Geleitet wird die neue Pfarre von einem Pfarrvorstand, der sich aus einem Pfarrer, einem Pastoralvorstand und einem Verwaltungsvorstand zusammensetzt, in enger Zusammenarbeit mit Vertretern aus allen Pfarrgemeinden.“Die derzeitigen Pfarren bleiben als selbständige Einheiten bestehen, sie heißen dann Pfarrteilgemeinden (kurz „Pfarrgemeinden“). In ihnen wird sich auch in Zukunft das alltägliche kirchliche Leben abspielen“, berichtet Martin Braid vom Dekant Schärding.
Selbstständigkeit
Auch künftig verfügen die Pfarrgemeinden über weitgehende Selbständigkeit und eine eigenständige Vermögensverwaltung. Jeder Pfarrgemeinde ist entsprechend der Größe eine hauptamtliche Seelsorgerin beziehungsweise ein hauptamtlicher Seelsorger zugeteilt. „Wenn dies ein Laie ist, gibt es einen zuständigen Priester für die priesterlichen Aufgaben“, informiert Brait.
Seelsorgerteam
Eine große Änderung betrifft die Leitung der Pfarrgemeinden. Sie wird übernommen von einem Seelsorgeteam, bestehend aus (im Idealfall) vier ehrenamtlichen Personen, dem hauptamtlichen Seelsorger und dem Finanzverantwortlichen. Die vier Ehrenamtlichen zeigen sich verantwortlich für die vier Grundaufträge jeder christlichen Gemeinde: Verkündigung, Liturgie, Caritas, Gemeinschaft. Im Pfarrgemeinderat werden weiterhin grundlegende Fragen beraten und Initiativen umgesetzt.


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