Personal wird dringend benötigt
SCHÄRDING. Rund 30 Mitarbeiter des Schärdinger Klinikums nahmen an der Protestaktion „5nach12 – Geh raus und zeig Gesicht“ teil. Damit wollte das Personal auf ihre schwierige Situation aufmerksam machen. Tips hat mit Franz Hamedinger, Betriebsratsvorsitzender am Klinikum Schärding, gesprochen.

Tips: Wie ist die aktuelle Mitarbeiter-Situation im Klinikum Schärding?
Hamedinger: Die Situation kann durchaus als angespannt bezeichnet werden. Erstens wird die Nachbesetzung von Dienstposten immer schwieriger, und zweitens steigt die Zahl an Coronapatienten gerade wieder stark an. Die Erinnerungen an die sehr schwierige und herausfordernde Arbeitssituation im letzten Winter ist uns noch gut im Gedächtnis. Am dringendsten benötigen wir Ärzte, Pflegepersonal und Hebammen!
Tips: Welche Reformmaßnahmen würden helfen, um Beschäftigten in den Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen ihre tägliche Arbeit spürbar zu erleichtern?
Hamedinger: Wir benötigen dringend eine Ausbildungsoffensive, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Personal und eine entsprechende Entlohnung! Eine angemessene Personalausstattung und gute Arbeitsbedingungen fördern das Interesse der Arbeit im Gesundheits- Pflege- und Sozialbereich. Die Beschäftigten brauchen mehr Planbarkeit ihrer Dienstzeit. Die Belastungen beim Personal müssen durch entsprechende Erholungszeiten ausgeglichen werden!
Tips: Bereits vor der Krise litt der Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich unter massivem Personalmangel. Zeigt die Pandemie, dass das Gesundheitssystem in den letzten Jahren nicht wirklich adaptiert wurde? Welche Fehler wurden Ihrer Meinung nach begangen?
Hamedinger: Die Protestaktion „5nach12“ steht nicht im Zusammenhang mit der schwierigen Situation rund um die Pandemie. Bereits seit Jahren wird von einer notwendigen Gesundheits- und Pflegereform viel gesprochen und geschrieben. Vor der Pandemie wurde von der offensive Gesundheit schon eine „Roadmap Gesundheit“ verfasst, und 2020 an den damaligen Gesundheitsminister Anschober übergeben! Wo bleiben die Taten? Die Gretchenfrage ist wahrscheinlich die Finanzierung, es braucht mehr Geld für den Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich!
Tips: Hätte man nicht schon vor Jahren eine Mitarbeiter-Offensive für Gesundheitsberufe starten sollen?
Hamedinger: Ja klar, es ist jetzt das eingetreten wovor die Gesundheitsgewerkschaft schon vor Jahren gewarnt hat. Viele Ausbildungsplätze bleiben leer, weil wir zu wenig Bewerbungen dafür bekommen. Attraktive Ausbildungen ermöglichen den Einstieg. Dafür müssen Aus- und Fortbildungen kostenfrei sein, Praktika bezahlt werden und die Deckung des Lebensunterhalts während der Ausbildung existenzsichernd sein.
Tips: In vielen Branchen werden Mitarbeiter abgeworben. Ist dies in der Gesundheitsbranche auch der Fall? Immerhin suchen fast alle Einrichtungen, egal ob Altenheime oder Krankenhäuser nach Personal?
Hamedinger: Alle Träger von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen fischen im selben Teich, es ist ein regelrechter Wettbewerb zwischen den Trägern, um noch vorhandene Arbeitskräfte entstanden.
Tips: Glauben Sie, falls keine Verbesserungen eintreten, an eine Mitarbeiterflucht aus der Gesundheitsbranche? Wenn ja, wie besorgniserregend wäre diese Tatsache?
Hamedinger: Die Personalfluktuation ist in den letzten Jahren auch bei uns stark angestiegen, die Beweggründe dafür sind sehr vielfältig. Im Bezirk Schärding sind aktuell noch keine Pflegebetten oder Abteilungen gesperrt, jedoch gibt es viele freie Dienstposten im Gesundheits- und Pflegebereich aufgrund fehlender Arbeitskräfte, dies führt zur Arbeitsverdichtung beim noch vorhandenen Personal. Wird da jetzt nicht gegengesteuert, zum Beispiel durch mehr Geld für die Auszubildenden, wird es auch im Bezirk Schärding in naher Zukunft zum Sperren von Pflegebetten oder Abteilungen aufgrund von Personalmangel kommen.
Tips: Viele Fachkräfte aus dem Ausland würden gerne in Österreich arbeiten. Könnten diese einen Teil des Problems lösen?
Hamedinger: Grundsätzlich ist jede Arbeitskraft mit entsprechender Qualifikation und guten Sprachkenntnissen herzlich willkommen und hilfreich.


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