Nachbarschaft klagt: Diskussionen um Schärdinger Asylheim
SCHÄRDING. Seit Mai diesen Jahres befindet sich in der ehemaligen Weberspitz-Stubn in der Adalbert-Stifer-Straße in Schärding ein Asylheim, das von der Volkshilfe OÖ betrieben wird. Seitdem beklagt sich die Nachbarschaft über Ruhestörung und über eine verschlechterte Lebenssituation. Von der Stadtgemeinde und der Volkshilfe fühlen sich die Nachbarn bisher nicht genügend ernstgenommen und haben sich daher in einem offenen Brief an die Öffentlichkeit gewandt.

Beklagt wird in diesem unter anderem die sehr laute Kommunikation der im Asylheim lebenden Großfamilien, vor allem auch in der ersten Nachthälfte. Eine Kommunikation mit den Asylbewerbern gestalte sich sehr schwierig, da diese keinerlei Deutsch- oder Englischkenntnisse hätten. „Es wurde sogar jemand gefunden, der Arabisch spricht und den Asylbewerbern übersetzte, dass man in Österreich zwischen 22 und 23 Uhr schlafen geht, da viele von uns schon um 6 Uhr aufstehen müssen und dass man darauf bitte Rücksicht nehmen sollte, auch das brachte keine Verbesserung“, heißt es etwa in dem Schreiben der Anwohner.
Anwohner wollen keine Anzeigenkultur
Vom Betreiber, der Volkshilfe, sei es zunächst auch schwierig gewesen, den richtigen Ansprechpartner zu finden, um ihre Bedenken und Beschwerden, was das Zusammenleben in der Adalbert-Stifter-Straße angeht, zu richten. Auch ein Brief an die Gemeindevertreter von Schärding hätte bislang nur für kurze Zeit eine Verbesserung gebracht, was wohl auch am schlechten Wetter gelegen hätte. Eine Anzeigenkultur und nächtliche Polizeieinsätze möchten die Anwohner tunlichst vermeiden. Vielmehr wünschen sie sich eine Kultur der Rücksichtnahme. „Jeder Nachbar sollte weiterhin seine Gartenfeste machen können und mit seinen Freunden auch mal feiern dürfen“, heißt es in ihrem offenen Schreiben. Bei manchem Bewohner der Stifterstraße bliebe derzeit nur Frust, Ärger und teilweise sogar Verzweiflung zurück.
Tips hat Schärdings Bürgermeister Günter Streicher zu den Beschwerden der Anwohner befragt. In einer Stellungnahme teilt er mit, dass die Stadtgemeinde in erster Instanz zunächst nicht über die Einrichtung der Asylunterkunft unterrichtet wurde. Erst nach der Bewilligung der Sozialabteilung des Landes sei man über die Situation durch die Volkshilfe informiert worden. Die Unterkunft bietet Platz für bis zu 26 Personen, wobei dort hauptsächlich Familien und größtenteils Mütter mir ihren Kindern aufgenommen worden. Der Brief der Anrainer sei laut Streicher im Gemeinderat sowie in der Bürgerfragestunde thematisiert worden. Vor allem auch die Situation am nahegelegenem Spielplatz bereite den Nachbarn Sorge, da dieser überwiegend zu Aufenthaltszwecken genutzt wurde. „Zur Klärung der Situation wurden die derzeitigen Bewohner der Asylunterkunft auf die Spielplatzordnung aufmerksam gemacht, welche es ab sofort auch in Arabisch geben wird“, so Streicher. Zusätzlich dürfe der Spielplatz künftig ab 20 Uhr nicht mehr genutzt werden.
Gemeinsame Gesprächsrunde
Als nächsten Schritt hat Streicher für Donnerstag, 3. Oktober, eine Gesprächsrunde mit allen Betroffenen einberufen. Dabei sollen alle offenen Fragen und Bedenken diskutiert werden. Auch die Bereichsleitung für Flüchtlings- und Migrantenbetreuung der Volkshilfe OÖ soll daran teilnehmen.
Ekber Gercek ist der zuständige Verantwortliche der Volkshilfe für das Schärdinger Aslyheim. Auch ihn hat Tips mit dem Brief der Anwohner konfrontiert. Wie er erklärt befinden sich hauptsächlich syrische Familien im Haus. Aktuell seien 19 Bewohner in der Unterkunft untergebracht. Sechs Personen würden derzeit bereits einen Deutschkurs besuchen, im Oktober sollen weitere Bewohner folgen. „Von den Bewohnern geht keinerlei Gefahr oder Gewaltbereitschaft aus. Es handelt sich um Familien, hauptsächlich Frauen und Kinder, die in Frieden leben wollen“, so Gercek. Nach Bekanntwerden der Beschwerden habe man von Seiten der Volkshilfe sofort reagiert. Zwei Familien seien ausgezogen und es fand eine Hausversammlung statt, bei der auf die Einhaltung der Grundregeln wie Nachtruhe oder Aufsichtspflicht der Eltern hingewiesen wurde. Außerdem seien nun zwei Mitarbeiter aus Syrien zweimal die Woche vor Ort. Mit den Nachbar sei man laut Gercek in einem regen Austausch. Auch die Betreuerin der Unterkunft sei jederzeit erreichbar.
Regelmäßige, unangekündigte Besuche, auch am späten Abend, seien eingeführt worden. „Ein friedliches Zusammenleben ist uns allen wichtig, Wichtig ist, dass wir die Bereitschaft zeigen, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten, die allen gerecht wird“, so Gercek abschließend.


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