Klimawandel bringt Unwetter, Hitze und Gesundheitsprobleme im Bezirk
BEZIRK. Die Unwetter der letzten Wochen verdeutlichten einmal mehr, wie wichtig es ist, die Erderwärmung zu stoppen. Auch für die Schärdinger birgt der Klimawandel Gefahren für die Gesundheit.

Rund ein Drittel der circa 57.000 Einwohner des Bezirkes wird im Laufe seines Lebens 2,5 Grad Erderwärmung zu spüren bekommen. Nämlich jenes Drittel, das momentan unter 30 Jahre alt ist. Das heißt, diese Menschen werden Sommertage erleben, an denen es so heiß sein wird, dass ein Verlassen des Hauses lebensbedrohlich sein kann. Schon jetzt sind vor allem ältere Menschen akut von Hitzeschlägen und Hitzeerschöpfung betroffen.
Dazu kommen weitere gesundheitliche Folgen, die der Klimawandel mit sich bringt, wie Ursula Hammel, engagierte Hausärztin und Umweltmedizinerin in Suben, anmerkt: „Die warmen Winter sind fast noch schlimmer als die heißen Sommer. Schädlinge wie Zecken sterben aufgrund des fehlenden Bodenfrostes im Winter nicht und sind im Frühjahr daher in Unmengen vorhanden, ebenso Allergene. Für Asthmatiker wird es immer schwieriger. Dazu kommt, dass Krankheitserreger bei höheren Temperaturen leichter überleben.“ Das ist nicht alles, auch die mentale Gesundheit leidet: „In meine Praxis kommen junge Menschen, die stark darunter leiden, unsere Erde in diesem Zustand zu sehen“, so Hammer und ergänzt, dass viele mit der Frage hadern, ob sie unter diesen Umständen Kinder bekommen möchten. Die Misere hat die patente Medizinerin dazu gebracht, selbst aktiv zu werden. Sie hat einen Klimastammtisch ins Leben gerufen, bei dem sich Interessierte austauschen und Workshops planen. Der Stammtisch findet jeden 1. Donnerstag im Monat im Gasthof Labmayr in Suben um 18 Uhr statt – Interessierte sind herzlich willkommen. Außerdem schult Hammel Hauskrankenpflegekräfte zur Frage, was bei großer Hitze zu tun ist und wirkt auf Kollegen ein, ihrer Verantwortung gegenüber Patienten nachzukommen und gesunde Ernährung und eine Reduktion des Fleischverzehrs zu propagieren.
Landwirtschaft und Mobilität
Denn das vor allem in der Landwirtschaft produzierte Methan ist besonders klimaschädlich. Das Gute ist, dass Methan schnell abgebaut wird. Ein Nutzungsstopp wäre innerhalb weniger Jahre bereits wirksam. Bei CO2 ist das anders – das Gas, das vor allem im Bereich der Mobilität ausgestoßen wird, hält sich hunderte Jahre in der Erdatmosphäre. Umso dringender wäre es freilich, sofort mit einer massiven Reduktion zu starten, um langfristig das Pariser Klimaziel (Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad) zu erreichen und zu halten. Gelingt das nicht, stehen nicht nur mehr Hitze und gesundheitliche Komplikationen auf dem Programm, sondern auch vermehrt Unwetter.
Mehr Unwetter, mehr Hitze
„Wir merken in der Entwicklung der letzten zehn Jahre im Bezirk einen Anstieg an Ereignissen in den Bereichen Starkregen und Sturm. Auch eine Zunahme der Intensität ist aus unserer Sicht feststellbar“, so Bezirks-Feuerwehrkommandant Alfred Deschberger, der auf das engmaschige und personell gut aufgestellte Feuerwehrnetz im Bezirk verweist, das es ermöglicht, solche Großschadenslagen rasch zum Wohle der Bevölkerung abzuwickeln. Auch der Brunnenthaler Christoph Musik, der früher in der Forschung und jetzt in der Umweltberatung als Leiter der Organisation Acker Österreich tätig ist, die übrigens unter den wunderbaren Namen „AckerRacker“ und „Gemüseackerdemie“ gemeinsam mit Kindern Gemüsebeete und mehr anlegt, meint dazu: „Gerade im Voralpenbereich ist davon auszugehen, dass wir neben mehr Hitzeperioden auch mehr Regenperioden haben werden. Diese Perioden werden voraussichtlich länger werden und sich abwechseln.“ Dass die Erderwärmung auch in manchen Gebieten zu mehr Regen führt, hängt damit zusammen, dass wärmere Luft mehr Feuchtigkeit speichert, die dann in hohen Mengen abregnet.
Zivilgesellschaft kämpft
Angesichts der allerorts – regional wie global – sichtbaren Folgen der Erderwärmung vermisst man freilich die nötige Eile und ein energischeres Engagement auf politischer Ebene. Die Zivilgesellschaft in Schärding ist dagegen mitunter engagiert bei der Sache: Da gibt es neben dem erwähnten Klimastammtisch auch Repair-Cafés, die auf das Reparieren statt Wegwerfen setzen; FoodCoops, die regionale Lebensmittel aus Kleinbetrieben anbieten; Vereine, die sich dem Naturschutz und der Nachhaltigkeit widmen und etliches mehr. Auch das BORG Schärding geht die Sache engagiert an: Im Rahmen des sozial-kommunikativen Schwerpunktes setzen sich die Schüler u.a. intensiv mit Klimaschutz und -wandel auseinander. Und die Schärdinger Ortsgruppe Fridays for Future hat bis vor Kurzem auch noch ordentlich Wind gemacht, ist momentan aber nicht aktiv.
All die engagierten Schärdinger, die im Zuge der Recherche für diesen Beitrag interviewt wurden, haben eines gemeinsam: Sie wollen die Ohnmacht mit Tun bekämpfen und freuen sich über Gleichgesinnte. Wer auch ins Tun kommen möchte, kann am Freitag, 15. September, an der Klima-Demo in Ried im Innkreis teilnehmen (Treffpunkt: 13.30 Uhr am Platz vor der Weberzeile).


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