„Lehrstellenoffensiven müssen auch in Zukunft weiterhin forciert werden“
BEZIRK SCHÄRDING. Immer mehr Betriebe aus dem Bezirk Schärding haben Schwierigkeiten, ihre Lehrstellen zu besetzen. Im Interview mit der Tips-Zeitung spricht Harald Slaby, Leiter des Arbeitsmarktservice (AMS) Schärding, über das Thema Lehre und welche Maßnahmen seitens des AMS gesetzt werden, um in Zukunft die offenen Lehrstellen erfolgreich zu vergeben.

Tips: Herr Slaby, welche Maßnahmen setzt das Arbeitsmarktservice, um die offenen Lehrstellen im Bezirk Schärding zu besetzen?
Slaby: Uns werden von den heimischen Unternehmen jährlich knapp 250 offene Lehrstellen zur Besetzung gemeldet. Neben der direkten Vermittlung der lehrstellensuchend vorgemerkten Jugendlichen in die Betriebe veranstalten wir beispielsweise jährlich knapp 50 Berufsorientierungs- und Bewerbungstage für Schulklassen sowie Technikrallyes für Mädchen, um möglichst allen Schulabgängern die Chancen und Ausbildungsmöglichkeiten am regionalen Arbeitsmarkt aufzuzeigen. Im Rahmen der Ausbildungsgarantie qualifizieren wir in Lehrgängen zudem jedes Jahr knapp 30 erfolglos lehrstellensuchende Jugendliche zu Fachkräften und stellen Lehrstellenförderungen für die betriebliche Lehrausbildung von lernschwächeren Jugendlichen sowie für Mädchen in Berufen mit geringem Frauenanteil bereit.
Tips: Welche Förderinstrumente gibt es noch?
Slaby: Weitere wichtige Förderinstrumente des Arbeitsmarktservice sind die Lehrstellenförderung 18plus, durch welche Anlernkräfte mit fehlender Formalqualifikation in ihren Stammbetrieben die Lehre nachholen können sowie die Förderung der Ausbildung von Absolventen von Allgemein bildenden Höheren Schulen (AHS) im Rahmen der Dualen Akademie.
Tips: Welche Bedeutung haben Veranstaltungen wie die Lehrlingsmesse für die regionale Wirtschaft?
Slaby: Veranstaltungen wie die Lehrlingsmesse sind eine enorm wichtige Plattform für die heimische Wirtschaft. Diese haben die Möglichkeit, sich einer breiten Öffentlichkeit als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren und das Image von Facharbeit bei den Jugendlichen zu stärken. Dass die Imagekorrektur auch gut greift, kann man erfreulicherweise an den aktuellen Lehrlingszahlen erkennen. So haben heuer in Oberösterreich die Hälfte alle 15-Jährigen eine Lehre aufgenommen.
Tips: Wie wird das Modell Lehre mit Matura im Bezirk Schärding bisher angenommen?
Slaby: Lehre mit Matura ist zahlenmäßig sicher noch ausbaufähig. Es geht auch nicht darum, dass jeder Maturant die Lehre oder jeder Lehrling die Matura macht, sondern es geht um die grundsätzliche Durchlässigkeit, geänderte Berufswahlentscheidungen möglichst unbürokratisch umsetzen zu können. Die Duale Akademie der Wirtschaftskammer, die AHS-Absolventen erstmals ganz gezielt als zukünftige Facharbeiter anspricht, kann unter diesem Blickwinkel sicher ein Erfolgsmodell werden.
Tips: Der Meister ist jetzt einem Bachelor gleichgestellt. Finden Sie diese Maßnahme sinnvoll?
Slaby: Der Meister ist einem Bachelor ja nicht mit all seinen universitären Berechtigungen völlig gleichgestellt. Die Einstufung erfolgt, um ein berufliches Qualifikationsniveau international vergleichbar darzustellen und trägt so zur Aufwertung von beruflicher Fachausbildung beziehungsweise Facharbeit gut bei.
Tips: Wie kann das Lehrlingsproblem in den kommenden Jahren in den Griff bekommen werden?
Slaby: Im Bezirk Schärding beträgt der prognostizierte Rückgang der 15- bis 24-Jährigen in den nächsten Jahren knapp 15 Prozent. Das ist nicht wenig. Das Feld der jungen Berufseinsteiger wird durch diese Tatsache auch in Zukunft weiterhin heiß umkämpft bleiben. Wichtig wird es jedoch sein, dass die aktuellen Lehrlingsoffensiven weiterhin stark forciert werden und die schulische Berufsorientierung stetig ausgebaut wird. Angesichts der demografischen Entwicklung muss man ehrlicherweise aber auch eingestehen, dass der Lehrlingsmangel zwar gelindert, jedoch nicht beseitigt werden kann.


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