„Kooperationen wichtiger denn je“
SCHÄRDING. Die Baubranche steht vor großen Herausforderungen. Sollten die Umsätze einbrechen, dann wären laut Florian Grünberger, Schärdings WKO-Bezirksstellenobmann, die Auswirkungen für den Arbeitsmarkt massiv.

Tips:Herr Grünberger, in den vergangenen Jahren hat die Baubranche geboomt. Heuer schaut die Auftragslage nicht so rosig aus. Stehen die Bauunternehmer vor schweren Zeiten?
Grünberger:Ja, das ist richtig. Das Bau- und Baunebengewerbe sind in den letzten Jahren exponentiell gewachsen und an dieses Niveau haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Von einer „nicht so rosigen“ Auftragslage würde ich momentan nicht sprechen. Wir sind auf einem guten, aber vorpandemischen, sprich „normalen“, Niveau, von schweren Zeiten sind wir also zum Glück noch weit entfernt.
Tips:Durch die neuen Vorgaben bei der Kreditvergabe wird das Hausbauen für Privatpersonen immer schwieriger. Könnte der private Bausektor komplett einbrechen?
Grünberger: Die Kreditvergabe ist neben den gestiegenen Rohstoffpreisen sicher ein Faktor, der den privaten Häuslbauer:innen die Realisierung der eigenen vier Wände erschwert. Ich bin mir sicher, dass auch weiterhin gebaut wird, wahrscheinlich aber nicht mehr ganz so groß und auch etwas einfacher. Vielleicht wieder etwas mehr so, wie auch unsere Eltern ihr Eigenheim errichtet haben.
Tips: Bauunternehmer, Zulieferer oder Handwerker: Wenn die Baubranche weniger Umsatz macht, dann wirkt sich das auf viele andere Bereiche aus. Könnte dadurch die Wirtschaft einen massiven Schaden davontragen?
Grünberger: Das Bau- und Baunebengewerbe sind im Bezirk Schärding breit und gut aufgestellt. Ich denke deshalb, dass die Umsätze in diesen Branchen nicht wegbrechen, sehr wohl aber, dass sich das Auftragsgefüge ändern wird und die Umsätze sich verlagern werden. Um aber in solch dynamischen Zeiten schnell und richtig agieren zu können, wird das Thema Kooperation zwischen den Unternehmen und Gewerken wichtiger denn je.
Tips: Welche Auswirkungen hätte das auf unseren Arbeitsmarkt in unserem Bezirk?
Grünberger:Die Auswirkungen wären massiv. Aber wie gesagt ist die Branche stabil und wendig und wird sich den Marktanforderungen gut anpassen können.
Tips: Was stimmt Sie zuversichtlich, dass die Krise in der Baubranche abgewendet werden kann?
Grünberger:Der Mix aus großen und kleinen, leistungsstarken und innovativen Unter-nehmen im Bezirk, die auf einem sehr hohen handwerklichen Niveau arbeiten, ist die Basis für eine stabile Baubranche im Bezirk. Wenn wir es dann noch schaffen, dass wir den Begriff „Krise“ in den Medien durch „herausfordernde Zeiten“ ersetzen, haben wir schon mal viel erreicht. Die Unter-nehmer:innen sind es gewöhnt, mit Herausforderungen umzugehen, da können sie anpacken und sich Strategien zurechtlegen und sich den neuen Gegebenheiten anpassen. Eine Krise dagegen erscheint immer ausweglos.


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