Herausfordernde Zeiten für die Baubranche
BEZIRK SCHÄRDING. Die Teuerungen stellen die Baubranche vor große Hürden. Vor allem der Privatbausektor steckt in einer Krise. Schärdings WKO-Obmann und Unternehmer Florian Grünberger berichtet im Gespräch mit Tips über zum Teil leere Auftragsbücher bei Bauunternehmern aus dem Bezirk.

Tips: Herr Grünberger. die Baubranche berichtet über fehlende Aufträge. Wie ist die aktuelle Situation bei den Baufirmen im Bezirk?
Grünberger: Die Auftragseingänge bewegen sich nach wie vor auf einem stabilen Niveau, jedoch deutlich unter den Zahlen der Vorjahre. Die Tendenz zeigt aber leider ganz klar nach unten. Das größte minus ist im Bereich des „klassischen Einfamilienhausbaus“ zu verzeichnen.
Tips: Wie lauten Ihre Prognosen für die Baubranche?
Grünberger: Die derzeitigen Entwicklungen wie Teuerungen, zusätzliche CO2-Steuern, die hohen Energiepreise, steigende NOVA, Kreditklemmen bei Privaten oder die sinkende Kaufkraft durch die Inflation sind nur einige der Probleme, die unserer Mitgliedsbetriebe stark treffen. Im Vergleich mit anderen Branchen hat die Bauwirtschaft in der Vergangenheit die Krisen relativ unbeschadet überstanden. Jedoch sind wir nun mit enormen Hürden konfrontiert, die es gemeinsam zu stemmen gilt. Einige Mitgliedsbetriebe sind mit leeren Auftragsbüchern konfrontiert. Die Auftragslage am Bau wird sich in den nächsten Monaten weiter zuspitzen.
Tips: Wie gefährlich wäre ein Einbruch der Baubranche?
Grünberger. Alleine durch die CO2-Bepreisung müsse man mit extrem hohen und steigenden Baustoffkosten gerechnet werden, dies wiederum führt zum Einbruch der Nachfrage beim Einfamilienhausbau (bis zu 70 Prozent), aber auch im Industrie- und Gewerbebereich beginnt die Nachfrage zu bröckeln. Noch dramatischer sind die Rückgänge im Fertighausbau. All diese Entwicklungen führen auch zu Arbeitslosigkeit im Bauhauptgewerbe, Insolvenzgefahr für viele Unternehmen, extremen Anstieg bei den Energiekosten und der Baupreis lässt sich am Markt nicht durchsetzen. Wenn im Herbst die Arbeit fehlt, könnten Arbeitnehmer gekündigt werden. Also, kein Jammern auf hohem Niveau. Jetzt besteht Handlungsbedarf bei allen involvierten Akteuren.
Tips: Durch die Zinserhöhungen und Teuerungen schaut die Lage vor allem am Privatbausektor sehr schlecht aus. Was muss hier seitens der Regierung getan werden, damit Privatpersonen wieder leichter ein Eigenheim errichten können?
Grünberger: Wenn nicht rasch eine Lösung zur Ankurbelung der Nachfrage gefunden wird, wird es im Herbst brandgefährlich. Die Baubranche benötigt eine rasche und einfache Lösung, wie zum Beispiel eine befristete Aussetzung der Umsatzsteuer. Das wäre ein Impuls für junge Familien, die sich ein Eigenheim schaffen möchten.


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