Badretter sorgen unermüdlich für Erhalt der „Wanne“ in Scheibbs
SCHEIBBS. Seit vier Jahren leisten die Scheibbser Badretter mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des örtlichen Schwimmbads. Jetzt ist der Verein auf der Suche nach weiteren engagierten Mitstreitern, die freiwillig Dienst in der „Wanne“ versehen möchten. Grund genug, den rührigen Verein und seine Ziele näher vorzustellen.

Die Lage war ernst. Im Jahr 2017 stand die Stadtgemeinde Scheibbs kurz davor, ihr Allwetterbad für immer zu schließen. Zu hohe Kosten und ein Rückgang der Besucherzahlen hatten die Stadtspitze zu diesem radikalen Schritt bewogen. Doch zahlreiche Bürger wollten sich mit dieser Entscheidung nicht abfinden. Sie beließen es nicht nur bei Unterschriftenaktionen, sondern wurden schließlich selbst aktiv – mit Erfolg.
Geburtsstunde des Vereins
Die treibende Kraft hinter dieser Bürgerbewegung ist Eva Hottenroth. Die Scheibbserin hatte recherchiert, dass mehrere von der Schließung bedrohte Schwimmbäder in Deutschland dank des Engagements freiwilliger Helfer gerettet werden konnten. Auch im nahen Oberndorf an der Melk versehen Ehrenamtliche Dienst im Hallenbad. Eva Hottenroth machte in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis mobil und hatte schon bald 20 Mitstreiter gefunden. Die Scheibbser Badretter waren geboren. Am 23. September 2017 fand die Gründungsversammlung des neuen Vereins statt, am 5. Jänner 2018 die erste Vorstandssitzung.
Fast 50 Aktive
Seit 2018 versehen die Mitglieder des Vereins an Wochenenden und Feiertagen ehrenamtlich Dienst in der „Wanne“ – wahlweise an der Kassa oder als Badaufsicht. Laut Obfrau Eva Hottenroth besteht der Verein derzeit aus 48 Aktiven im Alter zwischen 30 und 70 Jahren. Die Mitglieder kommen nicht nur aus Scheibbs selbst, sondern auch aus den umliegenden Gemeinden. „Ich finde es wirklich toll, dass sich fast 50 Leute engagieren“, freut sich die 49-jährige Restauratorin über den Einsatz ihrer Mitglieder. Unter den Aktiven befinden sich auch drei Flüchtlinge. „Wir sind somit auch ein kleines Integrationsprojekt“, berichtet die Obfrau.
Sicherheit der Kinder
Die Mitglieder eint ein gemeinsames Ziel: das Bad zu erhalten. Für Eva Hottenroth steckt nicht nur der Wunsch dahinter, in Scheibbs weiterhin ein attraktives Sport- und Freizeitangebot zu haben. Der zweifachen Mutter geht es vor allem darum, dass die Kinder aus der Region mit dem Bad eine Möglichkeit haben, schwimmen zu lernen. Sie sieht hier vor allem den Präventionsgedanken, denn „Schwimmen ist eine Überlebenstechnik“.
Beeindruckende Bilanz
Mit ihrer Arbeit ersetzen die Mitglieder Hottenroth zufolge einen hauptberuflichen Bademeister. „Im ersten Jahr haben wir der Stadt geholfen, 80.000 Euro einzusparen“, erinnert sich die Scheibbserin. Mittlerweile sei Routine eingekehrt und die Zusammenarbeit zwischen Hauptberuflichen und Freiwilligen funktioniere tadellos: „Jeder weiß, was er zu tun hat und hält sich an die Regeln.“
Obwohl sich aktuell fast 50 Leute bei den Badrettern engagieren, ist Eva Hottenroth auf der Suche nach weiteren Mitstreitern. Denn mit 60 Aktiven ließen sich die Dienste besser aufteilen. Gesucht werden sowohl Helfer für die Kassa als auch für die Badaufsicht. Die Dienste sind an Wochenenden und Feiertagen wahlweise von 10 bis 15 Uhr oder von 15 bis 20 Uhr.
Zuckerl für Ehrenamtliche
Interessierte Neueinsteiger müssen Hottenroth zufolge dem Verein beitreten und einen 16-stündigen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren. Mitglieder, die als Badaufsicht tätig sein wollen, benötigen zusätzlich noch den Helferschein der Wasserrettung. Zu jedem Dienst dürfen die ehrenamtlichen Helfer eine Begleitperson sowie die eigenen Kinder gratis mit ins Bad nehmen. Mitglieder, die regelmäßig mindestens einen Dienst pro Monat versehen, erhalten zudem als Dank eine Saisonkarte kostenlos.
Organisation via Internet
„Wir freuen uns aber auch schon, wenn ein Mitglied einen Dienst pro Saison übernimmt“, betont die Obfrau. Die Gruppe organisiert sich untereinander über ein Online-Formular, auf das alle Zugriff haben. Hier können sich die Mitglieder nach Belieben selbst für die verschiedenen Dienste eintragen.
Optimistischer Blick in die Zukunft
Grund dafür, dass Hottenroth wieder auf die Suche nach neuen Mitgliedern geht, ist Corona. Seit Beginn der Pandemie hätten einige Mitglieder den Verein verlassen, um sich anderen Aktivitäten zuzuwenden. „Corona hat uns die gemeinschaftlichen Events genommen“, bedauert die Obfrau. Das 2019 erstmals veranstaltete große Badfest musste 2020 und 2021 pandemiebedingt ausfallen. Und auch einige andere Treffen konnten nicht stattfinden. Trotz Corona und einer neuerlichen, vorübergehenden Schließung des Bades blickt Hottenroth zuversichtlich in die Zukunft – auch dank ihrer engagierten Mitglieder: „Wir haben unser Ziel erreicht, das Bad zu retten. Und wir hoffen, dass es auch die nächsten 20 Jahre so bleibt.“


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