Trockenheit in der Landwirtschaft
BEZIRK SCHEIBBS. Die Dürrephase der vergangenen Wochen war nicht nur für Mensch und Tier eine Herausforderung, sondern auch für die Pflanzen. Die Landwirtschaft muss heuer mit einigen Ertragseinbußen rechnen.

„Trotz des einsetzenden Regens sind die Hitzetage nicht spurlos an uns vorbeigegangen. In dessen Folge sind Landwirte in weiten Teilen des Bezirks aufgrund der Schäden am Grünland von Futtermangel für ihre Tiere betroffen – wobei es natürlich regionale Unterschiede gibt. In weiten Teilen des Bezirkes gab es keinen Niederschlag während der vergangenen Hitzeperiode, daher die dramatischen Auswirkungen auf die Futtersituation. Betroffene Landwirte müssen reagieren, indem sie das Vieh vorzeitig verkaufen oder als Alternative Futter zukaufen. Da die Nachfrage an Futter hoch ist, steigt hier auch der Preis. Das stellt auch für Biobetriebe ein weiteres Problem dar, denn die Nachfrage an Biofutter ist deutlich höher und daher auch mit einem höheren Preis verbunden“, erklärt Johann Hell, Kammersekretär der Bezirksbauernkammer Scheibbs.
Dürreschäden in weiten Teilen Niederösterreich
Die meisten Dürreschäden in Niederösterreich gibt es laut Anton Hieger, Obmann der Bezirksbauernkammer St. Pölten, im Wald- und Weinviertel. Bei den Zuckerrüben seien ebenfalls Einbußen zu erwarten. Das Getreide habe besonders unter der Hitze im April und im Mai gelitten. Bei der Kartoffel kam es laut einer Mitteilung der Landwirtschaftskammer NÖ aufgrund der Trockenheit zu einem hohen Schädlingsdruck und neuen Krankheiten. Eine Versorgung des heimischen Markts sei aber gewährleistet. „Beim Mais sind heuer 20 bis 30 Prozent weniger Erträge als bei der Normalernte zu erwarten“, meint Hieger.
„Die Maisernte ist in den meisten Teilen des Bezirkes durchschnittlich. Die Maispflanze ist sensationell, da sie mit wenig Wasser auskommt – im Gegensatz zum Grünland. Heuer fand die Maisernte – aufgrund der Hitzeperiode – zu einem früheren Zeitpunkt als in den Jahren zuvor statt. Ich kann mich nur an wenige Jahre erinnern, in denen der Mais so früh geerntet wurde“, so Hell.
Schäden am Grünland
„Die Schäden im Bereich des Grünlandes sind im Bezirk Scheibbs hoch. Die wenigsten Landwirte haben eine Dürreversicherung abgeschlossen, wobei dieses Thema gerade im Aufbau ist. Im Bezirk Scheibbs herrscht die Weidehaltung vor. Die Tiere auf der Weide mussten vorzeitig eingestellt werden, da kein Futter mehr vorhanden war. In Folge wurden die Futterreserven, die für den Winter gedacht waren, aufgrund der Unterbringung im Stall verfüttert. Die lange Dürre im August betraf auch teilweise die Almen, von denen die Tiere frühzeitig abgetrieben werden mussten“, erzählt Hell weiter.
„Seitens des Landes gibt es für die Betroffenen keine Förderungen. Die Landwirtschaftskammer bietet die Futtermittelbörse an. Das Angebot ist jedoch sehr gering. Landwirte aus österreichischen Regionen, die nicht von der Dürre betroffen waren, wie etwa die Steiermark, können hier überschüssiges Futter anbieten. Es sind hierbei jedoch die Transportkosten zu bedenken. Zugekauftes Futter stammt meistens aus Österreich, da die Qualität aus dem Ausland fraglich ist“, so Johann Hell und merkt an: „Die Niederschläge waren nur ein Tropfen auf den heißen Stein, es wird dauern bis sich die Grasnarbe wieder erholt, davon wird erst im Frühjahr wieder zu sprechen sein.“
Zur Borkenkäfersituation
Laut Hieger waren die große Hitze und die Trockenheit auch für die Fichtenbestände schlecht, da sich der Borkenkäfer ausbreitete. „Seit einigen Jahren haben wir in den Wäldern zu wenig Niederschlag. Aufgrund dieses Defizites sind die Bäume geschwächt und daher anfälliger für Borkenkäfer. Für diesen Schädling war die Witterung perfekt, weshalb es in diesem Jahr drei Generationen der Population gab. Man muss dahinter sein, wo die Nester entstehen. Befallene Bäume sollten schnellstmöglich aus dem Wald gebracht werden. Die Situation ist besonders im Waldviertel extrem, wo bereits die Lager der Sägewerke ausgeschöpft ist. Zum Teil überleben die Larven den Winter. Was die Population des Borkenkäfers ausbremst sind Nässe und Kälte im Frühjahr, ein kalter Winter reicht nicht aus, um die Population geringer zu halten“, merkt Hell an. „Seit längerem wird auf Mischwälder und nicht mehr auf Fichtenmonokultur in niedrigen Lagen gesetzt. Hier muss in Generationen gedacht werden, denn die Fichte war lange sozusagen der Brotbaum, wobei sich mittlerweile gezeigt hat, dass der Fichtenbestand in niedrigen Lagen Probleme bereitet. Daher wird auf einen Mischbestand gesetzt, um auch den Schädlingsdruck zu minimieren. Eine Prognose für den Borkenkäfer für das kommende Jahr ist schwer abzugeben, denn wie bereits erwähnt liegt der springende Punkt für die Entwicklung der Population im Frühjahr“, so Hell abschließend.


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