Land übernimmt Anteile: Ötscherlifte vorerst gerettet
LACKENHOF. Die Ötscherlifte sind vorerst gerettet – das Land Niederösterreich will die Anteile an dem Skigebiet im Bezirk Scheibbs übernehmen und es mit dem benachbarten Hochkar fusionieren. Damit soll der Skibetrieb am Ötscher für die kommenden zwei Jahre gesichert sein. Gleichzeitig soll für Lackenhof ein neues Tourismuskonzept erarbeitet.

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Tourismuslandesrat Jochen Danninger (beide ÖVP) konnten heute mit der Schröcksnadel-Gruppe eine Einigung zu den beiden Skigebieten Hochkar und Ötscher verkünden, welche die landeseigene ecoplus Alpin GmbH und die Schröcksnadel-Gruppe seit mehreren Jahren gemeinsam führen. Das Land Niederösterreich wird demnach die Schröcksnadel-Anteile (60 Prozent) nach erfolgter Zustimmung der zuständigen Gremien übernehmen und die beiden Skigebiete zusammenführen. Diese Fusion sollen es dem Land ermöglichen, das Skigebiet am Ötscher zwei weitere Geschäftsjahre zu betreiben. Dadurch würde die Region Zeit gewinnen, um neue Konzepte für den Tourismus in Lackenhof zu erarbeiten und umzusetzen. Sobald es die Witterung zulässt, soll der Liftbetrieb in Lackenhof starten.
„Großer Tag der Freude“
„Die letzten Tage waren für die Region, aber auch für das Land ein Wechselbad der Gefühle. Heute ist mit dieser Entscheidung jedenfalls ein großer Tag der Freude, dass die Lifte in Lackenhof weiterfahren werden. Aber klar ist auch, dass ab morgen an einer nachhaltigen Zukunft für Lackenhof gearbeitet werden muss, um eine touristische Belebung der Region sicherzustellen“, betonte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. „Tatsache ist, dass das Gästeaufkommen in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist“, so Mikl-Leitner. „Wir waren in den letzten Tagen mit der Familie Schröcksnadel laufend im Gespräch. Und dabei ist bei ihnen das Verständnis gewachsen, welch große Emotionen bei den Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern mit dem Skigebiet am Ötscher verbunden sind. Peter und Markus Schröcksnadel haben daher den Weg für eine Lösung freigemacht, die vor ein paar Tagen noch undenkbar gewesen wäre. Sie haben eingewilligt, ihre Anteile an Niederösterreichs Flaggschiff unter den Skigebieten, dem Hochkar, an das Land Niederösterreich zu verkaufen“, berichtet die Landeshauptfrau. Damit könne man nun die Liftbetriebe am Hochkar und am Ötscher in einer Gesellschaft zusammenführen.
„Steigende Verluste über Jahre“
Peter Schröcksnadel ergänzt: „Wir haben über 20 Jahre das Skigebiet in Lackenhof am Ötscher geführt und in dieser Zeit 15 Millionen in die Liftanlagen investiert. Wir haben die Ötscherlifte auch mit steigenden Verlusten über Jahre hin weiter betreiben, weil wir im Sinne des Skisports und der Region den Berg einfach nicht aufgeben wollten. Wir freuen uns über die Pläne, die das Land Niederösterreich genau in diesem Geist jetzt anpacken wird und haben deshalb dieser Lösung gerne zugestimmt.“
Skigebiet nicht schneesicher
Tourismuslandesrat Jochen Danninger zeigt sich erfreut: „Ich habe versprochen: Das Land lässt Lackenhof nicht im Stich. Die letzten Tage waren von intensiven Verhandlungen geprägt. Dieser Einsatz hat sich für die Region und den Wintersport in Niederösterreich mehr als gelohnt.“ Das ändere jedoch nichts an der Tatsache, dass das Skigebiet in Zeiten des Klimawandels leider nicht schneesicher sei. „Im Vorjahr drehten sich die Lifte lediglich an 67 Tagen. In den vergangenen 30 Jahren sind die Nächtigungen in Niederösterreich um rund 21 Prozent gestiegen, im gleichen Zeitraum sind sie in Lackenhof um 43 Prozent gesunken. Der Lift alleine ermöglicht keine touristische Entwicklung des Ortes. Es braucht daher neue Angebote für die Gäste“, betont Danniger. Für Projekte der Region, die die Neupositionierung Lackenhofs vorantreiben, stelle das Land in einem ersten Schritt 2 Millionen Euro zur Verfügung.
Beherberungsbetriebe modernisieren
Danninger will außerdem jene Förderung, die das Land den Betrieben im Ort als Soforthilfe zugesagt hatte, zu einer Gastgeber-Förderung umwandeln.. „Denn es ist dringend notwendig, die teilweise stark veralteten Beherbergungsbetriebe auf den neuesten Stand zu bringen. Hier gibt es etwas mehr als 800 Betten in rund zehn Hotels und bei einigen Privatzimmer-Vermietern. Der Großteil davon im Ein- und Zwei-Stern-Segment. Ein Segment, von dem wir wissen, dass es immer weniger nachgefragt ist. Ich kann daher nur alle Gastgeber nachdrücklich einladen, ihre Zimmer in den kommenden Monaten zu modernisieren. Nur mit Investitionen in die Qualität können wir neue Gästeschichten ansprechen.“
Touristische Neupositionierung
Markus Redl, Geschäftsführer der ecoplus Alpin, unterstreicht: „Die Übernahme der Anteile der Schröcksnadel-Gruppe und die Verschmelzung der Ötscherlift-Gesellschaft m.b.H. in die Hochkar Bergbahnen GmbH ermöglichen einen strukturierten Prozess der touristischen Neupositionierung von Lackenhof am Ötscher. Nun geht es darum, dass die Taskforce mit der Region gemeinsam Ergebnisse erarbeitet. Es haben sich in den letzten Tagen Interessenten mit unterschiedlichen Ideen gemeldet, mit denen wir bereits in den nächsten Tagen und Wochen Gespräche führen werden.“


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