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Stromversorgung Mühlviertel: Widerstand gegen Freileitung

Mag. Michaela Maurer, 03.07.2018 17:05

OBERNEUKIRCHEN/SCHENKENFELDEN/REICHENAU. Die 110kV-Leitung für die Stromversorgung Mühlviertel soll durch Schenkenfelden, Bad Leonfelden, Oberneukirchen und Reichenau gehen. Der Arbeitskreis Schenkenfelden fordert ein Erdkabel statt der Freileitung, um das schöne Landschaftsbild zu erhalten. 

  1 / 2   Aktive und Bürger der betroffenen Gemeinden Schenkenfelden, Hirschbach, Waldburg und Ahorn auf einer der geplanten Trassen in Hirschbach.

Für die Stromversorgung Mühlviertel wird eine 110kV-Leitung von Rainbach nach Rohrbach geplant. Die geplanten Trassen führen dabei über die Gemeindegebiete Schenkenfelden, Oberneukirchen und Bad Leonfelden. Seit der letzten Regionskonferenz gibt es auch einen möglichen Korridor über Reichenau. Die Arbeitsgruppe Schenkenfelden fordert die Prüfung einer Erdkabel-Variante. „Es ist positiv, dass wir flächendeckend die Stromversorgung für das Mühlviertel sichern können. Wir sind keine Gegner der Stromversorgung, sondern nur gegen die Art der Ausführung“, sagt Günther Bergsmann, Vizebürgermeister Schenkenfelden und Sprecher der Arbeitsgruppe. „Unser Mühlviertel ist bekannt durch die schöne hügelige Landschaft, die Wiesen, Felder und Waldgebiete. Diese werden durch die Freileitung gewaltig beeinträchtigt. Wir wollen, dass die Landschaft des Tourismuslandes Mühlviertel geschützt wird, um weiter Anzugspunkt für Urlauber zu sein. Es wäre auch für Schenkenfelden eine Einkesselung unseres Ortes, was wir nicht unterstützen können.“

„Wert der Schönheit lässt sich nicht in Zahlen messen“

„Es gibt einen Trassenfindungsleitfaden. Nach diesem hat die Freileitung Priorität und es wird geprüft, ob diese anwendbar ist“, erklärt Walter Wöss vom Land Oberösterreich, der als Koordinator und Vermittler agiert. „Eine Freileitung hat eine längere Lebensdauer – zirka doppelt so lange wie ein Erdkabel. Die Schadensbehebung und Wartungsarbeiten sind einfacher und sie ist auch die günstigere Variante.“ Bei der zweiten Regionskonferenz wurden bei einem Systemvergleich auch die einfache Erdschlusskompensation durch Erdschlusslöschspule, kurzfristig erstellbare Provisorien und der einfache Austausch von Komponenten und die einfachere Erneuerung als Vorteile der Freileitung aufgezeigt. „Der Wert der Schönheit der Natur und Landschaft kann leider nicht in Zahlen angegeben werden. Es ist schwierig diese Werte in einem Konzept zu messen“, sagt Veronika Walchshofer, Sprecherin der Arbeitsgruppe Hirschbach, mit der Schenkenfelden im Austausch steht.

Weniger Wald gerodet

„Viele Bundesländer setzen bereits auf Erdkabel. Die Stromversorger argumentieren, dass es schwierig ist, im Granitland ein Kabel in die Erde zu legen. Jedoch haben wir auch eine große Gasleitung, die unser Gemeindegebiet quert. Diese wurde ohne größere Probleme in die Erde verlegt“, sagt Bergsmann. „Die Vorteile eines Erdkabels sind nicht nur, dass die bis zu 25 Meter hohen Maste nicht das Landschaftsbild beeinträchtigen, sondern auch, dass die Trassen um ein Vielfaches schmäler sind als bei der Freileitung und es muss auch nicht so viel Wald gerodet werden.“

„Sorgen der Bürger ernst nehmen“

Auch der Gemeinderat Oberneukirchen hat eine Stellungnahme zum laufenden Trassenauswahlverfahren der 110kV-Leitung einstimmig beschlossen. „Der Hochspannungs-Netzausbau ist für den steigenden Energieverbrauch notwenig. Allerdings sollen die Projektverantwortlichen auch die berechtigten Anliegen und Sorgen der Bürger ernst nehmen“, sagt Bürgermeister Josef Rathgeb. Die Petition der Bürger von Waldschlag wird vollinhaltlich vom Gemeinderat unterstützt. Darin wird die südliche Variante entlang Waldschlag abgelehnt, da bewohnte Siedlungen betroffen wären. Die nördliche Variante im Bereich Brunnwald soll gemeinsam mit den Grundeigentümern geprüft werden. Es wird auch die Verlegung auf der bestehenden Trasse der Erdgasleitung als kürzeste Variante gefordert. „Eine breite Basis fordert die Prüfung eines Erdkabels als Systemvariante, da diese Lösung das Landschaftsbild nicht beeinflusst“, sagt Rathgeb.

Reichenau: „Sind überrascht“

Die Gemeinde Reichenau hat erst vergangenen Freitag erfahren, dass nach einem neuen Plan eine Trasse auch durch ihr Gemeindegebiet führen könnte. „Wir haben uns kurzfristig mit der Ortsbauernschaft zusammengesetzt und sind noch mittendrin in den Gesprächen“, sagt Bürgermeister Hermann Reingruber. „Wir waren überrascht. Die Trasse wäre auch nur eine von drei Möglichkeiten und um einen Kilometer länger als die anderen. Die Energieversorgung ist nötig, das steht außer Frage. Aber wir wollen eine optimale Lösung“, sagt Reingruber, der auch die Vorteile eines Erdkabels sieht. Alle Prozesse und Pläne: www.land-oberoesterreich.gv.at/187716.htm


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