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SCHÖNAU. Maiandachten haben in der Region im Marienmonat lange Tradition. Besonders fleißig wird am Mörwaldberg in der Mühlviertler Alm-Gemeinde Schönau gebetet. Seit 70 Jahren bitten die Bewohner der Umgebung fast jeden Tag im Mai beim Wetterkreuz um Schutz vor Unwettern, seit 40 Jahren in der gemeinsam errichteten Wetterkreuz-Kapelle.

  1 / 3   Seit 70 Jahren wird beim Wetterkreuz am Mörwaldberg für das Wetterglück gebetet, seit 40 Jahren in der Wetterkreuz-Kapelle: Pfarrer Martin Truttenberger und Kurat Josef Zauner (r.) beim Andachts-Jubiläum

„Gott schütze uns vor Blitz und Hagelschaden“ ist über dem Eingang der Wetterkreuz-Kapelle und auf dem darin aufgestellten Kreuz zu lesen. Diese Bitte wiederholen die Nachbarn rund um den Mörwaldberg nun bereits seit 70 Jahren im Mai täglich von Sonntag bis Freitag. Das Jubiläum feierten jüngst zahlreiche Gläubige mit einer festlichen Andacht, geleitet von Pfarrer Martin Truttenberger und Kurat Josef Zauner.

Hagelunwetter: Ernte zerstört, um Getreide gebettelt

„Anlass für die Errichtung des Kreuzes waren zwei schwere Hagelunwetter, die 1945 und 1947 rund um den Mörwaldberg die komplette Ernte vernichtet haben“, erzählt Franz Schmalzer vulgo Mörwald, Vorbeter beim Wetterkreuz. Weder Mahl- noch Futtergetreide zu haben, bedeutete Hunger für Mensch und Tier. „Ich kann mich noch erinnern, dass mein Vater Saatgut für das nächste Frühjahr erbetteln gegangen ist“, sagt Schmalzer.

Kreuz am Mörwaldberg errichtet

Um neuerliche Unwetterschäden abzuwenden, errichteten die Nachbarn gemeinsam ein von Familie Lackner gespendetes Kreuz auf dem Mörwaldberg. Ab 1. Mai 1948 wurde unter freiem Himmel gebetet, Johann Schmalzer übernahm die Funktion des Vorbeters, die 1966 Sohn Franz übernahm. Schlechtes Wetter und große Kälte im Mai machten die Maiandacht auf dem Mörwaldberg Mitte der 70-er Jahre zur Herausforderung.

Kälte erzwang Entscheidung

„Es hat damals eine Entscheidung geben müssen: Hören wir mit dem Beten auf oder bauen wir eine Kapelle?“ Die Entscheidung fiel für ein Bauwerk. Nach Plänen von Gregor Moser errichteten die Nachbarn die Wetterkreuz-Kapelle. Dass der Bau ins Winterhalbjahr fiel und die Hälfte des Felsens abgeschremmt werden musste, machte das Vorhaben nicht einfach. Im Mai 1978 konnte jedoch erstmals in der neuen Kapelle gebetet werden. Die Baukosten waren mit 40.000 Schilling (knapp 3000 Euro) sogar niedriger als die dafür gesammelte Spendensumme.

Wallfahrten, Hochzeiten, Taufen

Seither ist die Wetterkreuz-Kapelle nicht nur Ort der Maiandachten. „Hierher führen auch immer wieder Wallfahrten, und auch Hochzeiten und Taufen haben wir schon gefeiert“, freut sich Franz Schmalzer.


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