FitDaheim: Lob und Tadel vom virtuellen Fitnesstrainer
MÜHLVIERTLER ALM. Fit und beweglich sein bis ins hohe Alter – wer aus der Generation 60 plus wünscht sich das nicht? Oft mangelt es jedoch an der Gelegenheit oder der Mobilität, angeleitete Turnkurse zu besuchen. Genau hier setzt „Fit Daheim“ an, ein Forschungsprojekt auf der Mühlviertler Alm. 30 Frauen und Männer trainieren seit gut einem Monat daheim vor dem Fernsehgerät – angeleitet von virtuellen Fitnesstrainern.

„Das gestreckte Bein seitlich anheben – ich zeige die Übung dreimal vor“, lädt der muskulöse, virtuelle Fitnesstrainer von „FitDaheim“ zum Beginn der Bewegungseinheit ein. Dann ist Johann Giretzlehner, er steht im Trainings-Outfit vor dem Fernsehgerät, an der Reihe. Drei Durchgänge mit vielen Wiederholungen absolviert er, hebt das rechte Bein wie gefordert seitlich an, akribisch beobachtet von der Kamera des Fitnessprogramms. Seine Bewegungen kann Giretzlehner auf dem Bildschirm mitverfolgen. Sein Körper im TV ist mit farbigen Strichen gekennzeichnet, die seinen Bewegungen folgen.
„Heute sind Sie gut drauf!“
Führt der Proband die Turnübungen richtig aus, gibt es grünes Licht, wenn nicht, leuchtet es rot auf. „Durchhalten, wir sind fast fertig“, motiviert der virtuelle Trainer. „Heute sind Sie gut drauf“, lobt er. Klappen die Übungen weniger gut, lässt er schon einmal „Das war leider nichts“ oder „Heute ist noch Luft nach oben!“ hören. Der Schönauer Johann Giretzlehner und seine Frau Renate, beide 69, gehören zu den 30 Teilnehmern in der Region, die „FitDaheim“ bis Juni 2018 zu Hause testen und dem Forschungsteam (siehe Infokasten) Rückmeldungen über die Praxis geben.
Mehr Beweglichkeit, mehr Lebensqualität
Ziel des Trainingsprogramms ist es, Bewegungseinschränkungen, die ab dem 60. Lebensjahr zunehmend die Lebensqualität mindern, hintanzuhalten. Wie Studien ergeben haben, entwickelt sich daraus ab 70 bei jedem zweiten ein deutliches Defizit in der Mobilität. „Die Konsequenz sind Mehrfacherkrankungen und Zurückgezogenheit“, wissen Projektkoordinatorin Margarete Jungwirth aus Unterweißenbach und Stefan Schürz, Mitentwickler von der LIFEtool GmbH in Linz. Subjektiv wird das als Verschlechterung der Lebensqualität wahrgenommen. Ein bewegungsarmer Lebensstil wirkt sich unter anderem negativ auf das Herz-Kreislaufsystem, den Bewegungsapparat und die Atmung aus. Genau hier setzt „FitDaheim“ an.
Untersuchung als Übungsbasis
Mittlerweile hat Johann Giretzlehner den Platz vor dem Fernsehgerät mit seiner Frau Renate getauscht. Eine Trainerin im rosa Gymnastikoutfit gibt nun die Übungen vor. Ein wenig holprig hören sich ihre Worte an, man merkt deutlich, dass das Programm hier noch Optimierungsbedarf hat. „Ich gehe auch in Schönau turnen, aber daheim vergesse ich wieder, wie die Übungen gehen“, sagt die Schönauerin, während sie laut Anweisung der Trainerin auf einem Bein balanciert. Eine anfängliche Untersuchung war die Basis für den Schwierigkeitsgrad der individuell festgelegten Übungen. Alle Teilnehmer sind aufgefordert, bei regelmäßigen Stammtischen und nach Abschluss der Testphase ihr Feedback über das Fitnessprogramm abzugeben. „Gut gemacht“, lobt die Trainerin Renate Giretzlehner.
Was genau war falsch?
„Ich bin von den Trainingseinheiten recht begeistert, die Bewegung macht mir Freude und tut mir gut, gerade was die Gleichgewichtsübungen angeht“, sagt die 69-Jährige. Was genau war falsch?Ihr Mann Johann sei eher ein kritischer Geist. „Für mich wäre es wichtig zu wissen, was genau ich bei einer Übung falsch gemacht habe, wenn das rote Licht aufleuchtet, nicht nur, dass etwas schief gegangen ist.“ Genau solche Rückmeldungen sind es, die die Entwickler aufnehmen und schlussendlich nach der Testphase in das Fitnessprogramm für Zuhause einarbeiten wollen.
Weitere Informationen: FitDaheim


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