Waldwirtschaft: „Wir sollten unser Potential ausschöpfen“
Schönbach. Dass der Wald ein wichtiger Lebensmittelpunkt von Gerhard Blabensteiner ist, merkt man bereits, wenn man sich seinem Haus nähert. Neben zahlreichen Holzskulpturen ist der natürliche Rohstoff hier wichtiger Bestandteil und nicht zu übersehen. Und erst recht nicht, wenn man die Schwelle zum Wohnbereich überschreitet: Holz soweit das Auge reicht, in allen Formen und Facetten. Und man stellt schnell fest: Es ist ganz schön gemütlich zuhause, beim Obmann des Vereines zur Förderung des Waldes.

„Ja der Verein wurde erst heuer gegründet und steckt quasi noch in den Kinderschuhen“, meint Obmann Gerhard Blabensteiner, dies solle sich aber nun ändern. Maßgeblich für die Gründung war der Tag des Waldes, eine Veranstaltung, die heuer im Oktober bereits zum dritten Mal über die Bühne gegangen ist. Und das sehr erfolgreich, zahlreiche namhafte Referenten informierten die Besucher über den Status quo der Waldwirtschaft sowie über neue Entwicklungen und Trends.
Kiefer als Zukunftsbaum
Schon gewusst, dass Kiefernholz dank seiner speziellen Inhaltsstoffe hygienischer und bakterienresistenter ist als Kunststoff oder gar OP-Fliesen? Dafür sorgt die antibakterielle Wirkung des Harzes, das bei der Kiefer reichlich vorhanden ist. Dieser Baum stand übrigens auch im Mittelpunkt beim Tag des Waldes – nicht ohne Grund. Von vielen als Zukunftsbaum bezeichnet, gilt der Tiefwurzler als robuster und widerstandsfähiger, auch in Bezug auf die stetige Klimaerwärmung. „Bei uns im Bezirk gibt es einen Fichtenanteil von über 80 Prozent, die entstandenen Monokulturen sind das Schlechteste, das man einem Wald antun kann“, meint der Forstwirt. Zurück zum natürlichen Gefüge, zurück zum Mischwald, und die Fichten auch dort hinsetzen, wo sie hinpassen, also nicht unter 600 Meter, das wäre im Sinne einer nachhaltigen Waldwirtschaft. Dann könne man auch das derzeitige Käferproblem besser und einfacher eingrenzen, ist Blabensteiner überzeugt, der sein Käferholz übrigens für die geplante Maschinenhalle verwenden wird. „Mir widerstrebt es, Holz unter seinem Wert zu verkaufen, diese Ressource kann so vielfältig und kreativ eingesetzt werden.“
Bewusstseinsbildung
Den Wert des Waldes (wieder) schätzen zu lernen, die genialen Vorteile des Holzes zu erkennen und einzusetzen, hier ein Stück weit Bewusstseinsbildung zu betreiben, das ist das zentrale Anliegen des Vereins. Ganz gemäß Adi Kastners Worten, die Werte einer Region erkennen, schätzen und nützen. Der Wald hätte das große Potential, um unser Waldviertel nicht nur im wirtschaftlichen Sinne aufzuwerten, „denn wenn wir uns selber nicht ein wenig weiterhelfen, ein anderer wird“s nicht tun“, so der Obmann.
Der Trend hin zum Bauen mit Holz ist zwar schon erkennbar aber durchaus noch ausbaufähig. „Wenn sich die Nachfrage und damit der Einsatz von Holz hier nur um wenige Prozent steigert, sichert und schafft man damit Arbeitsplätze in der Region, die Wertschöpfung bleibt im Lande – und das Beste, wir haben es ja ohnehin vor der Haustüre“, argumentiert Gerhard Blabensteiner. Er plädiert beispielsweise für eine unbehandelte Inneneinrichtung, denn nur dann entstehe das natürliche regulative Raumklima. So kennt er trotz fehlender Lüftung im Bad keine anlaufenden Fenster, denn das Holz nimmt die Feuchtigkeit auf und gibt sie langsam wieder ab, alles Vorteile, die im Zuge von behandeltem Holz wegfallen.
Und um zur Kiefer zurückzukehren, diese kann durchaus die „Zirbe“ des Waldviertels werden, ist der Forstwirt überzeugt. Im Hause Blabensteiner wird es heuer jedenfalls einen „kiefernen“ Christbaum geben. Und wer weiß, vielleicht wird die Nordmanntanne ja schon bald abgelöst?


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