Wegen Domains: „Sebastian Kurz hat sich bisher noch nicht gemeldet“
RAAN. Douglas Hoyos aus Raan (Marktgemeinde Schönberg am Kamp) ist Bundesvorsitzender der „Junos“ – der Jungen Liberalen NEOS. Im Interview mit Tips erzählt er, warum er nicht bei der ÖVP gelandet ist. Außerdem erklärt der 27-jährige Jungpolitiker, weshalb die NEOS keine Partei der oberen Zehntausend sind und warum er sich die Domain www.listekurz.at gesichert hat.

Tips:Herr Hoyos, Sie sind 27 Jahre alt und kommen aus dem Bezirk Krems. Für viele unserer Leser sind Sie aber noch ein unbeschriebenes Blatt. Erzählen Sie uns bitte ein bisschen von Ihrem Werdegang?
Douglas Hoyos: Ich bin in Klagenfurt geboren und lebe in Raan und Wien. Durch mein BWL-Studium bin ich politisch aktiv geworden. 2011 bin ich bei den ÖH-Wahlen für die Jungen Liberalen (heute „Junos“, Anm. d. Red.) angetreten. Wir waren damals nur 15 bis 20 aktive Mitglieder. Dann haben wir gemeinsam die Landesvertretung für Niederösterreich gegründet und aufgebaut. Mittlerweile bin ich seit drei Jahren Bundesvorsitzender der“Junos“. Hauptberuflich arbeite ich als Angestellter in einem Forstbetrieb. Seit Jänner 2017 bin ich das jüngste Mitglied im Vorstand von NEOS.
Tips:Sie gehen auf Platz 2 der Landesliste der NEOS für Niederösterreich ins Rennen um einen Sitz im Nationalrat. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
Hoyos: Für mich gibt es zwei große Themenbereiche, die ich in einem Satz zusammenfasse: „Mehr Chancen für junge Menschen“. Wir sind von der Grundversorgung her gut aufgestellt und eines der reichsten Länder der Welt, schaffen es aber nicht, das langfristig zu halten. 25 Prozent der Jugendlichen können nicht sinnerfassend lesen. Wir müssen jungen Menschen die Chance geben, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Tips: Warum haben Sie sich damals,als Sie beschlossen haben politisch aktiv zu werden, für die Jungen Liberalen entschieden?
Hoyos: Ich war kurze Zeit bei der Jungen Volkspartei Horn, habe aber schnell bemerkt, dass es nicht das Richtige für mich ist. Die ÖVP ist viel zu sehr ein System-und Machtapparat. Ich wollte daraufhin nicht mehr allzu viel mit Politik zu tun haben. Dann habe ich während meines Studiums die „Julis“ kennen gelernt. Dort ging es rein um die Sache und um mehr Freiheit für den Einzelnen.
Tips:Viele gehen bei der Nationalratswahl von einem Dreikampf Kurz–Kern–Strache aus. Was haben die NEOS dem entgegenzusetzen?
Hoyos: Ich glaube nicht an einen Dreikampf. Wenn man es rein realistisch sieht, liegt Sebastian Kurz in manchen Umfragen schon bis zu acht Prozent vor der SPÖ. Wir müssen davon ausgehen, dass Kurz die Wahl gewinnt. Die Frage ist, wie geht es dann mit Österreich weiter. Es gibt viele Themen, die uns am Herzen liegen, wie Bildung, Entlastung für Wirtschaft und Unternehmer, Pensionen und eine Verwaltungsreform. Wir NEOS haben bewiesen, dass wir für alle diese Fragen eine konstruktive Kraft im Parlament sein können.
Tips:Wenn jemand zu Ihnen sagt: „NEOS ist die Partei der oberen Zehntausend“. Was würden Sie darauf antworten?
Hoyos: Das ist einfach nicht wahr. Bei uns sind auch viele Menschen, die eine Lehre gemacht haben. Es geht auch nicht darum, Arm oder Reich gegeneinander auszuspielen, sondern jedem Chancen zu geben und Freiheit sowie Eigenverantwortung zuzulassen. Der Staat ist aber auch nicht dazu da, alle durchzufüttern, sondern er muss die Grundvoraussetzung dafür bieten, damit jeder etwas aus seinem Leben machen kann.
Tips:Sie haben bereits im März die Domains www.liste-kurz.at und www.listekurz.at registrieren lassen. Ein vorgezogener Wahlkampf-Gag oder was waren Ihre Beweggründe?
Hoyos: Ganz ehrlich, wir waren auf Klausur und wollten einen April-Scherz machen. Mehr war nicht dahinter. Es ist eine lustige Geschichte, die von den Medien gerne aufgegriffen wird. Leider gehen die echten Inhalte dadurch ein wenig unter. Ich warte allerdings noch immer auf einen Anruf, Sebastian Kurz hat sich noch nicht gemeldet. Das ist vielleicht auch ein kleiner Aufruf an ihn. Wenn er will, kann er die Domains haben.
Tips: Parteichef Matthias Strolz hat in einem Standard-Interview gesagt: „Wir haben Leute, die von der Politik nicht abhängig sind. Das zeichnet uns aus“. Wie sieht es mit Ihrer weiteren Karriereplanung aus?
Hoyos: Ich habe immer gesagt, ich werde nicht ewig Politik machen. Ich glaube, dass ich meinen Beitrag leisten kann und möchte das auch die nächsten fünf Jahre machen. Vielleicht auch eine zweite Periode. Unser Parteistatut lässt ohnehin nicht mehr als drei Legislaturperioden zu. Ich gebe mir selbst fünf Jahre, um meine politischen Ziele zu erreichen. Ich möchte außerdem ein Unternehmen gründen, das war immer mein Traum. Schauen wir einmal, was sich ergibt.
Zur Person:
Douglas Hoyos aus Raan (Bezirk Schönberg am Kamp)
geboren am 8. September 1990 in Klagenfurt
Nummer eins auf der Wahlkreisliste Waldviertel der NEOS


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