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SIERNING. Herbert Ostermann ist als ehemaliger Volksschuldirektor in Sierning bekannt. Er gilt nicht nur als Entdecker von Lask-Jahrhundertspieler Helmut Köglberger, sondern kennt auch viele Details der Geschichte der Marktgemeinde.

Für seine Leistungen wurde Herbert Ostermann der Titel „Oberschulrat“ verliehen. Foto: rh
Für seine Leistungen wurde Herbert Ostermann der Titel „Oberschulrat“ verliehen. Foto: rh

„Er ist meine beste Quelle, weiß alles von damals. Zum Beispiel kennt er alle früheren Hausbesitzer und ehemaligen Wirtshäuser in Sierning“, sagt Heimatforscher Erwin Brunmayr über seinen Freund Herbert Ostermann. Das Original aus der Marktgemeinde feierte im Dezember seinen 90. Geburtstag. Beim Besuch von Tips erzählt er detailgenau vom Zweiten Weltkrieg, speziell vom Angriff auf die Steyrer Industrie am 23. und 24. Februar 1944. „In Sierning hat es keinen Luftschutzkeller gegeben, wir Buben sind auf der Wiese gesessen und haben beobachtet, wie die Splitter vom Himmel fielen.“

Zu schmächtig für Krieg

Gegen Kriegsende sollte der damals 15-Jährige noch eingezogen werden, musste im März 1945 zur Stellung nach Linz. Ostermann kramt in seinen Unterlagen und zeigt seinen gut erhaltenen Wehrpass her. Dort ist vermerkt, dass er sich freiwillig für die Waffen-SS gemeldet hätte. „Das stimmt natürlich nicht“, sagt der heute 90-Jährige. „Sie haben mich nicht brauchen können, weil ich viel zu schmächtig und nur 1,55 Meter groß war. Das war mein Glück.“

Berufung gefunden

Ostermann ist gebürtiger Sierninger, wuchs mit sechs Geschwistern in der Steyrer Straße auf. Nach vier Klassen Volks- und vier Klassen Hauptschule begann er 1944 die Ausbildung zum Volksschullehrer in Linz. „Da ist nicht viel gegangen, jeden zweiten Tag war Fliegeralarm“, erzählt Ostermann. Erst nach Kriegsende ging es richtig los, er wohnte damals bei seiner Tante in der Landeshauptstadt. „Der Lehrplan war noch von den 30er Jahren und von der Landwirtschaft geprägt.“

Eine Klasse, 68 Schüler

Nach der Matura begann 1950 die Karriere als Lehrer. Zunächst war er für die Volksschule Plenklberg im Steyrer Stadtteil Münichholz vorgesehen, musste dann aber für ein Jahr ins relativ weit entfernte Kleinreifling. „Ich habe damals in der Schule gewohnt“, so Ostermann, der seinen Beruf mehr als 40 Jahre mit viel Leidenschaft ausübte. 1951 begann er in der Volksschule in Sierning. Von 1984 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1992 war er Direktor. An die Anfangstage kann sich Ostermann noch gut erinnern. „Den Unterricht von damals kann sich heute niemand mehr vorstellen. Es gab kein fließendes Wasser. Die Kinder haben mit dem selben Wasser die Hände gewaschen, mit dem auch die Tafel gereinigt wurde. Außerdem waren die Klassen viel größer, ich hatte bis zu 68 Schüler gleichzeitig.“

Jahrhunderttalent gefördert

Der Volksschulunterricht war früher in Vormittag und Nachmittag geteilt, zwischen 11 und 12 Uhr war Mittagspause. In dieser Zeit kümmerte sich Ostermann um Kinder, die nicht nach Hause konnten – und spielte mit ihnen Fußball. Darunter Helmut Köglberger, der eine große Karriere hinlegen sollte. Der Sohn einer Bad Hallerin und eines dunkelhäutigen US-Soldaten wuchs bei seiner Großmutter in Sierning auf und fand in der Schule mit Herbert Ostermann einen großen Förderer. „Ohne die regelmäßigen Trainingseinheiten mit Herrn Ostermann hätte ich wohl nicht so eine Karriere hinlegen können“, gab Köglberger in einem Buch zu Protokoll. Er stürmte für Amateure Steyr, den Lask, Austria Wien und 28 Mal für das Österreichische Nationalteam. Köglberger verstarb im September 2018 im Alter von 72 Jahren.

Reisen als Leidenschaft

Ostermann fand in der Volksschule in Sierning auch seine große Liebe, heiratete seine Lehrerkollegin Ursula und zog mit ihr zwei Kinder groß. Mit seiner Frau teilte er die Leidenschaft für das Reisen, die in jungen Jahren einfach begann. „Ich war zum Beispiel mit dem Rad in Italien“, erzählt der 90-Jährige, dessen Ehefrau Ende 2018 verstorben ist. Neben dem Reisen widmete sich Ostermann in der Pension auch den Enkeln und engagierte sich in der Marktgemeinde – seine schöne Handschrift ziert zig Urkunden in Sierning.


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