Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

ST. AGATHA. Sie war auf den ­Bühnen der Welt unterwegs, von Vietnam bis Moskau, von Japan über Korea, um ihre Liebe zur Musik und zum Gesang mit den Menschen zu teilen. Ihre zweite große Liebe, Josef, lernte sie im Zuge eines Stipendiums in Wien kennen. Heute lebt Bich Thuy Nguyen aus Vietnam mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in St. Agatha und in Baden bei Wien und hat einen großen Traum: Wieder auf die Bühne zurückzukehren.

Bich Thuy Nguyen liebt es auf der Bühne zu singen.
Bich Thuy Nguyen liebt es auf der Bühne zu singen.

Auf der Bühne stehen zu können war und ist für Bich Thuy Nguyen pures Glück. Bis dahin war es für die 38-Jährige, die 2009 ihr zweites Glück in Österreich fand, ein steiniger Weg.

„Ich kam mir vor wie ein Papagei“

Dem Berufswunsch, den ihr Vater für seine Tochter hatte, Lehrerin oder Ärztin zu werden, wollte die Vietnamesin nicht nachkommen. „Mein Vater wusste nicht, was ich als Sängerin machen möchte, ob ich mich da nur schön anziehe, schminken und herumhüpfen würde. Aber ich sagte, das ist meine Leidenschaft, ich will keine Lehrerin werden, sondern singen“, erzählt Bich Thuy Nguyen. Ihre Durchsetzungskraft und ihr Wille haben ihr Leben verändert. Schnell merkte sie, dass ihre Stimme nicht für Pop oder Hip-Hop geeignet war. „Ich habe einfach immer zu hoch gesungen“, meint die 38-Jährige. Da Operngesang vor mehr als 20 Jahren in Vietnam kaum bekannt war, war es für die angehende Sängerin schwierig, diese Gesangsart überhaupt zu erlernen. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin, die im Ausland Operngesang studierte, ging sie den Weg weiter. „Ich habe aber auch viel geweint, denn ich wusste ja am Anfang gar nicht, was es heißt eine Oper zu singen. Sie hat mich viel korrigiert, oft habe ich zu tief oder zu schwer gesungen. Ich kam mir vor wie ein Papagei, der Stimmen imitiert. Aber dann langsam, als es zu klingen begann, wurde es schön. 1996 hatten wir auch noch nicht überall Internet. Ich konnte also auch nicht einfach im Internet nachschauen, was Opern singen bedeutet oder mir anhören, wie andere singen“, erzählt die Sängerin, der sich nach einem ersten Preis beim Internationalen Gesangswettbewerb in Bangkok die Türen zu den Bühnen der Welt öffneten. Aber nicht nur das, auch für sie selbst änderte sich viel: „Dieser Sieg hat mir meine Augen geöffnet und mein Bewusstsein verändert sowie mein Selbstbewusstsein gesteigert, denn ich wusste, ich kann singen und die Leute mögen meine Stimme. Das hat meine Motivation und meine Ambitionen weiterzumachen und nicht aufzugeben sehr gesteigert“. Auftritte in Südkorea, Vietnam, Russland, Laos, Thailand und Japan folgten.

Körper begann zu streiken

Die Vietnamesin verschrieb sich dem Operngesang und übte viel. Allerdings hörte sie dabei nicht mehr auf ihren Körper, der sich immer mehr wehrte. „Ich wollte besser werden. Aber ich merkte auch, je mehr ich trainierte, umso mehr nahm es meinen Körper mit. Für die Oper braucht man sehr viel Kraft, es ist wie Sport“, erzählt die 38-Jährige. Nach einem Konzert im Ausland begann ihr Körper schließlich zu streiken. Bich Thuy Nguyen wurde krank. „Ich konnte nicht aufstehen, konnte nicht mehr sprechen und meine Stimme war weg. Ich konnte zwar meinen Mund aufmachen, aber ich konnte nichts mehr sagen. Mein Körper war am Ende“, schildert die Agathenserin, die viel in dieser anstrengenden Zeit gelernt habe und bei der Musik ganz besondere Gefühle auslöse. „Wenn ich Musik oder jemanden singen höre, fängt mein Herz an schneller zu schlagen, ich fühle mich dann wie in einer anderen Welt und denke nicht mehr an Hausarbeit. Musik war für 20 Jahre mein ganzes Leben und wenn ich singen darf, freue ich mich richtig. Dann bin ich einfach glücklich“, so die Vietnamesin.

Glück und Sehnsucht

Heute ist Bich Thuy Nguyen Mutter und Ehefrau. Ob sie etwas aus ihrem früheren Leben vermisse? „Nur wenn ich an die Vergangenheit denke, an zuhause oder an die Bühne dann bekomme ich oft ein Gefühl der Sehnsucht, aber die Kinder und die Familie sind für mich auch einfach Glück.“ Und obwohl in St. Agatha alles anders ist, angefangen von der „Besonderheit“ sich einen Arzttermin geben lassen zu müssen, liebt sie das Leben hier und das Essen - vor allem Knödel, in allen Variationen. „Ich interessiere mich sehr für Kultur, und Essen ist einfach Kultur. Wenn in unserem Land jemand zu Besuch kommt, servieren wir Tee, Saft oder Wasser und statt Nachspeisen bieten wir Obst an. Besonders überraschend für mich waren die Knödel. Man kann viele verschiedene Knödel machen und sie zu vielen verschiedenen Gerichten essen. Wenn ich nach Hause fliege, werde ich meinen Eltern zeigen, wie man Knödel macht. Mit Erdbeeren und Marillen, das schmeckt sehr gut und ist eine sehr gute Idee“, sagt die Wahl-Agathenserin schmunzelnd, für die klar ist, irgendwann wieder auf der Bühne stehen zu wollen. „Ich möchte wieder auf die Bühnen zurückkehren. Jedes Jahr bekomme ich aus Vietnam eine Einladung für ein Konzert, aber als ich schwanger war und auch jetzt, wenn die Kinder noch klein sind, kann ich nicht fliegen. Aber in der Zukunft werde ich wieder in Vietnam und auch hier versuchen zu singen. Es wäre schön, wenn ich es schaffen würde in der Schule als Musiklehrerin zu arbeiten. Dann hätte ich auch noch Zeit für meine Kinder und für meine Familie.“

Nächster Auftritt:

Am 22. Oktober tritt Bich Thuy Nguyen am Oktoberfest im Agrana Werk in Aschach auf.

Beginn: 17 Uhr


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden