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Leserartikel Werner Pelz, 01.02.2016 19:47

ST. PÖLTEN. Kritische Geister haben es dieser Tage nicht leicht. Whistleblower, Politiker, Beamte, kritisch-kreative Geister in der Wirtschaft oder Journalisten die gegen den Strom schwimmen, können davon ein Lied singen. Umso erfreulicher, dass im Theater- und Kunstbetrieb teilweise andere Gesetze herrschen. Hier ist Kritik erwünscht und wird auch oft messbar belohnt, zumindest im St. Pöltner Landestheater ist dies immer wieder zu beobachten. Zuletzt bewies dies das Stück „Der Himbeerpflücker“ von Fritz Hochwälder. Die Produktion wurde rasch zu einem Erfolg, was den St. Pöltnern eine zusätzlichen Aufführung am 18. Maerz 2016 (Beginn 19.30 Uhr) beschert.

  1 / 2   Szenenbild aus 'Der Himbeerpflücker' im Landestheater NÖ. Auf der Bühne: Christine Jirku, Michael Scherff, Christoph Kail, Martin Leutgeb, Raimund Wallisch, Eva Maria Marold. Foto: Lalo Jodlbauer

Nicht selten wird in unseren Breiten über „die gute alte Zeit“ geplaudert und diese wieder herbeigesehnt. So auch im österreichischen “Bad Brauning“, das Autor Fritz Hochwälder zu einem Synonym für den Umgang mit österreichischer Geschichte vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg machte.

In Bad Braunig profitierten viele vom Zweiten Weltkrieg und bedauern Jahre nach Kriegsende den Verlust dieser einträglichen Zeit. Da ist etwa der Bürgermeister und Besitzer des Gasthauses „Zum weißen Lamm“, der seinen seinen Wohlstand auf zwei Kisten Zahngold gründet, die ihm in den Wirren der letzten Kriegstage vom sogenannten Himbeerpflücker anvertraut wurden. Dieser ehemalige Scharführer kommandierte während des Krieges Gefangene zum Himbeerpflücken in einen Steinbruch, um sie dort zu erschießen. Als nun das Gerücht die Runde macht, dass er in der Nähe des Dorfes gesichtet wurde, kommt es zu unterschiedlichen Reaktionen: Während Steisshäuptl zunächst um den Ruf des Dorfes, die Tourismuszahlen und „sein“ Zahngold besorgt ist, kündigt der Vorsitzende des Kameradschaftsbundes sofortige Unterstützung an. Als der vermeintliche Himbeerpflücker plötzlich im Gasthaus auftaucht, buhlen alle Dorfhonoratioren ungeniert um die Gunst des Nazi-Granden. Von allen Seiten umgarnt, stößt er bald auf viele Leichen, die in Bad Brauning noch im Keller liegen.

Regisseurin Cilli Drexel, Bühnenbildnerin Christina Mrosek und Kostümbildnerin Janine Werthmann, die am Landestheater Niederösterreich bereits die beachtenswerte Inszenierung von Arthur Millers Hexenjagd umsetzten, beschäftigten sich erneut mit einem heiklen Stoff, der allerdings vom österreichischen Dramatiker Fritz Hochwälder (Jahrgang 1911, 1938 in die Schweiz geflüchtet) als Satire verfasst wurde. 

DER HIMBEERPFLÜCKER von Fritz Hochwälder. Mit Martin Leutgeb, Eva Maria Marold, Reinhard G. Moritz und Raimund Wallisch als Gäste im Ensemble. Regie Cilli Drexel

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Kontakt Redaktion Tips St. Pölten: Werner Pelz, Mobil: 0676 700 11 75 // Mail: w.pelz@tips.at oder we_pe@gmx.at // Post: W. Pelz, Postfach 39, 3101 St. Pölten


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