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Letzter Jour Fixe der Plattform Kulturhauptstart behandelte die Freie Szene in und um St. Pölten

Thomas Lettner, 22.08.2018 08:34

ST. PÖLTEN. In der ehemaligen jüdischen Synagoge fand vor kurzem der letzte Jour Fixe der Plattform Kulturhauptstart in diesem Jahr statt. Dieses Mal wurde über die Freie Künstler- und Kulturszene in und um St. Pölten diskutiert.

  1 / 2   Der letzte Jour Fixe in der ehemaligen Synagoge war gut besucht. Die Jugend möchte man zukünftig aber noch mehr ansprechen. Fotos: Thomas Lettner

Wie schon beim Jour Fixe im Juli, bei dem unter anderem Architekt Peter Fattinger über das temporäre Projekt „Bellevue“ über dem stark befahrenen Autobahntunnel Bindermichl sprach, gab es auch dieses Mal einen Bezug zur Kulturhauptstadt Linz 2009. Erste Vortragende des Abends war die freischaffende Künstlerin und Kennerin der Freien Szene Linz Uschi Reiter. Reiter war zwölf Jahre operativ bei servus.at im Haus der Stadtwerkstatt tätig. Die Stadtwerkstatt ist eine kulturelle Initiative, zählt zur Freien Szene und beheimatet drei Vereine (Radio Fro, servus.at und Stadtwerkstatt). Sie ist eine wichtige kulturelle Impulsgeberin in der Stadt Linz.

Chance für nicht arrivierte Künstler

Zweiter Vortragender war Thomas Duschlbauer, Lektor an der FH St. Pölten und Kommunikationswissenschafter. Der „bekennende Dreckskünstler und Aktivist“ bei der Social Impact Aktionsgemeinschaft stellte Linz „09-Projekte des Vereins vor. Wichtig bei Projekten wie der „Subversivmesse“ waren die Arbeit mit einem erweiterten Kunstbegriff, die Interaktion mit den Menschen sowie das Moment der Überraschung. Die Aktionen der Social Impact AG, die zuletzt mit den „Freunden des Wohlstands“ für Aufsehen sorgte, überschreiten zwar Grenzen, jedoch ist dies als Bewusstseins-Anstoß gedacht. Für Duschlbauer bedeutet „Kulturhauptstadt“ mehr als einen vollen Veranstaltungskalender, um bloß ein Unterhaltungsbedürfnis zu befriedigen. Die Stadt St. Pölten könnte eine Werkstatt für das Experimentelle und so zu einer Chance für noch nicht arrivierte Künstler werden.

Wunsch nach mehr Vernetzung

Im Anschluss an die Vorträge stand eine Podiumsdiskussion mit Marlies Eder (Lesestoff & Schnaps), Musiker Felix Schnabel von der Band Scurf, der bildenden Künstlerin Ingrid Reichel sowie Kabarettist und Musikmanager Edwin Prochaska auf dem Programm. Moderiert wurde sie von Elisabeth Schimana vom Institut für Medienarchäologie. In der Runde wurde unter reger Teilnahme des Publikums über die Freie Szene in St. Pölten diskutiert. Dabei kristallisierte sich heraus, dass es ein starkes Bedürfnis nach Vernetzung der Freien Szene und der lokalen Kunst- und Kulturschaffenden in St. Pölten und Umgebung gibt. Der allgemeine Tenor war, auf bereits bestehenden Projekten weiter aufzubauen.

Haus der Begegnung

Diskutiert wurde auch darüber, ob man im Sinne der „subversiven Stadt“ ähnliche Nacht und Nebel-Aktionen wie bei Linz „09 machen könne oder die Stadt dafür zu klein ist. Schnabel warf ein, dass es mehr Proberäume für Bands geben sollte. Als Vision wurde ein „Haus der Begegnung“ ähnlich der Linzer Stadtwerkstatt formuliert, in der sich Künstler und Kulturschaffende aller Sparten treffen und vernetzen können. Der leerstehende Pop Up-Store in der Kremsergasse könnte eine anfängliche Lösung dafür sein.

Nächste Schritte

Derzeit wird von der NÖ Kulturlandeshauptstadt St. Pölten GmbH das „Bid Book“ verfasst, das Ende des Jahres fertig sein soll. Die Plattform Kulturhauptstart trägt mit drei Dossiers über die Freie Szene, die Soziale Inklusion und über skizzierte Projekte dazu bei. Die Dossiers werden bis Ende August fertiggestellt. Als nächstes steht der Löwenhof, in dem die Plattform ihr Büro hat, im Fokus. Beim Höfefest am 29. September wird er mit Licht und Ton bespielt. Auch eine Kopfhörer-Disco wird es geben. Ziel ist es, die Attraktivität des Hofes zu steigern. Überlegt wird auch über Aktionen, um die Jugend besser anzusprechen. Danach geht es in die Planungen für das nächste Jahr.


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