ST.PÖLTEN. Knackevoll ist das Kulturhaus Wagram, als der Steirer Paul Pizzera dessen Bühne am 21. Mai betritt. Im zahlenmäßig überlegenen weiblichen Publikum fällt zwar niemand in Ohnmacht, aber der gehauchte Aha-Effekt ist bei des Kabarettisten Erscheinen hör- und spürbar und mündet ihn fast frenetischen Applaus.
Spielt Paul Pizzera deshalb in stets ausverkäuften Häusern, weil er seine weiblichen Fans schon allein beim Anblick beglückt? Nein. Natürlich nicht, das wäre viel zu kurz gegriffen, und was wäre dann mit den ebenfalls begeisterten Herren der Schöpfung? Ja, man könnte vielleicht sagen, Pizzera sei ihnen Vorbild für seine Vitalität und Energie auf der Bühne. Aber auch das ist´s nicht. Denn sowohl Männlein wie Weiblein geraten offensichtlich und beobachtbar in den humoristischen Bann des 1988 in Deutschlandsberg Geborenen. Neben dem Berichterstatter fällt ein Besucher fast vom Stuhl als er sich vor lauter innerer und nach außen getragener Erregung, die sich durch Schenkelklopfen, staccatoartige Lachsalven samt epilepsieartige Körperbewegungen manifestiert, nicht halten kann. Und er kann etwas, der Paul Pizzera. Nicht nur lustig sein, sondern auch gut Gitarre spielen und dazu singen, imitieren und wirklich ätzend spotten. Und dabei nimmt er sich selbst gar nicht aus. „Man darf sich selbst nicht so ernst nehmen“, meint der Künstler im Interview mit Tips St. Pölten.
Null Respekt Woher denn den Stoff für seine Kabarett-Programme nehme? „Du wirst es nicht glauben, und die Antwort ist leider knochentrocken fad: ich beziehe den Stoff aus dem meine Bühnenauftritte bestehen aus dem Alltag“. Daraus ließe sich schon einiges basteln. „Und ich habe in meinem Programmen einfach Null-Respekt vor nichts und niemandem. I sch…. ma afoch nix“, erklärt Pizzera im Gespräch in fast lupenreinem Hochdeutsch. Auf der Bühne weicht die schöne Aussprache, des studierten Germanisten - er schaffte es immerhin bis zum Bachelor –seinem breiten steirischen Bellen, dass im Publikum herzhaftes Wiehern zur Antwort erhält.
Mings und Prölls Was ihn, den eingefleischten Steirer mit Niederösterreich und St. Pölten verbinde, beantwortet er mit einer Gegenfrage: „War die Ming-Dynastie in China wirklich einflussreicher als die Pröll-Dynastie in Niederösterreich?“ – „Welche Frage!?“, erwidert man dann als gelernter Journalist erstaunt auf eine derartige Interrogation.
Künstler als Wappler Ob er, Pizzera, denn gern als Künstler im größten Bundesland leben wollte? „Als Künstler geht es einem nicht schlecht in Niederösterreich. Jeder ist korrumbierbar, auch Künstler sind dies. Das ist in Niederösterreich doch gang und gebe. Wie bei jedem Menschen wird die Ideologie entscheiden, ob man käuflich ist“, so Pizzera, „Künstler sind doch die gleichen Wappler wie alle anderen, nur halt noch um eine Spur eitler und selbstverliebter“.
Peinliche Drehbewegung in hunderten Meter Höhe Was denn sein peinlichstes Berufserlebnis sei? Nach einigem Nachdenken erinnert sich Pizzera an „eine Firmengala im Wiener Donauturm. Das war heftig!“ Man habe dort zwar eine wunderbare Aussicht, durch eine, sich um seine eigene Achse drehende Lokalität, aber: „Als ich dort auftrat spielte ich stets vor ein und demselben Tisch mit Besuchern, obwohl das Lokal bummvoll mit Publikum war. Dieser eine Tisch, die dort Sitzenden, die mir noch dazu aufgrund der Sitzanordnung alle den Rücken zudrehten, und ich – wir routierten also gemeinsam in luftiger Höhe um die Achse des Donauturms während der Rest des Firmenpublikums mich nur über Lautsprecher hörte“, schmunzelt der Kabarettist. „Das war mir dann doch etwas zu viel und ich brach die Veranstaltung ab. Das hatte ja keinen Sinn. Glücklicherweise hatten die Firmenverantwortlichen dafür Verständnis“.
Pizzeras Verlustängste abseits der Bühne Zwischen 150 und 180 Vorstellungen spiele er jährlich. Die meisten sind hoffnungslos ausverkauft. Im Sommer mache er dann wochenlang blau: „Ich fahre nach Kreta und genieße das Leben“. Aber nach einiger Zeit plagten ihn schon wieder „Verlustängste“. „Mich zieht es dann magnetisch zurück auf die Bühne.“ Da fühle er sich wirklich wohl. Wer Pizzera in seinem neuen Programm beobachtete, glaubt ihm das aufs Wort. Und wer Paul Pizzera am 21. Mai im Kulturhaus Wagram versäumte, hat in der Region St. Pölten am 22. Oktober im Altlengbacher Hotel Steinberger erneut die Möglichkeit den Künstler in seinem Programm „Sex, Drugs und Klei“n“kunst“ zu erleben.
>> FOTOSERIE IN KÜRZE HIER <<Programmbeschreibung: Paul Pizzera, der Senkrechtstarter der österreichischen Kabarettszene, holt mit „Sex, Drugs & Klei“n“Kunst“ sein zweites Eisen aus dem Feuer! Seine Liebe ist die Bühne, seine Droge die Musik, die Kleinkunst sein Leben. “Der neue Steirerstern am Kabaretthimmel“ (Kleine Zeitung) macht das, was er am besten kann: Stadionrock! Und wie? Vom Feinsten!!! Sex, Drugs & Klein“n“Kunst ist ein stagedive (ugs.: Bauchfleck) in das Leben eines Jungen, der nie erwachsen werden will. Traumhaft einfach und einfach verträumt stolpert Paul durch die nie enden wollenden Hürden des täglichen Lebens. Sei es die Kinderarbeit im Jungscharlager oder als Unschuld vom Land in der Stadt die große Liebe zu finden. Kein first-world-problem ist ihm zu klein, um nicht daran zu scheitern. Bewaffnet mit E-Gitarre, spitzer Feder und einer Überdosis Selbstironie ist er bereit sich und sein Leben zu entwaffnen. Alles aus Liebe und für den Rock“n“Roll lautet die Devise. Und wie immer gilt: Alles zu geben, bis der Vorhang fällt! Tickets und mehr:
www.bestmanagement.at
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