Samariter dreht wissenschaftliche Dokumentationen für den ORF III
ST. PÖLTEN. Tobias Seidler ist seit seinem Zivildienst im Jahr 2005 Mitglied des Samariterbunds St. Pölten. Freiberuflich arbeitet der selbstständig Tätige bei der Filmproduktionsfirma WMA Film, mit der er Dokumentationen für die ORF-III-Eigenproduktion „Treffpunkt Medizin“ dreht.

Seidler kam durch Markus Voglauer, den Obmann des Samariterbunds St. Pölten und Geschäftsführer und Eigentümer von WMA Film, zur Filmproduktion. Vorher studierte der 30-Jährige Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Wien. Seidlers erste Dokumentation für Treffpunkt Medizin hieß „Zwischen Himmel und Erde: Flugretter im Einsatz“, die heuer Ende Juni ausgestrahlt wurde. Die Kamera begleitete Markus Voglauer bei der knallharten Ausbildung zum Flugretter, die im Herbst 2014 begann. Die Dreharbeiten waren für Seidler sehr stressig. „Die Doku wurde nur unter der Bedingung, dass Voglauer die Ausbildung auch schaffte, ausgestrahlt“, erinnert er sich. Gleichzeitig war es sein erstes Filmprojekt, das noch dazu mit über 50 Drehtagen und Schnittarbeiten von eineinhalb Monaten äußerst umfangreich wurde.
Zuseher sollen sich mit den Betroffenen identifizieren
Bisher hat Seidler für Treffpunkt Medizin vier Dokumentationen produziert. Neben „Zwischen Himmel und Erde: Flugretter im Einsatz“ drehte er auch die Dokus „Klug und schön im Schlaf“, bei der es um den gesundheitlichen und psychologischen Effekt des Schlafes geht, „Wollen wir dieses Kind?“, die das umstrittene Thema der Präimplantationsdiagnostik behandelt, und „Fehlerfreie Medizin“, die einen Einblick in das Training von Rettungs- und medizinischem Personal gibt. Der Zeitaufwand für eine Doku beträgt zwei bis drei Monate. Die Themen werden jedes Jahr von der ORF-III-Redaktion vorgegeben und an die Redakteure verteilt. Seidler hat bei seinen Projekten die gesamte Planung und Gestaltung der Produktion über. Nach Erhalt des Auftrags geht es ans Recherchieren und an die Suche von Interviewpartnern. Dabei kommen nicht nur Experten aus dem jeweiligen Fachgebiet zu Wort, sondern auch Patienten und Betroffene. „Der Zuschauer muss auch die andere Seite kennen lernen, damit er sich besser identifizieren kann“, erklärt Seidler, der außerdem für die Disposition des Kamerateams zuständig ist. Dieses besteht üblicherweise aus ihm, einem Kameramann und einem Audio Operator (kümmert sich um Ton und Beleuchtung).
Kürzen ist grausam, aber notwendig
Die Dreharbeiten für eine Dokumentation dauern etwa sieben Tage. Anders als in der Filmbranche geht man nicht nach einem strikten Drehbuch vor, sondern es wird viel mehr Wert auf Authentizität gelegt. Nach Beendigung der Dreharbeiten wird das gesamte vorhandene Bildmaterial geschnitten, was noch einmal rund eine Woche in Anspruch nimmt. „Am Ende hat man meistens eine 60- Minuten-Version und muss radikal auf 45 Minuten kürzen. Das ist grausam, aber im Endeffekt gut, weil die Doku kompakter wird“, sagt Seidler. Nach dem Schnitt wird die Doku an den ORF geschickt, bei Bedarf nachbearbeitet und anschließend ausgestrahlt.
Kabarett in der Freizeit
Derzeit arbeitet Tobias Seidler an der Postproduktion einer neuen Doku, die im Oktober erscheint. Dabei geht es um die Informationsflut im Internet, in dem zu medizinischen Themen viele Falschinformationen kursieren, was Ärzte vor große Herausforderungen stellt. Geplant ist auch eine Doku zum Thema Schilddrüse, die im Dezember ausgestrahlt wird. Neben der Arbeit an den Projekten für Treffpunkt Medizin arbeitet Seidler mit zwei Freunden an einem klassischen Kabarettprogramm namens Ernst mit Umgeher, bei dem Seidler für das Programm, das Schreiben und die Regie zuständig ist.


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