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Clowndoctors im Landespflegeheim: „Wir schenken schöne Momente, das ist unsere Hauptaufgabe“

Thomas Lettner, 20.10.2016 09:00

ST. PÖLTEN. Die Clowndoctors der Roten Nasen sind seit ihrer Gründung im Jahr 1994 in Spitälern, sonder- und heilpädagogischen Einrichtungen sowie in Geriatrie- und Rehazentren unterwegs, um Kindern und Erwachsenen zu helfen, schwierige Lebenssituationen zu meistern. Auch dem Landespflegeheim St. Pölten/Haus an der Traisen statten sie seit 2012 regelmäßig Besuche ab.

  1 / 3   Die Clowndoctors Dr. Rudi Rucola (2. v. l.) und Hubert spielen zwei Bewohnern des Landespflegeheims ein Ständchen. Fotos: Thomas Lettner

Jeden zweiten Dienstag kommen Hubert und sein italienischer Cousin Dr. Rudi Rucola auf die Stationen 2 und 4 des Landespflegeheims, um mit den Bewohnern alte Lieder zu singen, zu plaudern, zu dichten, ihne Zaubertricks vorzuführen oder einfach nur, um mit ihnen Zeit zu verbringen. Hubert, der im bürgerlichen Leben Andreas Moldaschl heißt und freischaffender Schauspieler ist, besucht regelmäßig auch eine orthopädische Kinderklinik in Wien. Die Unterschiede zur Clown-Arbeit mit Senioren sind signifikant, weswegen es für einen Clowndoctor sehr wichtig ist, vielseitig zu sein und spontan auf unvorhergesehene Situationen eingehen zu können. „Die Kinder sagen meistens „Ma seid ihr lustig“, die Senioren sagen „Ma seid ihr schön“. Die Arbeit mit Senioren ist ein bisschen mit einer Zeitreise vergleichbar, man holt sie in der Vergangenheit ab“, erklärt Hubert. So werden mit den Bewohnern des Landespflegeheims Kinderlieder oder alte Schlager gesungen, die schicke Clown-Kleidung soll an ein Sonntagsgewand erinnern. Auch das Flirten mit den Bewohnerinnen gehört dazu. Bei der Arbeit mit Kindern sind hingegen eher aktuelle Hits angesagt. Ein direkter Blickkontakt erschreckt sie meistens, weshalb die Handpuppe Egon zum Einsatz kommt und hilft, Ängste zu lösen.

Senioren als Bühnenstars

Vor ihrem „Dienstantritt“ holen Hubert und Dr. Rudi Rucola beim Personal des Landespflegeheims neue Informationen ein. Dabei erkundigen sie sich beispielsweise über neue Bewohner, über ihre Herkunft und ob es Angehörige gibt. Um bei den zweiwöchentlichen Besuchen für Abwechslung zu sorgen, veranstalten die beiden ab und zu Thementage. „Wir hatten einmal das Thema Bademode im Winter oder Weihnachtsmann im Sommer“, sagt Dr. Rudi Rucola, der eigentlich Massimo Rizzo heißt und wie Kollege Moldaschl hauptberuflich Schauspieler ist. Einmal pro Jahr steht ein Varietétheater auf dem Programm, wobei mit interessierten Bewohnern eine Bühnenshow einstudiert wird. Diese wird anschließend vor dem Personal und Angehörigen präsentiert. „Die Bewohner werden zu Bühnenstars und treten als stärkster Mann, als stärkste Frau oder als Fakir auf. Sie blühen dabei auf wie Kinder. Nach der Show gibt es sogar eine Autogrammstunde“, berichtet Hubert.

Der beste Beruf der Welt

Die Anwesenheit der Clowndoctors wird von den Mitarbeitern des Landespflegeheims und im Krankenhaus üblicherweise geschätzt. „Es herrschen oft strenge Hierarchien, Druck und Stress, da kann man als Clown etwas bewirken. Manchmal setzen sich die Schwestern auch zu uns, wünschen sich ein Lied und setzen ihre Arbeit dann mit besserer Stimmung fort“, erzählt er. Das heißt jedoch nicht, dass die Clowndoctors ihr Umfeld auch immer zum Lachen bringen müssen. „Unsere Aufgabe ist es, schöne Momente zu schenken. Wenn gelacht wird, ist es super, aber es ist nicht die Hauptsache“, sagt Dr. Rudi Rucola, dem das Schenken schöner Momente sichtlich viel bedeutet, „Clowndoctor ist der beste Beruf der Welt“, ist er sich sicher.


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