Wir alle und ein paar mehr: Trommeln hat meditativen Charakter
ST. PÖLTEN. Die Trommel ist eines der ältesten Musikinstrumente der Menschheit und wurde im Laufe ihrer Geschichte beispielsweise in verschiedenen Religionen, in der Signalübermittlung oder beim Militär eingesetzt. Für Siegfried Schuster, Mitglied der Trommlergruppe „Wir alle und ein paar mehr“, ist es vor allem der meditative Charakter der Trommel, der ihren Reiz ausmacht.

Mit „Wir alle und ein paar mehr“ trat Siegfried Schuster schon am Adventmarkt in Mank, bei Benefizveranstaltungen oder zuletzt bei der ÖGB-Landesfrauenkonferenz in St. Pölten auf. Einige Jahre weihte der 44-Jährige auch die Kinder des Schülerhorts in seiner Heimatgemeinde St. Georgen am Steinfelde in die Kunst des Trommelns ein und trat mit ihnen am ortsansässigen Kirtag auf. „Trommeln holt einen einfach herunter“, sagt Schuster, der sich vor 18 Jahren sein erstes Instrument in einem Afrikageschäft kaufte. Bei Kurt Josef Kickinger im Dunkelsteinerwald (Bezirk Melk) lernte er, richtig damit umzugehen und Rhythmen zu erzeugen.
Fell von „Monddachsen“ hat besondere Kraft
Kickinger verband die für die Trommeln benutzten Felle mit der Lehre der Chakren, den aus dem Yoga oder der Esoterik bekannten Energiezentren des Menschen. „Es gibt sieben Hauptchakren. Wildschwein- und Dachsfelle beeinflussen die unteren Chakren, Reh und Hirsch den Halsbereich, Ziegenfell wiederum das Kopfchakra“, erzählt Schuster, der zwei Dachs-, zwei Hirsch- und eine Ziegenfelltrommel besitzt. Auch Ziegenbock gefällt dem ÖBB-Mitarbeiter von der Klangfarbe her sehr, hat jedoch unangenehme Eigenschaften. „Ziegenbock stinkt furchtbar. Man glaubt, man geht in einen Goaßstoi“, so Schuster. Etwas ganz Besonderes ist sein „Monddachs“, also das Fell eines Dachses, der in einer Vollmondnacht sein Leben lassen musste, was für Schamanen ein Quell besonderer Kraft ist.
Afrikaner haben Rhythmus im Blut
Nach einer sechsjährigen Pause spielte Schuster alle zwei Wochen in einer Trommelgruppe in St. Margarethen. Diese nannte sich anfangs „Wir alle“, wurde aber, nachdem sie immer mehr Zuwachs bekam, schließlich in „Wir alle und noch ein paar mehr“ umbenannt. Heute treffen sich die rund zehn Mitglieder alle drei Wochen im Gebäude des Roten Kreuzes in Ober-Grafendorf, wobei die Gruppe meist in Anfänger und Fortgeschrittene aufgeteilt ist. Getrommelt wird dabei nach Noten, die aber nicht den klassischen entsprechen. „Bei den Trommelnoten gibt es nur den leeren Schlag, den Schlag in der Mitte oder außen“, berichtet Schuster. Die drei Hauptschlagtechniken sind der Bass, bei dem in die Mitte der Trommel geschlagen wird, Open (mit der flachen Hand am Trommelrand) und Slap (Schlag aus dem Handgelenk auf den Trommelrand). Der Rhythmus ergibt sich dann aus der Kombination an Schlägen und Leerschlägen. „Beim Trommeln selbst gibt es mehrere Möglichkeiten. Die Afrikaner trommeln aus dem Bauch heraus, machen das mit Gespür und es horcht sich nach etwas an. Wir Europäer sind so gestrickt, dass wir für alles einen Plan brauchen“, sagt Schuster, der sich auch mit der Kultur der Indianer beschäftigte und deren Naturverbundenheit und Umgang mit Menschen schätzt, anerkennend.


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