Von FH St. Pölten geleitetes Projekt vergleicht die Kompatibilität von Software-Lizenzen
ST. PÖLTEN. Daten und Software stehen im Internet heutzutage massenhaft und kostenlos zur Verfügung. Wollen Entwickler daraus neue Produkte oder Dienste basteln, müssen sie die jeweiligen Nutzungsrechte beachten. Auf Informationstechnologie (IT) spezialisierte Rechtsanwälte benötigen oft Tage, um die rechtmäßige Nutzung offener Daten und Software zu klären. Ein von der FH St. Pölten geleitetes Projekt soll diese Aufgabe zukünftig erleichtern.

Das seit November 2016 laufende Projekt fällt unter die Bezeichnung „Dienstleistung 4.0“. Darunter versteht man Dienstleistungen, die erst durch den Einsatz digitaler Technologien möglich werden. Initiiert wurde das Projekt von Tassilo Pellegrini, Professor am Department Wirtschaft und Medien an der FH St. Pölten.
Lizenzen müssen miteinander kompatibel sein
„Einerseits ist es technologisch sehr leicht, Daten und Softwarekomponenten zusammenzuführen, andererseits muss man sich die Frage stellen, ob man das überhaupt darf. Das Ziel ist es, eine Applikation zu entwickeln, die dabei hilft, Lizenzen zu entdecken, zu vergleichen und zu schauen, ob sie miteinander kompatibel sind“, erklärt der 42-Jährige.
Partner in ganz Österreich
Unter der Leitung von Pellegrini arbeitet die FH St. Pölten gemeinsam mit dem Institut für Informatik der Wirtschaftsuniversität Wien, dem Semantic Technology Institute der Universität Innsbruck sowie mit der auf IT-Recht spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei Höhne, In der Maur & Partner zusammen. Die in Wien ansässige Semantic Web Company wird die Software entwickeln und helfen, sie zu vermarkten.
Erster Prototyp erscheint voraussichtlich heuer
Das von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) unterstützte Projekt läuft bis Oktober 2018 und fördert Projekte, die besonders zukunftsträchtig sind. Voraussichtlich noch Ende dieses Jahr soll der erste Prototyp erscheinen.
Die Maschine ersetzt nicht den Menschen
Grundsätzlich sei die dem Projekt zugrunde liegende Idee nicht neu, erklärt Pellegrini. Im Gegensatz zu Vorgängerprojekten seien aber nicht nur Techniker an der Lösung des Problems beteiligt, sondern es werden zum ersten Mal Rechtsexperten mit ins Boot geholt. „Der zweite Unterschied ist, dass eine Lösung des Lizenz-Problems in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden ist, da immer strenger darauf geachtet wird, ob bei einer neu am Markt erschienenen Anwendung die rechtlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden“, so der FH-Dozent.
Tool macht Rechtsanwälte nicht überflüssig
Das System wirdim ersten Schritt dazu fähig sein, englischsprachige und deutsche Lizenztexte zu analysieren und sie nach rechtlich relevanten Sachverhalten zu überprüfen. So soll es beispielsweise erkennen, ob Daten oder Software für kommerzielle oder nur für nicht kommerzielle Zwecke verwendet, ob sie weiterverbreitet, verändert oder mit anderen Komponenten kombiniert werden dürfen. Die Gefahr, dass das System Rechtsanwälte überflüssig machen könnte, bestehe jedoch nicht. „Es geht lediglich darum, dem Rechtsanwalt oder dem Entwickler ein Tool in die Hand zu geben, das ihn bei der Rechteklärung unterstützt“, meint Pellegrini. Die Lösung des Problems bleibe aber weiterhin dem Experten überlassen.
Glossar:
Offene Daten / Offene Software: Immer öfter werden Daten oder Software mittels „offener Lizenzen“ verfügbar gemacht. Dies hat den Vorteil, dass Dritte diese gemäß den Lizenzbedingungen verwenden können, ohne mit dem Urheber Rücksprache halten zu müssen.
Semantic Web / semantische Technologien: Überbegriff für Methoden und Technologien aus der künstlichen Intelligenz, die es einem Computer ermöglichen, die Bedeutung eines Textes, Bildes oder Videos zu „verstehen“.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden