St. Pölten wird zur Reformationsstadt erhoben
ST. PÖLTEN. Mit Martin Luthers Thesenanschlag im Jahr 1517 begann die Reformation. Das 500-Jahr-Jubiläum wird von den drei Evangelischen Kirchen in Österreich (Kirche A.B., Kirche H.B. und Evangelisch-methodistische Kirche) gefeiert. Um darauf aufmerksam gemacht werden, wie die Reformation auch die Geschichte der Stadt St. Pölten beeinflusst hat, wird St. Pölten 2017 zur Reformationsstadt erhoben.

500 Jahre ist es bald her, dass Martin Luther in Wittenberg (Deutschland) seine 95 Thesen anschlug, um gegen den Ablasshandel der katholischen Kirche zu protestieren.
„Auf der Grundlage ihres Glaubens leisten die Evangelischen einen wichtigen Beitrag zum friedlichen und gerechten Zusammenleben. Sie wollen mit dem Jubiläum „500 Jahre Reformation“ das Interesse an Geschichte und Leben der Evangelischen in Österreich wecken und sichtbar machen, was Evangelische für Österreich in allen gesellschaftlichen Bereichen beigetragen haben und heute beitragen“, erklärt Superintendent Lars Müller-Marienburg und verweist auf die enge Verbundenheit des evangelischen Glaubens mit Freiheit und Verantwortung für die Welt und für den Nächsten.
Vorgeschichte zur Reformation
Im Mittelalter rebellierten zahlreiche Theologen gegen eine ihrer Ansicht nach moralisch verkommene Kirche. Petrus Waldes, Franz von Assisi, John Wyclif, Jan Hus, Martin Luther, Huldrych Zwingli sind nur einige von ihnen. Sie wollten, dass Priester und Bischöfe wieder predigen, was in der Bibel steht, und dass sie den Menschen im Geist der Bibel helfen – statt ihre seelische Not durch den Verkauf von Ablassbriefen auszubeuten. Die Reformatoren wollten keine neue Kirche, sie wollten die Christen an ihre Ursprünge erinnern.
Die Geschichte der Reformation in St. Pölten
Ab dem Jahre 1522 begann sich der reformatorische Geist in der Stadt zu regen. Die Reformation verbreitete sich in St. Pölten zum einen durch Händler, die Druckwerke mit reformatorischen Inhalten feilboten, aber auch über die umliegenden Adelshäuser, die zum Großteil Anhänger der Reformation waren. Für Schlosskirchen stellten sie protestantische Prädikanten an, zu deren Predigten neben den ansässigen Dorfbewohnern auch Bürger der Stadt St. Pölten kamen. Hier sei nur exemplarisch Schloss Viehofen unter der Herrschaft der Kirchberg erwähnt. Die Viehofener Schlosskapelle wurde zum Anziehungspunkt vieler St. Pöltner Bürger. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurden 90 Prozent der Bevölkerung evangelisch. Dass sich die Stadt der lutherischen Lehre so rasch und umfassend anschloss, hing auch mit dem seit Jahrhunderten andauernden Konflikt zwischen dem Chorherrenstift und der Stadt zusammen. Wie die Reformation vonstatten ging, lässt sich im Einzelnen nicht mehr verifizieren, da die Ratsprotokolle des entscheidenden Zeitraums (1555 bis 1600) nicht mehr vorhanden sind.
Der gesamte Stadtrat in St. Pölten wurde evangelisch. Die erste weltliche Schule war wahrscheinlich eine protestantische Gründung. Die äußere Form des Rathauses geht auf die evangelische Stadtregierung zurück. Auch das im Stadtmuseum ausgestellte Stadtrichterschwert geht auf die Zeit des evangelischen Stadtrates und Stadtrichters zurück. 1576 setzte mit Kaiser Rudolf II. die Gegenreformation ein. Im Jahre 1624 war die Gegenreformation so gut wie abgeschlossen. Wer nicht zum katholischen Glauben konvertierte und als Beweis einen Beichtzettel vorlegen konnte, musste die Stadt und in Folge das Gebiet der Habsburger verlassen.
Veranstaltungen zu St. Pölten anlässlich „500 Jahre Reformation“
- 24. Jänner, 13–17 Uhr: Sonderpostamt anlässlich 500 Jahre Reformation (siehe Beilage), Rathaus St. Pölten, Veranstalter: BSV St. Pölten und BSV St. Veit
- 24. Jänner, 18 Uhr: Ernennung der Stadt St. Pölten zur „Reformationsstadt Europas“, Rathaus
- 2. Februar, 18 Uhr: Stadtführung mit Bürgermeister Matthias Stadler
- 24. Februar, 19 Uhr: Sakrale Bauten im öffentlichen Raum, Aus der Serie „Kamingespräche“. Mit: Prof. Efthymios Warlamis, DI Wolfgang Zehetner und DI Wolfgang Pfoser. Moderation: Dr. Maria Katharina Moser, Evangelische Kirche
- 12. März, 19 Uhr: Passionskonzert „Inspired by Luther“. Werke von Johann Sebastian Bach, Franz Tunder und Dietrich Buxtehude, Evangelische Kirche
- 6. und 7. Mai, 19 Uhr: Gemeindeseminar zum Thema „Glaube geht weiter“. Referent: Prof. Altbischof Dr. Gerhard Maier, Evangelische Kirche
- 11. Mai, 18 Uhr: Ausstellungseröffnung „Reformation in St. Pölten (1517–2017)“; Rathaus. Geöffnet bis 15. September. Veranstalter: Stadt St. Pölten
- 18. Juni, 18 Uhr: Bach und Luther – Konzert im Rahmen des Barockfestivals St. Pölten. Domchor und Domorchester St. Pölten, Dom St. Pölten. Veranstalter: Stadt und Diözese St. Pölten
- 4. Oktober, 16.30 Uhr: „Luther“ – Film von 2003; im Anschluss Diskussion mit Dr. Rotraud Perner und Superintendent Mag. Lars Müller-Marienburg, Cinema Paradiso, Rathausplatz 14. Veranstalter: Evangelische Militärseelsorge in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Soldaten NÖ und der Ev. Pfarrgemeinde St. Pölten
- 21. Oktober, 19.00 Uhr: Konzert „Urknall und Sternenstaub“ mit Clemens Bittlinger. Eine spannende Begegnung von Glaube und Naturwissenschaft, Evangelische Kirche
- 29. Oktober, 19 Uhr: Reformationskonzert „Ein feste Burg“ - Werke von Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach, Evangelische Kirche
- 17. Dezember, 19 Uhr: „Magnificat“ - Werke von Johann Sebastian Bach, Evangelische Kirche
- Die Stadt bietet ab Februar spezielle Stadtführungen zum Thema „500 Jahre Reformation in St. Pölten“ an (Nähere Informationen ab Jänner 2017 im Tourismusbüro im Rathaus). Veranstalter ist, wenn nicht anders angegeben, die Evangelische Pfarrgemeinde St. Pölten.


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