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Guarantee on Tomorrow - Der lange Weg aus Krieg und Flucht bis zum Anfänger-Deutschkurs

Thomas Lettner, 22.03.2017 20:00

ST. PÖLTEN. Wir schreiben September 2015, die Zeit der großen Flüchtlingswellen nach Europa. Viele Schutzsuchende sitzen in benachbarten Ländern unter teils schlechten Bedingungen und ohne Erstversorgung fest. Doch es gibt Privatpersonen, die helfen wollen, und sich dafür in Vereinen organisieren.

Dominik Paireder (Mitte) rief Guarantee on Tomorrow 2015 ins Leben. Fotos: Guarantee on Tomorrow
  1 / 2   Dominik Paireder (Mitte) rief Guarantee on Tomorrow 2015 ins Leben. Fotos: Guarantee on Tomorrow

Im August 2015 nahm der St. Pöltner Dominik Paireder in seiner Privatwohnung einen Asylwerber aus dem Irak auf, da das Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen hoffnungslos überfüllt war. Als Flüchtlinge einige Tage später ohne jegliche Versorgung am Bahnhof St. Pölten ankamen, tauschte Paireder mit anderen Helfern Kontaktadressen aus. Kurz darauf brachen fünf Kleinbusse Richtung Ungarn auf, eine Woche später wurde ein weiterer Konvoi zur ungarisch-serbischen Grenze aufgestellt, um die Flüchtlinge dort erstzuversorgen.

Hilfe über das Internet

Um die Hilfseinsätze koordinieren zu können und den Helfern eine geschlossen agierende Plattform zu bieten, gründete Paireder daraufhin den Verein „Guarantee on Tomorrow„ (Garantie auf Morgen). „Dominik entwickelte gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern ein Zelt (Emergency Tent). So mussten die Menschen nicht mehr im Dreck liegen“, erzählt Nadine Rohlik, Paireders Stellvertreterin. Die ersten Zelte wurden in einer Flüchtlingsunterkunft in Kroatien aufgestellt, weitere daraufhin in Griechenland – Guarantee on Tomorrow hatte seine ersten Schritte im Dienste der Menschlichkeit getan. Da die Situation der Unterbringung aufgrund der anhaltenden Flüchtlingsströme bald nicht mehr zu bewerkstelligen war, rief Paireder das Projekt „Bed and Breakfast“ (Bett und Frühstück) ins Leben. Hilfsbereite Bürger konnten sich über ein Internet-Portal anmelden und erklärten sich bereit, Flüchtlinge für 72 Stunden als Überbrückung bis zur offiziellen Anmeldung bei der Gemeinde in ihrem Heim aufzunehmen. „Von Oktober bis Dezember 2015 sind so 280 Personen untergebracht worden, die sonst auf der Straße gestanden wären“, erzählt Rohlik. Ein ähnliches Projekt des Vereins nennt sich „Taxi for Tomorrow“, ein Portal, bei dem sich Bürger bereit erklären, Flüchtlinge beispielsweise zu den Gesundheitschecks nach Traiskirchen oder in die Landes-Notquartiere in Maria Enzersdorf und ins Helenental zu bringen.

Integration hat nun Priorität

Als im Jänner 2016 nach der Ostbalkanroute auch die Westbalkanroute geschlossen wurde und nicht mehr viele Flüchtlinge nach Österreich kamen, waren sich die Mitglieder von Guarantee on Tomorrow einig, dass nun die Integration der Neuankömmlinge beginnen müsse. „Wir haben mit Deutschkursen angefangen und gemeinsam mit einem Syrer, der Deutsch studiert hatte, ein Deutschbuch entwickelt“, sagt Rohlik. Die Kurse sind für alle Personen da, die noch im laufendem Asylverfahren sind, aber keinen Anspruch auf einen staatlich geförderten Kurs haben. Mittlerweile ist der erste Anfängerkurs, an dem sich 17 ehrenamtliche Lehrer beteiligten, zu Ende, ein Fortgeschrittenenkurs steht schon in den Startlöchern. Die Kursteilnehmer kommen aus Ländern wie dem Irak, Kurdistan, Georgien, Tschetschenien oder Syrien. Schwierig war anfangs, dass viele der Flüchtlinge zuerst alphabetisiert werden mussten, was an der fremden Schrift lag oder weil sie in ihrem Heimatland keine Schule besuchen durften. „Die Nachfrage nach den Kursen ist extrem“, berichtet Rohlik und bittet Freiwillige, sich als Deutschlehrer (siehe Infobox) zu melden.

Anfeindungen gehören dazu

Im Sinne der Integration startete Guarantee on Tomorrow voriges Jahr auch einen Kräuterworkshop und eine Fahrradwerkstatt im Sonnenpark. „Ganz aktuell ist die Märchenstunde, bei der wir den Kindern vorlesen und ihnen die Geschichten spielerisch vorstellen“, so Rohlik. Natürlich stößt ein Engagement für Flüchtlinge nicht nur auf Gegenliebe in der Bevölkerung. „Dominik wurde schon zwei Mal der Außenspiegel runtergetreten, einmal wurden ihm sogar die Reifen aufgestochen“, erzählt Rohlik, die selbst schon oft für ihre Tätigkeit beim Verein angefeindet wurde. „Da muss man drüber stehen“, sagt die 30-jährige Loosdorferin.

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