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Bergrettung: Immer mehr Alpin-Unfälle wegen Selbstüberschätzung und mangelnder Erfahrung

Thomas Lettner, 01.12.2017 12:15

ST. PÖLTEN. Landeshauptfrau-Stellvertreter Karin Renner (SPÖ) und Matthias Cernusca, Leiter der Landesorganisation Niederösterreich/Wien des Österreichischen Bergrettungsdiensts, hielten gestern in einer Pressekonferenz Bilanz über das vergangene Jahr und erwähnten zukünftige Herausforderungen der Bergrettung. 

Die Mitglieder der Bergrettung nehmen bei den Einsätzen oft die Gefährdung der eigenen Person in Kauf. Symbolfoto: Wodicka

Der Bergrettungsdienst Landesorganisation Niederösterreich/Wien verfügt über eine Mannschaftsstärke von circa 1350 Männern und Frauen. Mit 9,3 Prozent hat die Organisation den höchsten Frauenanteil bundesweit. Jährlich werden 124.000 Arbeitsstunden geleistet mit einer Wertschöpfung von zehn Millionen Euro.

Heuer schon mehr Einsätze als 2016

2016 wurde die Bergrettung zu insgesamt 600 Einsätzen alarmiert. Heuer wurden bereits im Oktober 600 Personen aus alpinen Notlagen gerettet, wovon sechs nur mehr tot geborgen werden konnten. „Von Jänner bis März dieses Jahres war die Eissituation in den Eisfällen der Ötschergräben sehr gut, was viele Eiskletterer anlockte. Dabei kam es zu drei dramatischen Unfällen, von denen einer tödlich endete“, berichtet Cernusca.

Viele bringen sich selbst in Gefahr

Die steigende Anzahl an Unfällen liegt für Cernusca an dem Übergang von ehemaligen Extremsportarten zu Trendsportarten. So würden mittlerweile sehr viele Personen, die zwar gut ausgerüstet sind, aber über zu wenig Erfahrung verfügen, Sportarten wie Schitourengehen, Schneeschuhwandern, Canyoning, Moutainbiken, Paragleiten oder Eisklettern betreiben. Durch Selbstüberschätzung, Abenteuerlust und die „Vollkasko-Mentalität“ (Sportler verlassen sich auf die Bergrettung) bringen sich viele in Gefahr, wodurch es vermehrt zu Unfällen kommt.

„Wir sind keine Selbstmörder“

Die Mitglieder der Bergrettung nehmen bei den Einsätzen oft die Gefährdung der eigenen Person in Kauf. Meistens erfolgt die Alarmierung erst bei Einbruch der Dunkelheit, was die Einsätze zusätzlich erschwert. Bei zu großer Gefahr in Verzug hat der Einsatzleiter das Recht, den Einsatz abzubrechen. „Wir sind keine Selbstmörder“, so Cernusca.

Investition in Ausbildung, Infrastruktur und Nachwuchs

Ein Schwerpunkt der Bergrettung liegt 2018 in Investitionen in die bestmögliche Ausbildung, wobei Übungen in den oben genannten Trendsportarten sowie gebietsübergreifendes Training eingebaut werden. Investiert wird auch in Infrastruktur und Ausrüstung sowie in den Nachwuchs.


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