SKN-Coach Jochen Fallmann spricht im Tips-Interview über den „Sir“, Mattersburg und die Zukunft
ST. PÖLTEN. Nach der Beurlaubung von Karl Daxbacher lenken Jochen Fallmann und Thomas Nentwich interimistisch bis zur Winterpause die Geschicke des SKN St. Pölten. Tips sprach mit Fallmann über die nahe Zukunft des Vereins.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das Spiel gegen Mattersburg?
Wir schauen, dass wir die Dinge, die wir trainieren, umsetzen können. Ich erwarte mir, dass die Mannschaft wieder so auftritt wie in den letzten drei Partien. Wenn sie das macht, haben wir gute Chancen auf Erfolg.
Wie viele Punkte erwarten Sie sich aus den letzten sechs Partien?
Ich habe mir noch keine Gedanken darüber gemacht. Mein Zugang ist, dass die Spieler so auftreten, wie ich es mir wünsche, und sie mit Herz, Einsatz und Leidenschaft spielen. Wenn wir so weitermachen, werden wir schon noch den einen oder anderen Punkt machen.
Was machen Sie anders als Ihr Vorgänger?
Ich kann nur sagen was ich tue. Das heißt aber nicht, dass ich etwas anders mache. Für mich steht im Vordergrund, jeden Spieler so zu nehmen wie er ist, seine Stärken zu sehen und an seinen Schwächen zu arbeiten. Ich glaube, dass ich ein Trainer bin, der sehr viel Wert auf Gruppendynamik legt.
Die SKN-Fans sehen die Verantwortung für den aktuellen Tabellenstand nicht bei Hr. Daxbacher, sondern eher bei Hr. Schinkels. Wie sehen Sie das?
Das ist eine Frage, die jeder selbst für sich beantworten muss.
Wie sehen Sie die Beurlaubung von Herrn Daxbacher?
Ich habe mit Karl immer gut zusammengearbeitet und mich gut mit ihm ausgetauscht. Es liegt immer am Cheftrainer selber, wie er mit der Situation umgeht. Sonst möchte ich nichts dazu sagen. Wir haben uns ausgemacht, dass das Thema erledigt ist.
Sehen Sie es auch so, dass die Qualität des Kaders nicht bundesligatauglich ist wie Hr. Daxbacher gemeint hat?
Ich glaube, dass wir dieselbe Qualität haben wie viereinhalb andere Mannschaften in der Liga. Es gilt daran zu arbeiten, so viele Mannschaften wie möglich hinter sich zu lassen. Wir haben sicher nicht die Qualität der Top-Viereinhalb, aber bei den anderen viereinhalb kann unser Kader mithalten. Ich glaube, wenn man gut arbeitet, ist Platz sechs drinnen. Wenn man nicht so gut arbeitet, ist man bei Mannschaften mit gleicher Qualität eben Letzter.
Werden Sie nicht nur bis zum Winter, sondern darüber hinaus Trainer des SKN bleiben?
Ich möchte mich hier an einen Trainerkollegen von Gladbach anschließen, der gesagt hat, dass alle Trainer Interimstrainer sind. Es gibt sehr wenige, die auf eine längere Zeitspanne als Trainer zurückblicken können. Ich arbeite bis Winter so, dass ich alles Menschenmögliche 24 Stunden am Tag versuche, um die Mannschaft so vorzubereiten, dass wir gute Chancen haben, Spiele zu gewinnen. Was im Winter dann ist, darüber mache ich mir jetzt noch keine Gedanken.
Würden Sie, wenn Sie als Cheftrainer aufhören würden und man Ihnen das Angebot machen würde, wieder zu den Juniors zurückkehren?
Nein.
Sie waren bei den Juniors Tabellenletzter. Ist es nicht etwas voreilig, dass manche in Ihnen jetzt einen Heilsbringer sehen?
Die Frage ist sehr oberflächlich gestellt. Ich bin vor ein paar Jahren zu den SKN Juniors als Spielertrainer zurückgekehrt und wir sind dann in die Regionalliga aufgestiegen. Darauf habe ich die Juniors auf einem Mittelfeldplatz übergeben und bin Trainer der Profis geworden in einer ähnlichen Situation in der zweiten Liga. Wir haben klar und souverän den Klassenerhalt geschafft. Dann bin ich unter Karl Daxbacher Co-Trainer geworden und habe meinen Beitrag geleistet, Karl so weit zu unterstützen, dass er die Möglichkeit hatte, mit der Mannschaft als Cheftrainer aufzusteigen. Ich habe dann auf Bitte des Vereins drei Runden vor meiner jetzigen Aufgabe interimsmäßig die Juniors übernommen bis Winter, weil es persönliche Probleme mit dem Trainer (Markus Sukalia Anm.d.Red.) gegeben hat. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so schnell mit den Profis geht, sonst hätte ich das nicht gemacht. Als Heilsbringer sehe ich mich nicht. Aber ich glaube schon, dass ich den Verein, die Strukturen und die Mitarbeiter sehr gut kenne, und vielleicht deswegen auch die Anpassung für mich leichter war, als wenn ich zu einem neuen Verein gekommen wäre.


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