Frenkie Schinkels: "Ich werde mich als Person nicht ändern"
ST. PÖLTEN. Seit Montag ist Frenkie Schinkels als Sportdirektor des SKN St. Pölten Geschichte. Pläne für die Zukunft hat der 54-Jährige noch nicht. Sicher ist nur, dass er sich von seinem Rauswurf nicht unterkriegen lassen und dem Fußball noch einige Jahre erhalten bleiben will. Tips sprach mit Schinkels am Telefon.

Tips:Warum hat der SKN-Vorstand beziehungsweise haben die Delegierten des SKN beschlossen, nicht mehr mit Ihnen zusammenzuarbeiten?
Schinkels: Es war keine Entscheidung der Delegierten, sondern hauptsächlich die von Herrn Gottfried Tröstl (der Präsident des SKN St. Pölten Anm. d. Red.), der seit Jänner versucht, eine andere Lösung herbeizubringen und diese auch durchgebracht hat. Er ist schon mit einer Falschmeldung in die Sitzung hineingegangen und hat gesagt, dass der ganze Sportbeirat unter Thomas Nentwich – das ist einer der wenigen, die wirklich eine Ahnung vom Fußball haben – gegen mich sei. Von dieser Entscheidung des Sportbeirats, die überhaupt nicht gestimmt hat, haben sich dann alle Chefs und Geschäftsleute beeinflussen lassen. Thomas Nentwich hat mich heute in der Früh angerufen und hat an alle strategischen Partner ein Email ausgeschickt, dass das überhaupt nicht wahr ist, dass er meine Arbeit schätzt und dass er keinen Grund gesehen hat, mich zu entfernen. Tröstl hat eben etwas gegen meine Person und hat sein Ziel mit diesem Trick erreicht. Im Fußball gibt es viele Entscheidungen, das ist kein Problem, aber so in eine Sitzung zu gehen, ist falsch. Gott sei Dank bestätigt der Sportbeirat das jetzt auch. Nichtsdestotrotz kann man die Uhr jetzt nicht mehr zurückdrehen. Ich kann mit der Entscheidung leben. Es ist schade, aber jetzt muss ich wieder etwas anderes machen.
Warum glauben Sie hat Herr Tröstl etwas gegen Sie persönlich?
Ich habe die sportlichen Entscheidungen getroffen und war vielleicht zu viel in den Medien, ich weiß es nicht. Er wollte im Winter auch Kurt Russ als Trainer, ich habe gesagt, dass kommt nicht infrage, ich plane mit Jochen Fallmann.
Es ist also zu Unstimmigkeiten und zu Interessenskonflikten zwischen Ihnen und Herrn Tröstl gekommen?
Herr Tröstl hat nie etwas zu mir gesagt, deswegen kann man auch nicht wissen, was man gut oder falsch macht.
Was werden Sie jetzt in Zukunft machen?
Kurzfristig habe ich noch keine Pläne. Ich lasse es auf mich zukommen. Zuerst kläre ich alles mit dem SKN, und dann schaue ich weiter. Ich bin mit 54 Jahren noch zu jung, um schon in Pension zu gehen. Ich will noch bis 65 Gas geben, deswegen brauche ich wieder einen Job.
Sie wollen aber schon dem Fußball treu bleiben?
Egal was ich mache, aber es muss schon mit Fußball zu tun haben, alles andere kann ich nicht. Ich glaube, ich bin in jeder Liga in Österreich Meister geworden, als Spieler, Trainer oder als Sportdirektor. Ich habe alles erlebt im Fußball, deswegen bin ich im Fußball-Geschäft auch gut aufgehoben.
Wie bewerten Sie Ihre Tätigkeit beim SKN als Sportdirektor?
Na ja, es ist ganz einfach. Die Fakten lügen nicht und auch die Tabelle nicht. Als ich gekommen bin, waren wir Drittletzter in der Sky Go Erste Liga. Wir waren damals mit einem Bein schon in der Regionalliga. Ich habe einige Entscheidungen getroffen, mit denen wir uns gerettet haben. Ich habe mit Daxbacher einen Trainer geholt, der das Zeug hat, Meister zu werden. Das hat er auch geschafft. Leider ist es dann etwas in die Hose gegangen, weil er einfach zu negativ unterwegs war. Deswegen haben wir die Reißleine ziehen müssen. Jochen Fallmann hat von der zweiten Saisonhälfte aus betrachtet dann Platz sechs erreicht einen Punkt hinter dem vierten Platz. Das hat uns gezeigt, dass wir alles richtig gemacht haben. Es geht um die Ziele, die wir uns gesetzt haben, und die erfüllt wurden. Wenn sich der Herr Tröstl im Verein weiterentwickeln will, dann glaube ich, dass er vielleicht auch den Hut nehmen sollte. Dann sollte Thomas Nentwich Präsident werden, weil der Ahnung vom Fußball hat. So bin halt ich das Opfer geworden, weil sich Tröstl weiterentwickeln will. Mit dem muss ich leben, kann ich leben und werde ich auch leben. Ich bin trotzdem SKN-Fan, mir ist der Verein schon sehr ans Herz gewachsen. Es hat sehr viel Spaß gemacht, und ich habe alle Ziele erreicht. Jetzt hoffe ich, dass mein Nachfolger diese Entwicklung fortsetzt und dass er Neues dazu beiträgt.
Sie haben als Person sehr polarisiert. Wie sind die Rückmeldungen von den Fans zu ihrem Abgang?
Die Fans sind glücklich, wenn du die Ziele erreichst, und die habe ich erreicht. Bei Herrn Daxbacher habe ich im Endeffekt Recht gehabt. Wenn die Fans mit mir nichts anfangen können, weil ich ihnen zu viel rede oder was auch immer, dann nehme ich keine Rücksicht darauf. Ich bin keiner, der sich bei den Fans einschleimen will. Die 17-jährigen Fans, die „Schinkels raus!“ gesungen haben, die könnten alle meine Kinder sein. Wenn Sie Eintritt zahlen, dürfen sie ruhig schreien, ich habe kein Problem damit. Es war gut, dass sie gegen mich geschrien haben und nicht gegen den Vorstand oder gegen die Spieler.
Was wünschen Sie dem SKN für die Zukunft?
Ich glaube, dass der SKN eine große Perspektive hat, wenn man den General Manager Andreas Blumauer, der eine tolle Arbeit macht, und den Jochen Fallmann in Ruhe arbeiten lässt. Wenn die Chemie zwischen Markus Schupp und Jochen Fallmann passt, und wenn der ein oder andere Spieler dazu kommt, sehe ich eine große Perspektive, dass man in den nächsten Jahren Bundesliga-Spiele in St. Pölten sieht. Wenn es nächste Saison schlecht läuft, dann bin ich Schuld.
Warum glauben Sie, dass Sie als Sündenbock abgestempelt werden?
Ich meine das nur zynisch, das ist einfach so. Ich glaube, dass ich der einzige in St. Pölten bin, der Meistertrainer ist, der Nationalmannschaft und Bundesliga gespielt hat, der UEFA-Cup gespielt hat und der oft Meister geworden ist. Dennoch muss man oft Kritik von Ahnungslosen einstecken, die selber in einer Bank arbeiten oder so. Das ist natürlich sehr schwierig.
Was ist eigentlich Ihre persönliche Meinung über Ihren Nachfolger Markus Schupp?
Sehr gut. Markus Schupp hat bei Bayern München gespielt, bei Sturm Graz gearbeitet und macht einen sympathischen Eindruck. Er wird seine eigenen Ideen miteinfließen lassen. Vielleicht hat er auch Ideen, wo man mit anderen Vereinen zusammenarbeiten kann. Ich habe eine hohe Meinung von ihm.
Wie ist der SKN auf Herrn Schupp gekommen?
Andreas Blumauer hat schon einmal mit Schupp gesprochen vor ein paar Wochen. Das habe ich vernommen, weil Blumauer und ich sehr offen und ehrlich miteinander gearbeitet haben. Blumauer hat auch von Herrn Tröstl den Auftrag bekommen, sich um einen Ersatz für mich umzuschauen. Blumauer ist auch nur ein Angestellter und wollte das zwar nicht, hat dann aber müssen, weil die Stimmenmehrheit für meinen Abgang war.
Sie wissen also schon seit einigen Wochen, dass Ihre Zeit beim SKN bald vorbei sein wird?
Wenn der SKN abgestiegen wäre, hätte ich damit zu 100 Prozent gerechnet. So habe ich gehofft, dass die Analyse so ausfällt, dass gute Arbeit gemacht worden ist und dass die Ziele erreicht worden sind. Ich habe deswegen gehofft, dass man zufrieden ist. In meinem Fall hatte es aber nichts mit Ergebnissen zu tun, es geht rein um die Person. So kann ich mich aber nicht mehr retten, weil ich mich als Person nicht ändern werde – nicht wegen Herrn Tröstl oder sonst wem. Ich bleibe wie ich bin.


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02.06.2017 06:06
Erbärmlich der kleine Holländer
Gott sei Dank ist der SKN diesen Clown los, denn ausser viel heisse Luft ist da nichts vorhanden. Wenn man unter Verfolgungswahn leidet und selbst nichts auf die Reihe bringt sollte man einen Arzt konsultieren. Alles Gute dem SKN unter der neuen sportlichen Leitung übernehmen mit Schinkels ins Bierzelt!