Staub und Lärm in der Josefstraße ärgert Wirtschaft und Bürger
ST. PÖLTEN. Während die Bauarbeiten zum „Kanale Grande“ – wie der „rathäusliche“ Medienservice die Abwasserentsorgung in Ratzersdorf bezeichnet, fertig gestellt ist, geht es in der Josefstraße munter weiter. „Bei uns wird seit bereits seit sechs Jahren herumgedocktert“, hört man von einigen Wirtschaftstreibenden hierorts klagen.

„Einmal wird die Straße aufgerissen, dann wieder zugeschüttet, im nächsten Jahr wieder aufgerissen und danach wieder zugeschüttet“, so betroffene Unternehmer und Anrainer. Das sei eine enorme Beeinträchtigung für die hier ansässigen Kleinunternehmen und wohnende Menschen, heißt es recht einmütig aus der Josefstraße. Man sei darauf angewiesen, dass Kunden ohne Probleme zufahren könnten und ältere und gehbehinderte Menschen zu ihren Häusern kommen. Überdies würden ständig Staub und Lärm die Lebensqualität beeinträchtigen.
Einmal, so wird erzählt, habe das städtische Jahres-Budget für die Fertigstellung der Bauarbeiten in der Josefstraße nicht ausgereicht, woraufhin man die Rohr-Verlegungsarbeiten abbrach, die Künetten zuschüttete um sie im nächsten Jahr, nach frisch vom Gemeinderat genehmigten Geld wieder aufzureißen. Heuer wiederum seien aufgrund von Urlaub eines ganzen Bautrupps einfach die Arbeiten für zwei Wochen eingestellt worden. Das partielle Fahrverbot in der Straße wurde aufrecht erhalten, von der Polizei kontrolliert und Kunden einer Wirtschaftstreibenden, die Pakete und Waren abholen wollten, abgestraft. „Es gab keine Bauarbeiten, der Straßenabschnitt war dennoch gesperrt, dieser Teil aber passierbar. Das grenzt an Frotzelei“, so eine aufgebrachte Zeugin und Angestellte eines in der Josefstraße tätigen Unternehmens.
Seit einigen Tagen wurden allerdings die Bauarbeiten intensiviert und gingen rascher vonstatten, heißt es.
„Jede Menge Ver- und Entsorgungsleitungen“
„Den meisten Leuten ist gar nicht bewusst, dass unter den öffentlichen Straßen jede Menge Ver- und Entsorgungsleitungen verlaufen: Wasserleitungen, Abwasser- und Regenwasserkanäle, Stromleitungen für Hoch- und Niederspannung, Fernwärmeleitungen und Gasnieder- und hochdruckleitungen sowie Telekommunikations- und Datenkabel bzw. Lichtwellenleiter“, erklärt Baudirektor Kurt Rameis vom Magistrat St. Pölten. „Zu den in Straßenlängsrichtung verlaufenden Leitungen kommen dann noch die quer zur Straße liegenden Liegenschaftsanschlüsse dazu und es gibt Kabelschächte, Inspektions- und Reinigungsschächte und Schaltkästen. Der Untergrund der Straßen ist voll davon.“
Keine übergeordnete Regulierungsbehörde
Alle diese Leitungen werden von verschiedenen öffentlichen, halböffentlichen und privatwirtschaftlichen Stellen bzw. Betrieben errichtet, betrieben, erhalten und erneuert“. Es gebe keine zentrale Stelle, die für alle Einbauten zuständig sei. Aufgrund der von Gesetz wegen vorgesehenen Marktliberalisierung gebe es auch keine übergeordnete Regulierung.
„Abwägen, welche Bauabschnitte“
Es gelte daher immer abzuwägen, wenn umfangreiche Neubauten oder Erneuerungen eines oder mehrerer Einbautenträger anstehen, ob man einen betroffenen Straßenzug für sehr lange Zeit sperrt oder ob man in mehreren Zeitabschnitten arbeitet mit verkehrsmäßig ungestörten Zeitfenstern dazwischen, so Rameis.
„Straßenverwaltung auf 'Good Will' der Einbauträger angewiesen“
Daher versuchten die Straßenverwaltungen - unberufener Maßen“, so Rameis, „die Trassenwünsche bei Neubauten sowie die Bauvorhaben bei Neubauten und Erneuerung zu koordinieren“. Man ist dabei aber auf den guten Willen der verschiedenen Einbautenträger angewiesen, die alle ihre eigenen Interessen und Budgetplanungen haben. Dennoch funktioniere unter diesen Umständen die gegenseitige Abstimmung der verschiedenen Aufgrabungen „noch relativ gut“.
„Oft keine gleichzeitigen Einbauten und 'Synergien' möglich“
Man müsse auch sehen, dass es auch aus technischen und aus Platzgründen oft nicht möglich sei, dass zwei Einbautenträger zur gleichen Zeit im selben Abschnitt neu bauen oder erneuern. Und, Rameis abschließend: „Wenn auf der Straße gearbeitet wird, egal ob das durch die Einbautenträger stattfindet oder wegen einer Straßenerneuerung oder wegen beidem, ist das immer eine Störung für die betroffenen Anrainer und für den Durchzugsverkehr. Das lässt sich leider nicht ändern.“
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