Polithaudegen Nonner rechnet zu '80 Prozent' mit seinem Abgang
ST. PÖLTEN. Hermann Nonner ist eines von St. Pöltens – sagen wir einmal – charakteristischen Originalen auf der Politbühne. Der umtriebige Stadtpolitiker bastelt bereits intensiv an seinem Karrierenende im Rathaus. Dabei spielt auch mit, dass ihm das Schicksal vor einiger Zeit mit zwei Schlaganfällen unangenehme Fakten setzte. Die Beeinträchtigungen spüre er nur leicht, meint Nonner im Interview, er trage es mit Fassung und Disziplin. (Lesen Sie auch den Artikel: Nonner: Ja, ich will. Ja, ich kann. / mit Video aus dem Jahre 2014)

Dass Nonner bei den Freiheitlichen ist, ist mehr einem gewissen Pragmatismus geschuldet denn einer ideologischen Überzeugung. Ein Rechter im Sinne der Blauen, vielleicht gar noch extrem, ist er keiner. Er ist einer, der gern gegen den Strom schwimmt aber bei anderen Rathaus-Parteien nicht die Freiheit für das Vorbringen und Umsetzen seiner Ideen vorfand. Daher arrangierte er sich, der einst unabhängige Rathausmann, in der letzten Legislaturperiode mit den Freiheitlichen St. Pöltens.
„Rückenwind für die Blauen“
Der populäre Nonner, der als Operettenpräsident der Operette ihren Stellenwert in St. Pölten wieder gab, brachte den Blauen die ersehnten Stimmen, denn das Pflaster in St. Pölten war für die FPÖ noch nie sonderlich gut. „Nicht, dass die blaue Rathaustruppe durch herausragende Leistungen in den letzten fünf Jahren aufgefallen wäre, aber die allgemeine Proteststimmungslage wird ihnen Rückenwind geben“, analysieren St. Pöltens Politiker der anderen Parteien so oder ähnlich. Hermann Nonner wird dann wahrscheinlich nicht mehr dabei sein.
Tod von Schupp traf Nonner
„Wäre ich gesund und jünger, würde ich eine eigene Liste gründen und nochmals bei der kommenden Gemeinderatswahl am 17. April antreten.“ So, wie es jetzt ist, sehe es anders aus. Mitgenommen habe ihn auch der Tod seines Freundes Wilhelm Schupp, der mit ihm gemeinsam legendäre und hochwertige Operettengalas und -konzerte veranstaltet hatte (Siehe Artikel: St. Pöltens Operetten-Intendant Wilhelm Schupp ist tot). Aber eines sei klar, so Nonner: „Auf diesem Gebiet werde ich sicher weitermachen.“
Nonner über Stadler: Akzeptabel
Über seine Kollegen im Stadtparlament denkt der Stadtrat unterschiedlich. Für den Bürgermeister hat er sogar lobende Worte über: „Matthias Stadler“, so Nonner, „leiste akzeptable Arbeit, wenngleich er auch nicht die großen Bäume ausreißt“. Problematisch bei Stadler seien seine Multifunktionen in Stadt und Land. Außerdem fehlten ihm bei Stadler „die klaren Konzepte, Strategien und Visionen für die Stadt“. Ärgerlich fände er, Nonner, dass „bei Wirtschaftsreisen Stadlers ins Ausland ihn immer nur die gleichen persönlichen Freunde begleiten. Hier wäre einmal mehr Abwechslung vonnöten. Es sollten auch andere Wirtschaftstreibende mitfahren können“.
Nonner über Adl: „Ich will, aber ich kann nicht“
Auch den schwarzen Mitbewerb blickt er milder als früher an: „Vizebürgermeister Matthias Adl bemüht sich“. Dennoch leistet sich Nonner einen kleinen Seitenhieb: „Bei der Stadt-VP geht alles ein bisschen schleppend. Die Angriffe auf die Mehrheitsfraktion wirken oft wie 'ich will, aber ich kann nicht'“. Adl, so Nonner, wolle es sich mit dem Bürgermeister nicht verscherzen. „Immerhin bekommt er ja immer wieder Zuckerln und Zugeständnisse vom Bürgermeister“. Und Nonners Nachsatz: „Adl weiß, dass von ihm als Oppositionspolitiker eine gewisse Show verlangt wird“.
Buschenreiters „Knallerbsen“
Humorvoll, im Stil für den er bekannt ist, urteilt Nonner über die grüne Stadtpolitikerin Nicole Buschenreiter: „Sie kann sich zwar bei den Gemeinderatsitzungen gut artikulieren, aber sie bekommt die Knallerbsen nicht zur Explosion“.
„Blaue Entwicklung in äußerst rechte Randbereiche“
Über die Entwicklung der Blauen, also jener Partei, für die er in Stadt- und Gemeinderat sitzt, sei er nicht glücklich. „Die bewegen sich teilweise in Richtung äußerst rechte Randbereiche.“ Dabei werde Parteichef Klaus Otzelberger mitunter von neuen Parteifreunden „gegängelt“. Die alten seien teilweise „abmontiert“ worden.
Nonners Blick auf Pröll
Mit Landeshauptmann Erwin Pröll gebe es, so Nonner, eine „wertschätzende Verbindung“. Er achte dessen Einsatz für Kultur, und hier auch das Operetten-Genre, das Nonner besonders am Herzen liege. Es gab und gebe auch immer wieder Unterstützung für Nonners Anliegen in Sachen Operette beim Landeshauptmann. Allerdings sei in Niederösterreich noch „einiges zu tun, um diese wunderbare, urösterreichische musikalische Kunstform - die Operette - zu pflegen“.
Kritik am Medienservice
Mit Kritik spart das Polit-Original auch nicht am „Medienservice“ - der offiziellen Pressestelle der Stadt St. Pölten: „Der Medienservice betreibt Spielchen, agiert bürgermeisterlastig und steht nahe bei der SPÖ. Das Nachsehen haben die anderen Parteien, da deren Vertreter nicht oder einfach zu wenig oft in den stadteigenen Publikationen vorkommen“. Hier müsse es einmal Parteiengespräche geben, um dieses „Missverhältnis“ zu verändern, so Nonner. Hier sehe er sich auch mit den anderen Oppositionsparteien auf einer Linie.
Insgesamt wünscht sich Nonner von allen Seiten mehr Engagement für die Stadt. „Vor allem im Bereich des Verkehrs gibt es noch viel zu tun.“
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