Bürokratie belastet vor allem Kleinbetriebe
ST. PÖLTEN. Seit 2013 sind die Kosten für den Bürokratieaufwand in den niederösterreichischen Betrieben der Sparte Gewerbe und Handwerk um sieben Prozent auf 344 Millionen Euro angestiegen. Der Bürokratiebelastungsindex (Kosten je Beschäftigtem pro Jahr) stieg im selben Zeitraum von 2208 Euro auf 2371 Euro. Das ergab eine Studie der KMU Forschung Austria, die heuer rund 400 Unternehmen dazu befragte.

Der Zeitaufwand, den die heimischen Betriebe für die Bürokratiebelastung aufbringen müssen, liegt bei sieben Millionen Arbeitsstunden im Jahr oder 4300 Vollzeitsarbeitsplätzen. „Unsere Betriebe sollen sich auf das konzentrieren, was ihre Aufgabe ist: auf ihre Produkte und auf ihre Kundschaften“, sagte WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl. Die überbordende Bürokratie binde allein drei Prozent der Arbeitskräfte im Gewerbe und Handwerk, die produktiver genutzt werden könnten. Von den 344 Millionen Euro Kosten entfallen 264 Millionen auf interne und 80 Millionen auf externe Kosten wie Steuerberater oder externe Lohnverrechner. Der größte Brocken entfällt mit 156 Millionen Euro auf den Bereich „Buchhaltung, Jahresabschluss, Steuererklärung und Umsatzsteuermeldungen“ gefolgt von „Lohnverrechnung, Meldungen an Sozialversicherungen“ (56 Millionen Euro) und „Dokumentation, Archivierung von Unterlagen, Veröffentlichungspflichten“ (48 Millionen).
Umsatzentwicklung der Betriebe stagniert
Besonders betroffen sind Kleinbetriebe mit nur wenigen Mitarbeitern. Der zeitliche Bürokratieaufwand pro Beschäftigtem liegt bei Unternehmen mit ein bis neun Mitarbeitern bei 80,6 Stunden im Jahr, bei zehn bis 49 Mitarbeitern bei 58,9 Stunden und bei 50 oder mehr Mitarbeitern bei 30,5 Stunden. „Ein typischer Kleinstbetrieb hat drei bis fünf Beschäftigte. Das ergibt also 400 Stunden pro Jahr, die der Betrieb für die Bürokratie aufwenden muss. Selbst wenn man einen Stundensatz von 30 Euro hernimmt, wären das 12.000 Euro Kosten im Jahr. Das ist schlimm, weil Kleinbetriebe, wenn sie 10.000 bis 12.000 Euro Gewinn im Jahr machen, schon zu den erfolgreichen zählen“, erklärte Studienautor Walter Bornett von der KMU Forschung Austria. Bedenklich sei diese Belastung vor allem hinsichtlich der Umsatzentwicklung der NÖ-Betriebe im Gewerbe und Handwerk, die in den letzten Jahren stagnierte.
Kosten sollen um zehn Prozent sinken
Verantwortlich für den erhöhten Kostenaufwand in der Bürokratie sind laut Zwazl vor allem die jährliche Kommunalsteuererklärung, die auch für Ein-Personen-Unternehmen gelte, für diese aber sinnlos sei. Gefordert wird eine Anhebung der Wertgrenze für Geringwertige Wirtschaftsgüter auf beispielsweise 1500 Euro, was die Anlagenbuchhaltung wesentlich vereinfachen würde. Kritisch sieht die WKNÖ-Präsidentin auch die Dokumentationspflicht von frei erhältlichen Reinigungsmitteln, die für 2018 geplante monatliche Abrechnung der Sozialversicherungsbeiträge und die als überzogen angesehenen Kennzeichnungspflichten im Lebensmittelbereich. Mittelfristig wolle man die Bürokratiekosten um zehn Prozent auf unter 300 Millionen Euro senken. Wolfgang Ecker, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk, dazu: „Wir werden die Zahlen alle zwei, drei Jahre vergleichen und kontrollieren, ob die Bürokratie sinkt. Wir sind überzeugt, dass uns das gelingen wird.“


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