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ST. PÖLTEN. Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) sprach sich heute für eine Attraktivierung der Lehrberufe und einer Weiterentwicklung des dualen zum trialen Ausbildungssystem aus. Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, sollen darüber hinaus belohnt werden.

v.l.: Serafina Demaku (Landessekretärin der Sozialistischen Jugend NÖ), Bürgermeister Matthias Stadler, Michael Kögl (stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Generation der SPÖ NÖ) Foto: Thomas Lettner

„Am Stellenmarkt gibt es aktuell 1457 Lehrstellensuchende, 381 gemeldete offene Lehrstellen und 451 nicht sofort verfügbare offene Lehrstellen. Hier sieht man eine gewaltige Kluft zwischen den Lehrstellensuchenden und jenen, die sofort oder in absehbarer Zeit eine Lehrstelle suchen“, sagte Stadler. Laut einer langfristigen Prognose des AMS Niederösterreich würden in den nächsten Jahrzehnten 8000 Lehrlinge fehlen - für Stadler eine beachtliche Zahl, besonders da es mehr Lehrstellensuchende als Lehrstellen gibt.

Wahl des richtigen Lehrberufs wichtig

Einen Grund dafür sieht Stadler in mangelnder Berufsberatung als auch daran, dass junge Menschen eher Lehrberufe auswählen würden, die einen gewissen Bekanntheitsgrad haben. Zukunftsträchtige Lehrberufe wie Abfalltechniker würden jedoch weniger Beachtung finden. „Man muss den jungen Menschen klar machen, welche Berufe es gibt, welche Aussichten man mit dem Beruf hat und welche Talente sie wirklich haben“, sagte Stadler dazu.

Veränderungen in der Arbeitswelt erfordern triales Ausbildungssystem

Da die Arbeitswelt beispielsweise durch Digitalisierung und Industrie 4.0 ständigen Veränderungen unterliegt, müsse man stärkere Impulse am Arbeitsmarkt und bei den Lehrlingen setzen. Stadler fordert daher, die Lohnnebenkosten zu senken, was den kleinen und mittelständischen Unternehmen helfen würde (Beschäftigungsbonus). Aufgrund der Veränderungen mache auch ein triales Ausbildungssystem Sinn. Zur schulischen und praktischen Ausbildung käme als dritte Säule eine überbetriebliche Ausbildung hinzu. „Die Lehrlinge lernen so andere Betriebe kennen, können Defizite in der Ausbildung abbauen, und es könnten auch Einpersonenunternehmen Lehrlinge ausbilden und sich Unterstützung holen“, glaubt Stadler. 

Mehr Lohn und mehr Urlaub für Lehrlinge

Die Junge Generation NÖ und die Sozialistische Jugend NÖ starten ebenfalls im Herbst eine Kampagne zum Thema Lehre. „Lehrlinge sind die Zukunft der österreichischen Wirtschaft und brauchen bestmögliche Betreuung, eine gute Ausbildung mit individueller Förderung und mehr Rechte und finanzielle Förderungen. Sie sollen bekommen, was ihnen zusteht“, betonte Serafina Demaku, Landessekretärin der Sozialistischen Jugend NÖ. Internatskosten sollten folglich von den Betrieben übernommen, die Probezeit auf einen Monat verkürzt und Lehrlinge besser entlohnt werden. Gefordert wird auch eine sechste Urlaubswoche für alle Lehrlinge.

Lehrlingsfinder-Programm zur Unterstützung kleiner Betriebe

Die Junge Generation in der SPÖ NÖ macht sich für eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden pro Woche – bei vollem Lohnausgleich – stark. „Durch eine solche Verkürzung werden neue Arbeitsplätze geschaffen“, meint der stellvertretende Landesvorsitzende der JGNÖ, Michael Kögl. Außerdem würde das Risiko von Krankenständen und Burnout gesenkt werden und die Erwerbstätigen wären fitter im Job. Die JG NÖ schläg auch ein Lehrlingsfinder-Programm vor. „Dadurch sollen kleine und mittlere Betriebe ohne Personalabteilung zur Ausbildung von Jugendlichen beraten, bei der Suche nach geeigneten Lehrlingen unterstützt und die Vorauswahl der Bewerber könnte übernommen werden, um einerseits jungen Menschen gemäß ihren Fähigkeiten und Interessen eine Lehrstelle zu vermitteln und andererseits Betriebe, die junge Menschen ausbilden wollen, bestmöglich zu unterstützen. Wir können uns vorstellen, dass dieses Lehrlingsfinder-Programm in Zusammenarbeit der Sozialpartner umgesetzt wird“, sagte Kögl.


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