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ST. PÖLTEN. Auf den WWE-Gründen im Norden der Landeshauptstadt werden voraussichtlich ab Ende nächsten Jahres 720 Wohnungen gebaut. Nachdem nun der Abschlussbericht der archäologischen Ausgrabungen vorliegt, wird derzeit in enger Abstimmung mit der Stadt St. Pölten die Umwidmung von Bauland Betriebsgebiet in Bauland Wohngebiet bearbeitet.

Auf den WWE-Gründen entsteht eines der größten Wohnbauprojekte St. Pöltens. Rendering: Beyer
  1 / 3   Auf den WWE-Gründen entsteht eines der größten Wohnbauprojekte St. Pöltens. Rendering: Beyer

„Was für Wien die Seestadt Aspern ist, sind für uns die WWE-Gründe“, erklärte Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) bei einer Pressekonferenz. Nach der erfolgreichen Teilnahme am Europan Wettbewerb, einer europaweiten Wettbewerbsreihe für junge Architekten unter dem Motto „a Vision of Housing for a Sleeping Beauty“, wurde mit dem Architekturbüro BLOK ZT KG die Grundlage für eine neue, urbane Bebauungsstruktur mit Schwerpunkt „Wohnen in der Natur“ erarbeitet. Mit der Umsetzung des zweitplatzierten Projekts „Elastic City„ erhält die Landeshauptstadt einen neuen Stadtteil mit circa 58.000 Quadratmetern Nutzfläche. Der 30.000 Quadratmeter große Grünraum entlang der Traisen bleibt als Waldfläche erhalten.

Fundstücke aus der NS-Zeit

Als Voraussetzung für die Umsetzung des Wohnprojekts war im Vorfeld eine archäologische Untersuchung notwendig, da sich auf dem Areal im zweiten Weltkrieg eines der größten Zwangsarbeiterlager auf dem Stadtgebiet St. Pöltens befand. Von Juni bis Dezember 2017 wurden an insgesamt 70 Tagen umfangreiche archäologische Prospektions-, Grabungs- und Dokumentationsarbeiten seitens der beauftragten Firma ARDIG aus St. Pölten unter der Leitung des Stadtarchäologen Ronald Risy durchgeführt. Begonnen wurde mit Rodungsarbeiten. Das gerodete Areal wurde anschließend gründlich mit dem Metalldetektor untersucht. Mit dem Bagger freigelegte Fundstücke wurden händisch geputzt und dokumentiert. Man stieß dabei auf Reste von sechs Lagerbaracken, zwei Splitterschutzgräben, eine nicht bombensichere Bunkeranlage und Teile der ehemaligen Infrastruktur wie Kanalleitungen, Abwasseraufbereitung und die Lagerumzäunung.

Nutzung als „Korea“ bis in die 70er

In fünf der 42x15 Meter großen Baracken waren je 30 Fremdarbeiter der Glanzstoff-Fabrik untergebracht. Zusätzlich gab es noch eine Sanitärbaracke. 1943 wurde die Produktion auf 600 Tonnen Kunstfaser pro Jahr verdreifacht. 1944 gab es in St. Pölten insgesamt 600 Häftlinge. Diese mussten zwölf Stunden pro Tag und sechs Tage die Woche arbeiten. Bis Mitte der 70er Jahre wurde das Lagerareal, das nach dem Krieg als „Korea“ bekannt wurde, als Unterkunft für Arbeiter weiterverwendet.


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