"Kleiner Tim - großer Kämpfer"
ST. PANTALEON/ST. VALENTIN. Fast drei Monate zu früh kam der Sohn von Rebecca Fellner und Jens Inezberger zur Welt. Trotzdem kämpfte er sich ins Leben. Nun besuchte die Familie aus St. Pantaleon die beiden St. Valentiner Rettungssanitäter Juliane Auer und Rainer Jelinek, die damals das Paar in bangen Stunden zur Seite standen.

Es ist der 14. Juli dieses Jahres. Nach einem bis dahin schon einsatzreichen Nachtdienst schlagen bei den ehrenamtlichen St. Valentiner Rettungssanitätern Juliane Auer und Rainer Jelinek um 5.42 Uhr die Pager erneut Alarm. Die Einsatzmeldung: „Geburt mit erwarteten Komplikationen, Wehen in der 27. Schwangerschaftswoche“. Zeitgleich mit dem Rettungswagen macht sich auch das Notarztteam aus Perg auf den Weg zum Einsatzort nach St. Pantaleon. „Einsätze aufgrund von Entbindungen kommen nicht selten vor. Fast immer schafft man es aber noch rechtzeitig ins Krankenhaus und die Transporte verlaufen ohne Zwischenfälle“, weiß das Rettungsteam.
Geburt telefonisch begleitet
An diesem Sonntagmorgen sollte es allerdings anders kommen. Kurz vor dem Eintreffen am Einsatzort erhalten die Rettungssanitäter den Funkspruch, dass das Kind bereits geboren ist. Sowohl für das Rot-Kreuz-Team als auch für die Eltern Rebecca Fellner und Jens Inezberger kaum zu glauben. „Eine Woche zuvor war ich noch beim Arzt, der meinte, dass alles in Ordnung sei. Gegen 5 Uhr verspürte ich dann die ersten Wehen, um ca. halb 6 wurden diese stärker und kurz darauf war es auch schon soweit“, berichtet Rebecca, die bereits Mutter von zwei Kindern im Alter von 10 und 14 Jahren ist. Auch Jens kann sich noch genau an die Momente erinnern: „Der Leitstellenmitarbeiter erklärte mir genau, was ich zu tun habe, aber eigentlich musste ich nicht viel machen, unser kleiner Tim wollte anscheinend unbedingt an diesem Tag zur Welt kommen.“
Per Hubschrauber ins Krankenhaus
Doch zu den Glücksgefühlen mischte sich Angst, weil alle Beteiligten wussten, dass Tim fast drei Monate zu früh geboren wurde. Mittlerweile kümmerten sich Juliane und Rainer sowie das Perger Notarztteam um den nur 34,5 Zentimeter großen und knapp über 1000 Gramm schweren Bub. Mit einem Föhn und mit Decken wurde ein provisorischer Inkubator gebaut und außerdem der Notarzthubschrauber „Christophorus 10“ aus Linz angefordert. Denn obwohl Tim bei Bewusstsein war und atmete, zählte jetzt jede Minute. Rund 30 Minuten nach dem Eingang des Notrufes landete der Rettungshubschrauber auch schon neben dem Haus von Rebecca und Jens. „Ganz kurz durfte ich Tim im Arm halten, dann flog ihn die Hubschrauber-Crew nach Linz. Auch wenn es für mich schwer war, wusste ich, dass er jetzt in besten Händen ist“, so Rebecca. Während ihr Sohn nur sechs Minuten später im Med Campus IV des Kepler Uniklinikums eintraf, transportierten Juliane und Rainer in Begleitung des Perger Notarztes Rebecca ebenfalls nach Linz. Auch für langjährige Rettungssanitäter zählen Einsätze wie diese zu den prägendsten. „Seit 18 Jahren bin ich nun ehrenamtlich im Rettungsdienst tätig. Die Geburt von Tim war sowohl meine erste im Dienst als auch ein Einsatz, den man nicht so schnell vergisst“, so Rainer Jelinek.
Antrag macht Familienglück perfekt
Während der Einsatz für die Sanis beendet war, stand den frisch gebackenen Eltern und ihrem Sohn die schwierigste Zeit noch bevor. Über sechs Wochen lang lag der Kleine auf der Intensivstation. Tagtäglich besuchte ihn Rebecca und auch Jens versuchte, so viel Zeit wie möglich mit seinem ersten Kind zu verbringen. „Nach vier Wochen teilten uns die Ärzte mit, dass das Schlimmste überstanden sei.“ Nach weiteren vier Wochen im Landeskrankenhaus Steyr kam am 10. September der große Tag: Tim durfte endlich mit seinen Eltern nach Hause. Heute erfreut er sich bester Gesundheit, nur ein 24-Stunden-Überwachungsgerät erinnert an den schwierigen Start ins Leben. Die aufregende Zeit schweißte die junge Familie aber auch zusammen. Und deshalb überraschte Jens seine Rebecca nur fünf Tage nach der Geburt von Tim mit einem Heiratsantrag. „Wir sind zwar erst ein Jahr zusammen, haben aber so viel durchgemacht wie andere ein ganzes Leben nicht“, so Jens, der sich dank des „Ja“ von Rebecca auf das nächste Highlight freuen darf. Und dabei ab sofort immer an der Seite des Paares: Der kleine Tim mit dem großen Kämpferherz.


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