Vögel der Region - Blaumeise "Tipsi" präsentiert die wohlklingende Nachtigall
Vögel der Region - Blaumeise „Tipsi“ präsentiert die wohlklingende Nachtigall

„Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“, so heißt es in Romeo und Julia von Shakespeare. Julia versucht Romeo mit diesen Worten subtil einzureden, dass der Morgen noch nicht angebrochen ist und er noch bei ihr bleiben kann. Heutige Julias können nur noch raunen, es war die Meise und nicht der Spatz, oder gar, es war das Zeitungsauto und nicht die Müllabfuhr. Früher war die Nachtigall häufi g. Sie war wegen des wunderschönen Gesangs ein beliebter Käfigvogel. Zu ihrem Schutz musste sogar in mehreren Ländern eine Nachtigallensteuer eingeführt werden. Auch in den Liedern des ersten „Popstars“ der Geschichte, Walther von der Vogelweide, kam sie selbstverständlich vor. „Tandaradei, schône sanc diu nahtegal“ (schön sang die Nachtigall). Zwar klingt der Gesang der jungen Männchen in Zentralafrika noch kläglich, doch dank Talent und großer Gelehrigkeit sind sie zur Brutzeit in Europa bereits wahre Meistersänger. Nachtigall heißt übrigens, wie Julia es richtig andeutet, soviel wie die „Nachtsängerin“. Die unverpaarten Männchen singen zwar rund um die Uhr, aber vor Mitternacht nutzen sie die Gunst der Stunde, denn in der Nacht sind die Weibchen intensiv auf Partnersuche. Nachtigall, ich hör dich trapsen. Bei uns ist die Nachtigall ein Opfer unserer ausgeräumten Landschaft. Es gibt keine Brutnachweise mehr, nur einzelne Durchzügler werden noch singend festgestellt. Sie bräuchte wieder mehr unterholzreiche Laubmischwälder, Auwälder, Windschutzstreifen, Hecken und größere Buschbestände. Gerade diese sind auch wertvoll als Windschutz, Hochwasserschutz, Erosionsschutz, Sichtschutz, Klimaschutz, Wildtierverstecke und Naturschutz.Vögel als Landschaftsbildner Lässt man es zu, sind Vögel selbst die besten Architekten dieser Zonen. Wer schon mal Vögel beim Fressen beobachtet hat, dem ist vielleicht aufgefallen, sie schmeißen verschwenderisch ein, zwei Samen zu Boden, ehe sie ein Korn selbst picken. Das ist von der Natur schlau eingefädelt, denn so sorgen sie selbst für ihre zukünftige Nahrung. Auch 135 von 186 europäischen Gehölzarten werden vom Landschaftsgärtner namens Vogel verbreitet. Das Gehölz schenkt dem Vogel köstliche Früchte, der Vogel scheidet die Samen keimfähig wieder an anderer Ort und Stelle aus – auch die Nachtigall. Sie soll angeblich zu den Gewinnern der Klimaerwärmung zählen. Doch ohne Sträucher und Co wird es nicht eintreten, dass dieses wohlklingende Mauerblümchen auch uns wieder – wie einst Romeo und Julia – mit ihrem Gesang erfreut.
TEXT: Julia Karner und Florian Mayr


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden