Vögel der Region - Blaumeise "Tipsi" präsentiert die höfliche Bachstelze
Im Monat August stellt „Tipsi“ die höfliche Bachstelze vor.

Die Bachstelze ist ein allseits beliebter Vogel. Das kommt bestimmt daher, dass sie von langbeiniger, schlanker Statur ist und der Körper nur etwa die Hälfte ihrer Länge misst, sodass sie anmutig und grazil wirkt. Weiters scheint sie sehr höflich zu sein, denn beim Schreiten nickt sie stetig mit dem Kopf und gleichzeitig wippt sie mit dem Schwanz. Je rascher sie unterwegs ist, umso heftiger wirken diese Bewegungen, die fast schon etwas von einem tänzelnden Hofknicks haben. Nicht von ungefähr nennt man sie in Italien „Weiße Ballerina“ und in England „Wippendes Schwänzchen“.
Bei uns heißt sie schlicht Bachstelze, weil sie am häufigsten entlang von Gewässern dahinstaksend zu beobachten ist. Der Name ist ein wenig irreführend, denn sie mag auch Gehöfte und alle anderen Orte, wo sie eine gute Deckung hat und Nahrung findet. Hauptsächlich ernährt sich der schlicht aber fein schwarz, grau, weiß gezeichnete Vogel von kleinen Insekten und Spinnen. Dennoch, an der Enns oder an jedem größeren Bach, kann man sie mit einiger Sicherheit auf einem Brückengeländer oder auf aus dem Wasser ragenden Steinen ausmachen.
Der Sage nach
Eine Fabel aus Flandern erklärt ihr nervöses Schwanzwippen wie folgt: Die Vögel hatten einen Kampf mit den vierbeinigen Tieren und die Bachstelze stand in der vordersten Reihe. Ehe sie sich ins Kampfgetümmel stürzte, blickte sie sich noch einmal um und erschrak, wie klein die Vögel doch im Vergleich zu den Vierbeinern waren. Seit diesem Augenblick der großen Furcht hat sie angeblich diesen zitternden Schwanz. Was soll“s, liebe Bachstelze, nur diejenigen, die sich vor etwas fürchten, können auch mutig sein. Die Vögel haben übrigens die Auseinandersetzung für sich entschieden.
Das so höflich wirkende Vögelchen kann aber auch anders. Wehe es nähert sich in der Balzzeit dem Männchen im Revier ein Rivale. Wie streitbar das Männchen dann wird, kann man erahnen, wenn man die amüsante Szene beobachtet, wie der Bachstelzerich sein eigenes Spiegelbild in einem Autorückspiegel energisch bekämpft. Immer wieder versucht er unbelehrbar, den vermeintlichen Rivalen aus dem Revier zu vertreiben. Der hormonell bedingte Spuk beruhigt sich wieder, wenn die Balzzeit vorüber ist. Immerhin eine wissenschaftlich bestätigte Fähigkeit, die wir Menschen den Bachstelzen voraus haben, wir erkennen unser eigenes Spiegelbild. Beim Orientierungssinn schaut es schon wieder anders aus, denn Bachstelzen fl iegen schon seit Menschengedenken ohne externes Navi im Herbst in den Süden in den Mittelmeerraum und kehren als eine der ersten Vögel im Frühling wieder zurück. Die Brutortstreue ist recht hoch und so kann man „seine“ zutrauliche Bachstelze hoffentlich einige Jahre lang immer wieder beobachten und in Sachen höfliches Benehmen anstatt des Elmayer studieren.
GEWUSST? Die Wörter Revier und Rivale haben denselben Ursprung wie das englische Wort „River„ für Fluss. Ein Platz am Wasser ist eben schon seit jeher begehrt und heiß umkämpft, nicht nur bei Bachstelzen.
von JULIA KARNER und FLORIAN MAYR


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