„Österreicher zu sein, müssen wir lernen“
STEYR. Hussain ist 16 Jahre alt. Mit 14 kam er ohne Eltern von Afghanistan nach Österreich. Heute lebt der junge Mann im Jugendwohnhaus der Volkshilfe „Maradonna“ in Steyr und arbeitet auf seinen Traum hin – Schule schaffen, bleiben dürfen und Polizist werden.

„Jetzt bin ich zwei Jahre hier und verstehe Österreich schon viel besser, auch weil ich inzwischen gut Deutsch kann, aber am Anfang war mir alles zu viel“, erinnert sich Hussain. Ankommen, einfinden, Trauer verarbeiten, das alles nimmt die jungen Burschen zu Beginn sehr mit.
Einsatz von Freiwilligen
Dass Hussain heute fleißig auf den Hauptschulabschluss hinarbeiten kann, liegt auch am Einsatz von Freiwilligen. Der Deutschunterricht im Maradonna wird von ehemaligen Lehrern gehalten und vermittelt mehr als nur die Sprache. „Ich habe von meiner Lehrerin so viel gelernt, das in Afghanistan einfach anders läuft. Zu Hause sagen wir, dass wir auf den Tag warten, hier gestalten die Menschen ihre Tage mit Terminen und legen Wert auf Pünktlichkeit, das ist wirklich neu für uns. Österreicher zu sein, das müssen wir erst lernen.“
Ein wenig Zeit nehmen
Die freiwillige Lehrerin Eva ist seit sechs Jahren regelmäßig im Wohnprojekt und hat schon so manchen Neuankömmling an die Hand genommen: „Es geht von Alphabetisierung bis zur Vorbereitung für den Hauptschulabschluss. Manche Jungs suchen aber auch einen Anker, ein wenig Anschluss. Diese Jugendlichen schätzen es einfach, dass sich jemand mehr Zeit für sie nimmt.“
Völlig unverständliches Land
Rosa Rumetshofer, Freiwilligenkoordinatorin der Volkshilfe, freut sich über jede ehrenamtliche Unterstützung, die sie organisieren kann: „Der Wert solcher Freundschaften ist unschätzbar. Die Jugendlichen, Erwachsenen und Familien, die zu uns kommen, haben alle Wurzeln verloren, sind fremd in einem für sie oft völlig unverständlichen Land und mit tausend kleinen Alltagsproblemen konfrontiert. Obwohl unsere Mitarbeiter natürlich erste Ansprechpersonen sind, können sie echte Freundschaften nicht ersetzen und solche entstehen fast immer bei unseren Projekten. Viele Freiwillige wissen gar nicht, wie sehr sie das Leben der Menschen zum Besseren wenden, einfach nur durch ein paar Stunden ihrer Zeit.“
Hoffnung nicht verlieren
Für Hussain ist der Kontakt zu den freiwilligen Helfern im Jugendwohnhaus sehr wichtig. Sein neues Leben in Österreich macht den jungen Mann oft nachdenklich. „Viele Leute glauben, dass sie wissen, was ich brauche, ohne mich zu fragen. Menschen wie Eva schenken mir die Zeit, zu zeigen, wer ich bin. Flüchtling sein ist nicht einfach. Wir werden oft als böse Außenseiter betrachtet. Die Freiwilligen helfen uns, nicht zu vergessen, dass wir auch Menschen sind. Mit schönen Träumen und Wünschen. Sie helfen uns, die Hoffnung nicht zu verlieren“, erzählt Hussain.
Mithelfen
Die Volkshilfe ist immer auf der Suche nach Menschen, die bereit sind, sich freiwillig zu engagieren. Infos dazu gibt es bei den Flüchtlingsbetreuerinnen Adela Perte (Tel. 0676/87347131; adela.perte@volkshilfe-ooe.at) und Verena Haselmayr (Tel. 0676/87347225; verena.haselmayr@volkshilfe-ooe.at)


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