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STEYR. In der Schlossgalerie sind im Juni historische Textilschätze aus den Privatsammlungen von Heidemarie Corn, Hartmut Lang und Theresia Neuhauser zu bestaunen: Auf 450 m2 findet man u. a. eindrucksvolle Klöppelarbeiten. Eröffnung ist am Donnerstag, 7. Juni, 19 Uhr.

Edle Bedfordshire-Spitze (um 1900)
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Der Kern der Ausstellung „Textile Kostbarkeiten“ setzt sich zusammen aus 192 historischen Klöppelspitzen, 65 Fächern und 80 Perlbeuteln. Separat zu sehen sind Klöppelkissen und eine Dokumentation der österreichischen Spitzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Lehrgang der k.k. Frauenhausindustrie, der Wiener Werkstätte und Spitzenentwerferin Grete Thums. Weiters beeindrucken Spitzen aus Plauen, aus San Benedetto und von der 2001 von Theresia Neuhauser gegründeten Klöppelinitiative Steyr.

Die Steyrer Klöppelexperten Neuhauser und Hartmut Lang haben ihre Schaustücke in mehr als 20 Jahren zusammengetragen. Spitzen vom 16. bis 20. Jahrhundert sind darunter: Doppeldurchbrucharbeiten, oberitalienische Nadel- und Klöppelarbeiten, Buratto-Arbeiten, Spitzen aus Flandern uvm. Einiges wird in Form von Krägen, Barben und Tüchern präsentiert.

Heidemarie Corn zeigt Fächer ab dem 18. Jahrhundert, zudem Kleinode wie Perlsachen, Täschchen unterschiedlichster Herkunft, Beutel und Geldbörsen. Eintritt frei!

Geschichte des Klöppelns

Beim Klöppeln kommen – vorwiegend aus Holz gedrechselte – spindelförmige Spulen zum Einsatz. Mit dem aufgewickelten Garn werden verdrehend und verkreuzend mithilfe von Stecknadeln Spitzen erarbeitet. In Steyr wurden möglicherweise zur Zeit der Cölestinerinnen im Kloster (heute Altes Theater) Spitzen hergestellt. Unterlagen dazu fehlen jedoch.

Die Spitze spielte im früheren gesellschaftlichen Leben jedenfalls eine gewichtige Rolle. Unter Frankreichs „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. etwa war sie ein Statussymbol – der Adel war bereit, Hab und Gut zu verpfänden, nur um am Hofe von Versailles in filigran verziertem Gewand zu erscheinen. In Testamenten spielten Spitzen einst in einer Liga mit Ländereien oder Juwelen. Die Herstellung war jahrhundertelang ein bedeutsamer Wirtschaftszweig. Während feine Damen das Klöppeln als Hobby pflegten, arbeiteten jene Frauen und Kinder, die mit dieser Kunst ihr Brot verdienten, allerdings für Hungerlöhne.

Politisches Machtinstrument

Die Habsburger Monarchie nutzte die Spitzenklöppelei sogar für ihren innenpolitischen Einfluss: Der Wiener Zentralspitzenkurs bildete ab 1879 die Fachkräfte aus und fungierte mit seinem Knowhow als Bindeglied für die Länder der Monarchie.

Heute engagiert sich eine starke Klöppelinitiative Steyr rührig für die Wiederbelebung der historischen Handarbeitstechnik.

Textile Kostbarkeiten

Schlossgalerie, Blumauergasse 4

Fr, 8. Juni – So, 10. Juni

Do, 14. Juni – So, 17. Juni

Do, 21. Juni – So, 24. Juni

jeweils 10–17 Uhr, Eintritt frei!


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