Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

STEYR/RIED IM TRAUNKREIS. In OÖ werden bis 2025 rund 1500 zusätzliche Fachkräfte im Bereich Altenpflege benötigt. „Dabei gibt es jetzt schon zu wenige“, so Sabine Wimmer vom Pflege- und Betreuungsdienst des Sozialhilfeverbandes Steyr-Land. Doch eine junge Asylwerberin, die eben noch vorbildlich in Steyr die Ausbildung für Altenarbeit besuchte, ist gestern nach Bulgarien abgeschoben worden.

Symbolfoto: Wodicka
Symbolfoto: Wodicka

Für die junge Maryam ist der Traum, in Österreich im Bereich Pflege Fuß zu fassen, vorbei. Von der Polizei ist sie vor wenigen Tagen zuhause abgeholt worden. Seit März 2015 war die Somalierin in Ried im Traunkreis als Asylwerberin gemeldet. „Sie hatte den Pflichtschulabschluss nachgeholt und die Deutsch-Prüfungen Level B1 und B2 erfolgreich bestanden. Seit September 2017 absolvierte sie die Ausbildung zur Fach-Sozialbetreuerin/Altenarbeit“, sagt Martin König, Geschäftsführer der Soziales Netzwerk GmbH.

Sowohl seitens der von ihr besuchten Schule für Sozialbetreuungsberufe (SOB) Steyr, als auch vom Gemeindealtenheim Ried im Traunkreis, wo sie ein vorgeschriebenes Praktikum absolvierte, habe es über sie nur positive persönliche Rückmeldungen und fachliche Beurteilungen gegeben.

Dramatischer Rücklauf bei Personal-Nachschub

Und gut ausgebildete Pflegekräfte in der Altenarbeit sind gefragter denn je. Wer derzeit in Ausbildung ist, hat einen Arbeitsplatz eigentlich schon in der Tasche. „Etwa 30 Frauen und Männer schließen heuer die zweijährige Ausbildung bei uns ab“, sagt Direktor Ewald Staltner von der Schule für Sozialbetreuungsberufe Steyr. Das sei an Absolventen viel zu wenig.

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, beim Personal in den Heimen steht eine Pensionierungswelle bevor. Doch die SOB klagt: „Vor einigen Jahren hatten wir für zwei Klassen noch 80 Bewerber. Für den Lehrgang ab September sind jetzt noch etwa 20 Plätze frei“, so Staltner. Momentan deutet sogar viel darauf hin, dass Pflegeplätze aus Personalmangel bald nicht mehr belegt werden können. „Wir sehen dieses Problem teils schon“, so Sabine Wimmer.

„Abschiebepolitik dringend überdenken“

Umso weniger verständlich das Schicksal von Maryam aus Somalia. Die Abschiebung ihrer absolut vorbildlichen, engagierten und beliebten Studierenden schockiert Direktion, Lehrer und Studierende an der SOB Steyr zutiefst.

„Es ist völlig unverständlich, warum man eine Auszubildende mit Integrationsbemühungen abschiebt. Vor allem, wenn es um einen Pflegeberuf geht“, betont auch König, „die Zahl der an Pflegeberufen Interessierten ist dramatisch rückläufig, die Konsequenzen werden täglich größer. Die praktizierte Abschiebepolitik muss dringend überdacht werden.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden

Antworten
Gastuser
Gastuser
26.06.2018 19:58

FSBA Absolventen

Leider ist es jetzt schon der Fall dass in den Alten und Pflegeheime das Personal fehlt auch im Bezirk Kirchdorf und es wird schon darüber nachgedacht, freie Pflegeplätze nicht mehr zu belegen. Das Personal in von betroffenen Heimen muss jetzt schon zu viele Mehrstunden arbeiten, diese aber nicht ausbezahlt bekommen. (Überstunden deshalb nicht, da die meisten als Teilzeitkräfte arbeiten) Leider ist es so und in dem Fall dass jemand eine Ausbildung erfolgreich absolviert und dann noch abgeschoben wird, kann man nur den Kopf schütteln.