Badesaison: Gefahrensituationen mit Kindern in der Region häufen sich
STEYR. Hohe Temperaturen machen Lust aufs kühle Nass. Gerade bei den Kleinsten wird die Gefahr aber oft unterschätzt. Im Durchschnitt ertrinken in Österreich pro Jahr fünf Kinder. In letzter Zeit spielten sich auch in der Region immer wieder dramatische Szenen ab.

Erst vor wenigen Tagen wurden Badegäste Zeuge, wie der Bademeister in der Steyrer Schwimmschule René Kaiser – mit erfahrenen Argusaugen ausgestattet – einen verdächtig strampelnden Buben inmitten einer badenden Kinderschar entdeckte und binnen Sekunden aus dem Becken zog. Der Kleine konnte offenbar nicht schwimmen.
In den letzten Wochen kein Einzelfall. Einem zu ertrinken drohenden Mädchen hatte Kaiser nur einige Tage davor das Leben gerettet. Besonders dramatisch ein Unfall im Freibad Kremsmünster: Dort wurde ein sechsjähriger Steyrer Nichtschwimmer in leblosem Zustand aus einem 1,80 Meter tiefen Becken geholt (Tips berichtete).
Ertrinken passiert leise
So sehr man kleine Kinder auch im Auge behält – schon eine kurze Ablenkung kann schwere Folgen nach sich ziehen, betont das Rote Kreuz. Besonders kritische Situationen drohen im Bereich von Seen oder Schwimmbecken. „Für Kinder kann das Spielen in der Nähe von Gewässern durch eine kleine Unachtsamkeit zur tödlichen Gefahr werden. Ertrinken passiert schnell und leise. Schon drei Minuten genügen, um das Badevergnügen tödlich enden zu lassen“, erklärt OÖ. Rotkreuz-Präsident Walter Aichinger.
Aber auch Gartenteiche, Biotope oder Regentonnen stellen eine Gefahr dar: „Kinder können schon im 20 Zentimeter tiefen Wasser ertrinken. Der Schock beim Eintauchen blockiert die Atemwege und führt zum Ersticken. Zudem haben Kinder einen schweren Kopf und eine ungeübte Muskulatur“, so Aichinger. Um solchen lebensbedrohenden Situationen entgegenzuwirken, entwickelte ein Leondinger Unternehmen mit dem Roten Kreuz das „Moby-Kid“-System. Kernstück bildet ein Armband – bei Berührung mit Wasser löst die Basisstation einen lauten Alarm aus.
Aufsichtspflicht
Egal ob Biotop, Schwimmteich oder eigener Pool: Wer sich eine Anschaffung überlegt, muss sich von Anbeginn mit dem Thema Sicherheit auseinandersetzen, um die Kleinsten zu schützen: „Natürlich gibt es eine Vielzahl von Sicherheitsvorkehrungen wie spezielle Abdeckungen, Schwimmbad-Überdachungen, Rollschutz oder eben das Moby-Kid-System.“ An oberster Stelle stehe jedoch die Aufsichtspflicht. Kinder dürfen sich niemals alleine und unbeaufsichtigt in unmittelbarer Nähe eines Gewässers aufhalten.
Ungeeignete Behelfe
Vorsicht sei auch bei sogenannten Schwimmhilfen geboten. Schwimmflügerl bieten in tieferen Gewässern guten Schutz, sollten aber mit mindestens zwei voneinander getrennt aufblasbaren Kammern sowie zwei Sicherheitsventilen ausgestattet sein. In seichten Gewässern kommt diese Sicherheitsvorkehrung jedoch nicht zum Tragen. Wasserspielzeuge wie aufblasbare Tiere, Luftmatratzen oder Schwimmreifen sind als Schwimmhilfe gänzlich ungeeignet. Vor allem bei letzterem besteht die Gefahr, dass Kinder durchrutschen.
Lebenskompetenz Schwimmen
Der beste Schutz ist es, Kindern so schnell wie möglich das Schwimmen beizubringen. „Schwimmunterricht kann helfen, Leben zu retten. Und je mehr Menschen die Fähigkeit besitzen, in Not geratene Personen aus dem Wasser zu retten, desto sicherer werden unsere Schwimmbäder, Badeseen oder Aufenthalte am Meer“, so Aichinger.
Erste Hilfe bei Kleinkindern
Täglich können Eltern, Großeltern, ältere Geschwister oder Betreuungspersonen damit konfrontiert sein, Kindern Erste Hilfe leisten zu müssen. Für alle, die kleine Kinder beaufsichtigen, empfiehlt es sich in jedem Fall einen Erste-Hilfe-Kindernotfallkurs zu absolvieren. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – das gilt gerade in der Medizin und auch in der Ersten Hilfe. In Kindernotfallkursen wird gelehrt, wie man bei Kindern aller Altersstufen Erste Hilfe leistet und was man tun kann, um Kindernotfälle zu vermeiden. Eine Anmeldung ist an jeder nächstgelegenen Bezirksstelle möglich.


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