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STEYR. Elfriede Salat war eine Pionierin, gründete im Jahr 1986 einen Verein für die Hauskrankenpflege (heute Vita Mobile). Am 23. August starb Salat im 86. Lebensjahr.

Elfriede Salat 2016 bei der 30-Jahr-Feier von Vita Mobile Foto: privat
Elfriede Salat 2016 bei der 30-Jahr-Feier von Vita Mobile Foto: privat

Ein Nachruf von Gertrude Schreiberhuber, Vereinsvorsitzende von Vita Mobile

In ihrer Begrüßung zur konstituierenden Sitzung des Vereins Steyrer Heimhilfe und Hauskrankenpflege (Name des Gründungs- und Vorgängervereins von Vita Mobile GenerationenLeben) am 24. November 1986 berichtete Elfriede Salat, dass eine Gruppe von 15 Frauen bereits im September 1984 mit der Pflege und Betreuung Kranker und Pflegebedürftiger begonnen hatte. Die Arbeit des neu ins Leben gerufenen Vereins sollte eine Ergänzung zur von der Stadt Steyr mit damals einer Krankenschwester angebotenen Hauskrankenpflege sein und umfasste „nicht nur Pflege sondern auch psychische Betreuung, Einkaufen, Spazierengehen, Arbeit in Garten und Haushalt, Arztbesuche, Besorgungen bei Ämtern und Behörden“, wobei vieles, was nicht unmittelbar in die Krankenpflege und -betreuung fiel, unentgeltlich gemacht wurde, wie sie ausführte.

Pflege für alle

Um ihre Vorstellungen und ihr Konzept vollumfänglich umsetzen zu können, war die Gründung eines Vereins und damit Schaffung einer Rechtspersönlichkeit notwendig geworden, da mit Subventionen, Mitgliedsbeiträgen und Spenden jene Beträge eingebracht werden sollten, die benötigt wurden, auch Minderbemittelte zu pflegen.

Dieser Ansatz und die Überzeugung, dass die Pflegerinnen nicht unentgeltlich arbeiten, vielmehr sozial- und arbeitsrechtlich abgesichert sein sollten, waren sozusagen ihr Grundsatzprogramm, das sie auf der Basis ihrer selbst gemachten Erfahrungen mit aller Überzeugung und Nachdrücklichkeit, mit Unterstützung aller ihr und ihren Gründungsfunktionärinnen zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglichkeiten verfolgte.

Durchsetzungskraft

Mit ihrer zutiefst verwurzelten Überzeugung von der Bedeutung und Qualität der Vereinsarbeit als unverzichtbare und wertvolle Ergänzung des sozialen Angebots in der Stadt Steyr, ihrem Beharrungsvermögen und ihrer Durchsetzungskraft, ihrer Fähigkeit, Menschen für Neues zu motivieren, gelang es ihr immer wieder, Mitarbeiter für die Pflege- und Betreuungsarbeit wie auch Funktionäre für die Vereinsarbeit zu gewinnen.

Meisterin der Vernetzung

Elfriede Salat war eine Meisterin der Vernetzung. Insbesondere holte sie ihre Informationen von den Experten der schon beim Land Oberösterreich in der Sozialabteilung entwickelten Konzepte für die damals so bezeichnete extramurale Pflege und Betreuung, machte selber und schickte Mitarbeiterinnen in angebotene fachspezifische Ausbildungen. Mit Hilfe von vom AMS zur Verfügung gestellten sogenannten Schlüsselkräften konnten Bürobetrieb und der Dienst an den Pflege- und Betreuungsbedürftigen organisiert und gesichert werden.

Hilfe von Stadt und Land

So war es auch ein riesiges Erfolgserlebnis für Elfriede Salat, dass der damalige Sozialreferent des Landes Oberösterreich, Hermann Reichl, eine beträchtliche Startsubvention gewährte. Es gelang ihr sodann der Abschluss eines Vertrages mit der Stadt Steyr, wonach die aushaftenden Beiträge der Betreuten von Seiten der öffentlichen Hand abgegolten wurden. Damit kam auch als sehr wesentliches Thema die gehaltsmäßige Einstufung der Mitarbeiterinnen auf den Tisch, bei dem die Ansichten von Elfriede Salat und der Stadt Steyr naturgemäß auseinanderklafften. Besonders hervorhebenswert ist die Tatsache, dass nach dem damals geltenden Vereinsrecht der Vorstand für die finanzielle Gebarung des Vereinsbetriebes mit seinem Privatvermögen haftete.

Eigene Wohnung als Büro

Neben der grundsätzlichen finanziellen Absicherung des Dienstbetriebs waren die nicht monetären Hilfen von verschiedenster Seite von großer Bedeutung. Nachdem vorerst keine Vereinsräumlichkeit vorhanden war – die Treffen mit den Mitarbeiterinnen, die Büroarbeit, alle Besprechungen und Telefonate etc. wurden in der Wohnung von Elfriede Salat durchgeführt – fanden die Gründungsversammlung und alle weiteren Vereinssitzungen bei ihrer Kärntner Freundin Isabella Viertler im Hotel Minichmayr statt, die Kärntner Sängerrunde und die Goldhaubengruppe Steyr unterstützten bei unzähligen Veranstaltungen und mit einer Verkaufsausstellung, mit deren Erlös erste Pflegebehelfe angeschafft werden konnten, die Lions St. Ulrich, damals im Verein als Beirat vertreten, spendeten das erste Dienstfahrzeug für den mobilen Dienst, um nur einige zu nennen.

Große Nachfrage

Die Nachfrage nach den Diensten des Vereins Steyrer Heimhilfe und Hauskrankenpflege, dem zu dieser Zeit landesweit Einzigen mit dieser hohen Professionalität und dem Qualitätsanspruch, war groß! 

Elfriede Salat hat durch ihre Pionierarbeit die soziale Landschaft, den Umgang mit den pflege- und betreuungsbedürftigen alten Menschen, aber auch jener, die diese Tätigkeiten ausführten, nicht nur in ihrem persönlichen Umfeld, im Vereinsvorstand und in der Stadt Steyr sondern auch im Land Oberösterreich geprägt und zu einem neuen Denken und Verständnis um den Wert und die Wertschätzung der Pflege und Betreuung zu Hause beigetragen.

Für ihr Wirken wurde sie am 2. Dezember 1997 mit der Humanitätsmedaille des Landes Oberösterreich ausgezeichnet. Ihre Tätigkeit als Vereinsvorsitzende übte sie bis 30. März 1998 aus.


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